„PE-Wertschöpfung in neuer Phase“
Ebitda-Wachstum wichtiger als Umsatzsteigerung. Zweitmarkt und Continuation Funds sind mehr als eine Resterampe.
Wie schafft die Beteiligungsbranche Werte in einem Umfeld, in dem geopolitische Verwerfungen, hohe Einstiegsmultiples und verlängerte Exit-Zeiträume große Herausforderungen darstellen? Laut der aktuellen European Value Creation Survey des Beraters Alvarez & Marsal (A&M) ist es nun häufiger die aktive operative Wertsteigerung. Gemäß der A&M-Analyse zu abgeschlossenen PE-Investitionen in Europa machten Verbesserungen der Ebitda-Marge bei den 2025 veräußerten Portfoliounternehmen exakt 51 Prozent des Ebitda-Wachstums aus, gegenüber lediglich 21,5 Prozent bei den Exits vor 2023. Der Beitrag des Umsatzwachstums sank im gleichen Zeitraum von 78,5 auf 49 Prozent.
Private-Equity-Unternehmen beschleunigen zudem die Umsetzung ihrer Value-Creation-Pläne. 58 Prozent setzen laut dem Survey entsprechende Ressourcen bereits innerhalb der ersten 100 Tage ein, doppelt so viele wie im Vorjahr (29 Prozent). Trotz dieses früheren Einsatzes bleiben aber viele Programme hinter den Erwartungen zurück. 65 Prozent der Befragten geben an, dass sie von den in den vergangenen zwei Jahren entwickelten Wertsteigerungszielen weniger als die Hälfte erreicht haben.
„Die Wertschöpfung im Private-Equity-Markt ist in eine neue Phase eingetreten. Erfolgreich sein werden in diesem Umfeld die Unternehmen, die durch operative Disziplin, stärkere kommerzielle Fokussierung und einen gezielten Einsatz von Daten robustere Geschäftsmodelle aufbauen“, ordnet Steffen Kroner, Managing Director Private Equity Performance Improvement (PEPI) und Co-Head Deutschland bei A&M, die Marktentwicklung ein.
Sekundärmarkt schafft Liquidität
Ein weiteres zentrales Ergebnis der im Februar durchgeführten Umfrage unter 200 Private-Equity-Investoren sowie C-Level-Führungskräfte aus Portfoliounternehmen ergibt sich aus den längeren Exit-Zeiträumen. Die Nutzung des Sekundärmarkts inklusive Continuation Fonds hat stark zugelegt: 43 Prozent der befragten PE-Unternehmen setzen diese Instrumente inzwischen ein. Das seien nahezu doppelt so viele wie im Vorjahr. Gleichzeitig sank der Anteil derjenigen, die Exits zu niedrigeren Bewertungen akzeptieren, von 29 Prozent im Jahr 2025 auf nur noch sieben Prozent in der aktuellen Analyse.
Gut zu wissen ist, dass die Mehrheit der über den Sekundärmarkt oder Continuation Fonds transferierten Assets weiterhin als leistungsstark gilt. 45 Prozent der Befragten beschreiben sie als Unternehmen, die die Erwartungen erfüllen, aber mehr Zeit benötigen, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Weitere 42 Prozent sehen darin hochwertige Assets, die lediglich durch ungünstiges Markt-Timing ausgebremst werden. Die größte Herausforderung dabei bleibt die Preisfindung: 64 Prozent nennen die Abstimmung zwischen General Partners und Limited Partners bei der Bewertung als zentrale Hürde. Zudem geben 70 Prozent an, dass rollierende Carried Interests und GP-Co-Investments genutzt werden, um sich die Unterstützung der LPs zu sichern.
KI gewinnt an Bedeutung
Zudem ergibt sich aus der Umfrage, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Wertsteigerung von Portfoliounternehmen sich im vergangenen Jahr deutlich beschleunigt hat. Fast zwei Drittel der Befragten nutzen KI inzwischen aktiv in ihren Value-Creation-Programmen, 2025 waren es 41 Prozent. Gleichzeitig entwickele sich der KI-Einsatz weiter: 39 Prozent nutzen KI bereits funktionsübergreifend in ihren Portfoliounternehmen und würden damit messbare Verbesserungen, etwa bei Effizienz, Entscheidungsprozessen oder Profitabilität erzielen.
Hürden in de KI-Nutzung sehen 60 Prozent der Befragten in Kosten und unklaren Kapitalrenditen die größten Hindernisse für einen effektiven KI-Einsatz, 45 Prozent verweisen auf Probleme bei Datenqualität und Datenverfügbarkeit.
Autoren: Patrick EiseleSchlagworte: Private Equity
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