Publikumsfonds verzeichnen starken Jahresauftakt
Der deutsche Fondsmarkt ist weiterhin zwiegespalten. Während der Absatz von Publikumsfonds insgesamt floriert, leiden Immobilienfonds unter anhaltenden Abflüssen.
Fondsgesellschaften konnten auf dem deutschen Absatzmarkt im ersten Quartal 2026 deutliche Mittelzuflüsse verbuchen. Ihnen flossen netto 40,1 Milliarden Euro neue Gelder zu. Dabei erzielten offene Publikumsfonds mit 33,6 Milliarden Euro ihren besten Jahresstart. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des deutschen Fondsverbands BVI. Die bisherige Höchstmarke hatten die offenen Publikumsfonds demnach im Auftaktquartal des Jahres 2000 mit 33,3 Milliarden Euro erreicht.
Offene Spezialfonds verzeichneten im Auftaktquartal 10,1 Milliarden Euro neue Mittel, geschlossene Fonds konnten 0,6 Milliarden Euro verbuchen. Im Gegensatz dazu zogen Anleger netto 4,2 Milliarden Euro aus Mandaten ab.
ETFs dominieren die Absatzliste
Die Absatzliste der Publikumsfonds führen ETFs mit 22,3 Milliarden Euro von Anfang Januar bis Ende März 2026 an. Das ist ein deutliches Plus im Vergleich zum Auftaktquartal 2025, als ihnen 17,7 Milliarden Euro zugeflossen waren.
Bei den Anlageklassen waren in dem Dreimonatszeitraum vor allem Aktienfonds gefragt. Sie liegen mit 19,4 Milliarden Euro vorn. Mit 18,7 Milliarden Euro entfiel das Gros auf Aktien-ETFs. Rentenfonds verzeichneten 7,7 Milliarden Euro neue Gelder, wobei der Zufluss in Renten-ETFs mit 3,2 Milliarden Euro zu Buche schlug.
Geldmarktfonds erhielten laut den neuen BVI-Zahlen 5,1 Milliarden Euro neue Gelder, nach 3,9 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Seit Jahren profitiert das Segment von der Zinswende und den anziehenden Renditen. Im ersten Quartal 2022, kurz vor Ende der Niedrigzinsphase, zogen Anleger noch 2,2 Milliarden Euro aus Geldmarktfonds ab, die damals über Jahre hinweg häufig ein Verlustgeschäft gewesen sind.
Rückgabewelle bei offenen Immobilienfonds setzt sich fort
Heute sind es offene Immobilienfonds, bei denen Anleger zur forcierten Rückgabe von Fondsanteilen neigen. Der seit Jahren währende Mittelabfluss aus Immobilienfonds hat sich auch im ersten Quartal 2026 weiter fortgesetzt. Demnach gingen ihnen netto 1,8 Milliarden Euro verloren.
In den beiden Quartalen zuvor hatten Anleger 2,0 Milliarden Euro beziehungsweise 2,1 Milliarden Euro abgezogen. Seit dem ersten Quartal 2024 verbuchten offene Immobilien-Publikumsfonds in keinem Quartal ein positives Nettomittelaufkommen. Stattdessen flossen in den insgesamt neun Quartalen, die seit Anfang 2024 vergangen sind, 15,4 Milliarden Euro aus ihnen ab. Das stellt die Fondgesellschaften vor große Probleme. Notgedrungen müssen sie Immobilien verkaufen, um die Anleger auszahlen zu können. Doch der Handel am Immobilienmarkt ist infolge der Zinswende drastisch zurückgegangen.
Verwaltetes Vermögen im Detail
Fondsgesellschaften verwalten für Anleger in Deutschland insgesamt 4.855 Milliarden Euro. Das Vermögen ist ausweislich der BVI-Investmentstatistik in den letzten drei Jahren um 23,8 Prozent gestiegen. Ende März 2023 waren es 3.922 Milliarden Euro gewesen.
Mit 2.287 Milliarden Euro entfällt ein großer Teil des gegenwärtigen Vermögens auf das rein institutionelle Geschäft mit offenen Spezialfonds. Sie verbuchten einen Zuwachs um 14,9 Prozent gegenüber dem Stand von Ende März 2023 mit damals 1.990 Milliarden Euro. Bei den offenen Spezialfonds bilden Altersvorsorgeeinrichtungen mit 811 Milliarden Euro und Versicherer mit 535 Milliarden Euro die beiden größten Anlegergruppen.
Offene Publikumsfonds verwalteten Ende März 2026 insgesamt 1.841 Milliarden Euro. Auf Aktienfonds entfallen 928 Milliarden Euro, darunter 412 Milliarden Euro in Aktien-ETFs. Es folgen Mischfonds mit 380 Milliarden Euro und Rentenfonds mit 301 Milliarden Euro.
Divergenz zwischen Immobilien-Publikumsfonds und -Spezialfonds
Das Netto-Vermögen der offenen Immobilienfonds beträgt inzwischen nur noch 110 Milliarden Euro. Vor vier Jahren belief sich ihr Gesamtwert noch auf 131,8 Milliarden Euro.
Eine gegensätzliche Entwicklung zeigt sich bei den offenen Immobilienspezialfonds, deren Wert der BVI in seiner Investmentstatistik aktuell mit 173,5 Milliarden Euro angibt. Von Rückgang keine Spur, im Gegenteil. Vor vier Jahren lag ihr Gesamtwert noch bei 160,1 Milliarden Euro.
Die BVI-Investmentstatistik informiert über den Bestand und das Mittelaufkommen für den Absatzmarkt Deutschland in der Summe der Anbieter und Auflegungsstandorte.
Autoren: Tobias BürgerSchlagworte: BVI | Fondsgesellschaften | Publikumsfonds | Spezialfonds
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