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15. Juni 2026

Joaquín Ardit, Lead Portfolio Manager, Private Debt Secondaries und Sven Seppeur, Senior Private Markets Investment Specialist

Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Während Private-Equity-Sekundärmärkte seit Jahren etabliert sind, gewinnen Sekundärtransaktionen im Private Credit erst seit Kurzem an Bedeutung. Sie sind jedoch längst mehr als „Second-Hand“-Investments. Vielmehr bieten sie je nach Marktlage und Fondsreife attraktive Einstiegsmöglichkeiten sowie flexible Instrumente für das Portfoliomanagement. Entsprechend steigt auch das Interesse institutioneller Investoren. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist das aktuelle Marktumfeld. In den vergangenen Jahren hat die geringere M&A-Aktivität zu verzögerten Exits geführt, wodurch sich mehr Vermögenswerte in bestehenden Portfolios ansammeln. Gleichzeitig nimmt der Bedarf an Liquidität und Portfolioanpassungen auf Seiten von Investoren und Fondsmanagern zu. Sekundärmärkte bieten hier eine wichtige Lösung: Sie ermöglichen es Verkäufern, Positionen effizient zu veräußern, während Käufer Zugang zu bereits aufgebauten, diversifizierten Portfolios erhalten.

Die derzeitige Marktphase ist jedoch auch von Unsicherheiten geprägt. Diskussionen über Liquiditätsdynamiken in semi-liquiden Vehikeln, steigende Default-Raten nach außergewöhnlich niedrigen Niveaus sowie sektorale Konzentrationsrisiken – etwa im Softwarebereich – sorgen für erhöhte Aufmerksamkeit. Eine differenzierte Analyse zeigt jedoch, dass diese Entwicklungen unterschiedlich einzuordnen sind: Während die Diskussionen rund um BDCs primär technische Ursachen haben, erfordern steigende Default-Raten und sektorale Konzentrationsrisiken eine fundierte, fallbezogene Betrachtung. Gerade in diesem Umfeld eröffnen sich Chancen für erfahrene Sekundärinvestoren. Verkaufsdruck, der nicht aus einer Verschlechterung der Kreditqualität resultiert, kann attraktive Einstiegspunkte schaffen – insbesondere dann, wenn Portfolios mit Abschlägen erworben werden können. Diese ermöglichen nicht nur eine schnellere Kapitalrückführung und frühere Erträge, sondern auch einen Puffer gegenüber potenziellen Risiken.

Zugleich bleibt die fundamentale Qualität eines Großteils des Private-Credit-Marktes stabil. Insbesondere im Bereich des sponsor-getriebenen Mid-Market Direct Lending profitieren Investoren weiterhin von strukturellen Schutzmechanismen wie besicherten Positionen, robusten Covenants und aktiver Gläubigerkontrolle. Diese Faktoren ermöglichen es, Kreditnehmer frühzeitig in schwierigen Situation zu unterstützen und Werte zu sichern.

Für eine erfolgreiche Secondaries-Strategie sind neben fundierter Analyse vor allem Marktzugang und Skalierung entscheidend. Da attraktive Transaktionen häufig über etablierte Netzwerke zustande kommen, profitieren große Investoren mit starkem Primärgeschäft von einem Informationsvorsprung und konsistentem Dealflow. Gleichzeitig erfordert das aktuelle Umfeld ein hohes Maß an Disziplin in der Bewertung und Strukturierung von Transaktionen. Preisabschläge sind dabei ein Ergebnis von Zugang zu proprietärem Dealflow, der Fähigkeit maßgeschneiderte Lösungen zu liefern sowie disziplinierter Preisgestaltung.

Auch geografisch ist ein flexibler Ansatz entscheidend. Während die USA als größter Private-Credit-Markt eine zentrale Rolle spielen, gewinnt Europa zunehmend an Bedeutung. Unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen, Liquiditätsanforderungen und Marktzyklen prägen das Angebot im Sekundärmarkt und Opportunitäten entwickeln sich regional versetzt. Ein globales Mandat ermöglicht es Investoren, diese Unterschiede gezielt zu nutzen und relative Wertpotenziale zu erschließen.

 

 

Fußnoten:
campbell-lutyens-fy-2025-secondary-overview-report.pdf
2 Secondaries Investor, Private credit secondaries could reach $80bn by 2030, Feb 2026

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