Private Equity und der Ruf nach Liquidität

Ein Passant geht seines Weges. In Zeiten begrenzter Exit-Aktivität wird Liquidität zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor. Bild: Pexels.
Die Liquidität ist zu einem der wichtigsten Themen in Private Equity geworden. Eine neue Studie verdeutlicht nun, warum manche Manager in der Lage sind, Anlegern ihren Einsatz früher als andere auszuzahlen.
Unter dem Eindruck der Niedrigzinsphase haben institutionelle Investoren umfassende Erfahrungen bei der Auswahl von Private-Equity-Managern gesammelt. Bei ihrer Suche nach den passenden Spezialisten helfen zum Beispiel Gespräche mit anderen Investoren. Sie können eine sprudelnde Quelle sein, um sich ein Bild des Manager-Universums zu machen. Bevor Kapitalzusagen abgegeben werden, sollten Anleger auch das Gespräch zu den Anbietern suchen, deren Datenräume besuchen und relevante Fonds begutachten. Daran schließt sich in der Regel ein mehrstufiger Due-Diligence-Prozess an.
In jüngster Zeit ist die Liquidität zu einem der wichtigsten Themen in Private Equity geworden. Denn die Rückflüsse aus den Investments fließen spärlicher als man das erwartet hatte. Die General Partners tun sich ungewöhnlich schwer, Beteiligungen zu verkaufen. Laut Morningstar sind die Verkaufsaktivitäten im Private-Equity-Spektrum weiterhin schwach. Das schmälert den Kapitalrückfluss an die Investoren.
Die Kennzahl DPI rückt ins Blickfeld
Während viele institutionelle Investoren nach mehreren Jahren mit begrenzter Exit-Aktivität auf Kapitalrückflüsse warten, rückt nach Einschätzung von Sagard Private Equity Solutions – einer Mid-Market-Private-Equity-Plattform – eine Kennzahl zunehmend in den Mittelpunkt: DPI (Distributions to Paid-In Capital). Sie misst, wie viel Kapital tatsächlich an Investoren zurückgeführt wurde.
Vor diesem Hintergrund haben Kim Pochon (Head of Primaries, Private Equity) und Borja Fernandez Tamayo (Senior Vice President bei Sagard Private Equity Solutions) die Entwicklung von 184 Buyout-Fonds analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass sogenannte Emerging Manager – definiert als Manager ihres ersten oder zweiten Fonds – einen DPI von 1,0x im Median rund zehn Monate früher als etablierte Fondsanbieter erreichen. Damit erhalten Investoren ihr eingezahltes Kapital im Durchschnitt deutlich schneller zurück, so die Schlussfolgerung.
Viele Investoren konzentrieren sich nach Einschätzung von Kim Pochon traditionell stark auf Renditekennzahlen wie die interne Verzinsung (Internal Rate of Return, IRR). „Im aktuellen Marktumfeld gewinnt jedoch die Frage an Bedeutung, wann Kapital tatsächlich an die Investoren zurückfließt. Gerade in Zeiten begrenzter Exit-Aktivität wird Liquidität zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor“, so Pochon.
Große Unterschiede beim DPI
Besonders deutlich fällt der Unterschied bei spezialisierten Emerging Managern aus. Laut der Analyse erreichen sektor- oder themenspezialisierte Emerging Manager einen DPI von 1,0x bereits nach rund 5,4 Jahren. Bei den übrigen Fonds liegt dieser Wert bei rund 6,7 Jahren. Damit gelingt die Kapitalrückführung im Durchschnitt bis zu 15 Monate früher.
Aus Sicht von Sagard gibt es dafür mehrere Gründe: Emerging Manager verfügten häufig über eine besonders starke Interessengleichheit mit ihren Investoren. Nicht selten würden die Gründer einen erheblichen Teil ihres eigenen Vermögens in den Fonds investieren und sind damit unmittelbar am Erfolg beteiligt. Ein anderes Argument lautet: Emerging Manager verwalten häufig konzentriertere Portfolios. Deshalb könnten sie ihre Ressourcen vollständig auf die Entwicklung ihrer Beteiligungen fokussieren.
Hinzu kommt aus Sicht der Studienmacher ein weiterer Trend: die zunehmende Spezialisierung. Viele Emerging Manager konzentrieren sich demnach auf klar definierte Sektoren oder Themenfelder, in denen sie über langjährige operative und transaktionale Erfahrung verfügen. Diese Spezialisierung ermöglich es häufig, Wertschöpfungspotenziale frühzeitig zu identifizieren und gezielt umzusetzen.
„Die Ergebnisse unserer Analyse zeigen, dass Emerging Manager einen wichtigen Beitrag zur Lösung eines der drängendsten Probleme des heutigen Private-Equity-Marktes leisten können: der Rückführung von Kapital an Investoren. Für institutionelle Anleger wird künftig nicht nur entscheidend sein, wer attraktive Renditen erzielt, sondern auch, wer Liquidität verlässlich und planbar generieren kann“, so Pochon.
„Large-Cap-Fonds haben aktuell mehr Exit-Probleme“
Das Thema „Exit-Probleme“ wurde im November 2025 bei unserem Private Markets Forum angeschnitten. In einem Panel-Gespräch äußerte sich zum Beispiel Dr. Alexander Witkowski vom Atomfonds Kenfo zu dieser Problematik und welche Rückschlüsse er daraus zieht: „Large-Cap-Fonds sind eher in größere, reifere und somit resilientere Unternehmen investiert. Diese kommen tendenziell besser durch eine Krise. Andererseits haben die Large-Cap-Fonds aktuell mehr Exit-Probleme und nicht die Top-Renditen“, so Witkowski.
Aus letzteren Gründen tendiert der Kenfo nun etwas mehr zum Mid Market. „Der Hauptfonds eines neuen GPs sollte idealerweise nicht größer als fünf Milliarden Euro sein. Dann können wir nämlich mit ihm über dessen nächsten zwei, drei Fondsgenerationen mitwachsen“, wie der Private-Markets-Spezialist ausführte.
Vorbereitung auf GP-Gespräche
Exkurs: Wenn institutionelle Investoren Gespräche mit ihnen bislang noch unbekannten Private-Markets-Manager führen, die ihnen neue Fonds anbieten, sollte man stets eine Liste von Fragen im Hinterkopf haben. Um den jeweiligen General Partner (GP) besser kennenzulernen, sollte man zum Beispiel in Erfahrung bringen, wie sich die Organisation während der Boomjahre 2020/2021 verhalten hat.
Eine andere Frage lautet: Ist der Fondsanbieter damals womöglich von seiner Investmentstrategie abgewichen? Von zentraler Bedeutung in dem Geschäft ist – das verdeutlicht auch die Untersuchung von Sagard – auch die Frage, wie es dem Manager gelingt, regelmäßig Portfoliounternehmen auch wieder zu verkaufen? Und: Wie groß ist sein Legacy-Portfolio? Hat er ein gesundes Portfolio? Besitzt er intern überhaupt Kapazitäten, die erforderlich sind, um einen neuen Fonds zu lancieren?
Das nächste Private Markets Forum veranstalten wir am 24. November 2026. Und hier können Sie anmelden.
Autoren: Tobias BürgerSchlagworte: Manager-Selektion | Private Equity
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