Alternative Anlagen
3. Juni 2026

Energiewende ist mehr als Klimaschutz

Verbände und Asset Manager betonen die Energiesouveränität. Markt vor zweiter Ausbauwelle.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat am Montag gemeinsam mit EY die vierte Ausgabe des Fortschrittsmonitors Energiewende veröffentlicht. Die Kernaussage: In einer geopolitisch unsicheren Lage sei die Energiewende längst mehr als ein Klimaschutzprojekt. Vielmehr sei diese Voraussetzung für Energiesouveränität, Resilienz und die Modernisierung des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Der Monitor betont aber außerdem, dass für die bestehenden klimapolitischen Ziele, noch zahlreiche Hürden abgebaut werden müssten. Genannt werden unter anderem klare Investitionsbedingungen. Metin Fidan, Partner bei EY, Industrials & Energy: „Die Energiewende ist kein reines Transformationsprojekt, sondern eine strategische Chance: Sie stärkt Wettbewerbsfähigkeit, reduziert Abhängigkeiten und schafft die Grundlage für ein resilientes Energiesystem. Der Weg dorthin erfordert ein auf Effizienz ausgerichtetes Zusammenspiel von Erzeugung, Netzen, Speichern und Flexibilitäten, um ein skalierbares und robustes Energiesystem als neues volkswirtschaftliches Fundament zu etablieren.“

Mit Renewables gegen politische Erpresser

Den Souveränitäts-Gedanken greift auch der Asset Manager Aream auf. Dieser betont, dass Krisen und Kriege nur so lange auf die Energiepreise, auf Konjunktur und Arbeitsmarkt durchschlagen können, wie fossile Energieträger noch das bestimmende Element der Preissetzung stellen. Doch das ändere sich: „Wind- und Solaranlagen mit sehr geringen variablen Betriebskosten verdrängen teure Gaskraftwerke zunehmend aus der preissetzenden Position – und machen den Strompreis damit stabiler und planbarer“, sagt Patrick Lemcke-Braselmann, CEO der Aream Group. „Der Wegfall von Gas- und Kohleimporten reduziert nicht nur die Anfälligkeit für Preisschocks, sondern entzieht auch politischer Erpressbarkeit den Boden.“

Ein weiterer, aus Sicht von Aream oft unterschätzter Vorteil: „Photovoltaik-Anlagen auf Feldern und Dächern, Windparks über das gesamte Land verteilt sowie lokale Batteriespeicher – dieses dezentrale System bietet eine Widerstandsfähigkeit, die zentrale Großkraftwerke nicht leisten können“, sagt Lemcke-Braselmann. „Es gibt kein einzelnes Ziel, das ein Übelmeinender ausschalten könnte.“ Ein dezentrales Netz ist durch Sabotage oder Infrastrukturangriffe ungleich schwerer zu treffen als wenige konzentrierte Erzeugungsstandorte.

Mit robusteren Vertragsstrukturen gegen nächsten Boom-und-Bust-Zyklus

Investitionen in Erneuerbare Energien erwiesen sich jüngst aber als schwierig. Wie auch der BDEW sagt, war das erste Quartal sehr windschwach. Zudem waren auch die Vorjahre unterdurchschnittlich. PV-Strom leidet wiederum besonders unter negativen Strompreisen. Der Asset Manager JO Hambro sieht jedoch fünf Schlüsselbereiche, die für Investoren interessant sein könnten: heimische Energieerzeugung, LNG-Infrastruktur, Erneuerbare Energien, Kernkraft und Elektrifizierung.

Zu den Renewables sagt Ben Leyland, Senior Fondsmanager bei J O Hambro, dass Renewables nach dem ESG-Boom eine Phase der Stagnation folgte, bedingt durch steigende Zinsen, Inflation und Herausforderungen bei der Umsetzung von Projekten. „Die aktuelle geopolitische Unsicherheit könnte nun die Voraussetzungen für eine zweite Ausbauwelle bei Wind- und Solarenergie schaffen die diesmal weniger von Dekarbonisierungszielen als vielmehr von Energiesicherheit und industrieller Wettbewerbsfähigkeit angetrieben wird. Länder, die frühzeitig in Erneuerbare Energien investiert haben und deshalb heute von niedrigeren und stabileren Strompreisen profitieren, sehen bereits die Vorteile dieses Ansatzes.“ Entscheidend werde nun sein, ob die Branche aus dem ersten Boom-und-Bust-Zyklus gelernt hat und nachhaltigere wirtschaftliche Rahmenbedingungen sowie robustere Vertragsstrukturen etablieren kann.

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