Studie beleuchtet die Perspektiven im Asset Management
Deutschland ist der Wachstumsmotor im europäischen Asset und Wealth Management. Doch die Anbieterseite steht unter enormem Druck.
Die deutsche Asset- und Wealth-Management-Branche befindet sich nach Einschätzung der Beratungsgesellschaft PWC an einem Wendepunkt. Mit 3,7 Billionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen zählt die Bundesrepublik bereits zu den größten Märkten Europas.
Das Land verbindet laut PWC eine ausgeprägte institutionelle Expertise mit einer dynamischen Retail-Entwicklung und einem regulatorischen Umfeld, das zunehmend darauf ausgerichtet sei, private Ersparnisse in langfristige Anlageprodukte zu lenken. Nachlesen lässt sich das in der Studie „Asset and Wealth Management Revolution Europe 2026“.
Chancen für Asset Manager und Wealth-Spezialisten gibt es europaweit: Schätzungen zufolge wird das verwaltete Vermögens von 35 Billionen US-Dollar im Jahr 2024 auf 48,5 Billionen US-Dollar im Jahr 2030 zulegen. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 5,6 Prozent.
Daraus ergeben sich für die Anbieter zusätzliche Ertragspotenziale von bis zu 67 Milliarden US-Dollar, heißt es bei PWC. Demnach könnten die Erträge im Asset Management von rund 164 Milliarden Dollar (2024) auf knapp 231 Milliarden Dollar (2030) steigen. In Deutschland werde diese Entwicklung etwa durch die starke institutionelle Investorenbasis getrieben, heißt es.
Und es gibt auch an anderer Stelle einen Schatz zu heben: Die Bankeinlagen privater Haushalte in Europa belaufen sich auf zehn Billionen Euro. Hier sehen die PWC-Berater erhebliches Mobilisierungspotenzial. Zumal Europa mit 15 Prozent eine der höchsten Sparquoten privater Haushalte weltweit habe, während die Beteiligung privater Anleger an Aktienfonds bei nur 18 Prozent liege, verglichen mit 55 Prozent in den USA. Bereits die teilweise Umschichtung der rund zehn Billionen Euro, die aktuell in niedrig verzinsten Bankeinlagen liegen, würde eine erhebliche Wachstumschance darstellen.
Privatmarktanlagen erreichen neue Anlegergruppen
Chancen für die Anbieterseite gibt es auch im aufstrebenden Segment der Privatmarktanlagen. 43 Prozent der europäischen Asset Manager sehen die Öffnung von Private Markets für neue Anlegergruppen als zentralen Wachstumstreiber. Bis 2030 werden die Erträge aus Private Markets (105,2 Milliarden US-Dollar) nahezu das Niveau aktiver Investments (113,5 Milliarden US-Dollar) erreichen und sich als zentrales strategisches Wachstumsfeld etablieren, lautet die Erwartungshaltung.
Gleichzeitig bleibt der Handlungsdruck hoch: 93 Prozent der europäischen Asset Manager berichten von gestiegener Rentabilitätsbelastung in den vergangenen fünf Jahren. Größe und das Wachstum des verwalteten Vermögens sichern laut PWC kein profitables Wachstum mehr. Erfolg beruhe auf Kontrolle von Vertrieb, Kundenbeziehungen und Investorenzugang.
In Deutschland erschwere die bankdominierte Vertriebslandschaft teilweise weiterhin den direkten Zugang zu Retail- und vermögenden Privatkunden. Organisationen, die ihre Vertriebsstrukturen diversifizieren, Kompetenzen in Private Markets ausbauen und digitale Infrastrukturen stärken würden, verfügten über die besten Voraussetzungen, von der Mobilisierung privater Ersparnisse zu profitieren, heißt es.
Deutschland: institutionelle Stärke trifft auf Retail-Potenzial
Der deutsche Markt ist laut PWC durch zwei parallel verlaufende Entwicklungen geprägt: einen etablierten institutionellen Sektor mit zudem wachsender Allokation in Private Markets sowie einen Retail-Markt, der zunehmend von kurzfristigem Sparen zu langfristiger Kapitalanlage übergeht.
Institutionelle Investoren wie Pensionsfonds, Versicherungen und Versorgungswerke zählen zu den wichtigsten Kapitalgebern für Private Markets in Europa. PWC erwartet, dass die Erträge in diesem Segment bis 2030 auf 105,2 Milliarden US-Dollar steigen werden. Anbieter mit starker Positionierung in Private Credit, Infrastruktur und Real Assets sind hier besonders gut aufgestellt.
Das Wealth-Segment wiederum gilt als der wichtigste Wachstumstreiber des europäischen Asset- und Wealthmanagements und wird bis 2030 mehr als zwei Drittel der verwalteten Vermögen ausmachen. Der anstehende und sogenannte Vermögenstransfer verstärke diese Dynamik zusätzlich.
Neue Anlegergenerationen erwarten digitale, benutzerzentrierte Angebote, nachhaltige Anlagelösungen und direkten Zugang zu Private Markets. 68 Prozent der Asset Manager reagieren bereits mit einer entsprechenden Diversifikation ihres Produktangebots.
Autoren: Tobias BürgerSchlagworte: Asset Management
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