Versicherungen
26. Juni 2026

Private Equity büßt an Attraktivität ein

Allianz und VHV sortieren ihre Private-Markets-Anlagen. In beiden Häusern sind prominente Abgänge langjähriger Mitarbeiter zu verzeichnen.

Private Equity hat seit dem Zinsanstieg einen schweren Stand – dies gilt für die General Partners, aber auch für die internen Anlagespezialisten bei Versicherungen. Laut Blackrocks Global Insurance Report vom Oktober des vergangenen Jahres wollen 23 Prozent der befragten Versicherer ihr Exposure zu Private Equity reduzieren – der höchste Wert aller Asset-Klassen der Private Markets. Andererseits wollen zwar immerhin 29 Prozent der Versicherer ihre Private-Equity-Anlagen vergrößern. Abgesehen von Immobilien stellte diese Quote aber den geringsten Wert aller privaten Segmente dar.

Trennung nach jeweils 22 Jahren

Bei zwei deutschen Versicherungen kam es sogar zu Änderungen bei den Human Resources. Bei der Allianz verabschiedete sich im April nach über 22 Jahren Michael Lindauer, langjähriger CIO Private Equity. Wie zu hören war, verlassen mit ihm auch noch weitere Private-Equity-Spezialisten den Assekuranz-Riesen. Ebenfalls nach über 22 Jahren trennen sich die Wege von Andreas Binder und der Wave Management AG, dem internen Asset Manager der VHV-Gruppe. Binder war bei der Wave Abteilungsleiter Alternative Investments / Real Estate.

Eine Abkehr von Private Equity steht bei der Allianz aber nicht auf der Agenda. Im Vergleich zu anderen Private Markets hat die Asset-Klasse jedoch etwas an Boden verloren. „Die verschiedenen Allianz-Gesellschaften sind signifikant in Private Markets investiert. Aufgrund der Resilienz der Investments soll dies auch so bleiben. Innerhalb von Private Markets kommt es aber zu gewissen Verschiebungen“, erklärt Sebastian Schroff, seit März 2025 CIO für Private Credit & Private Equity. Diese Verschiebungen orientieren sich an der relativen Attraktivität. „Während Private Credit und Infrastruktur aufgrund des Cashflow-Profils sehr gut zu den Verpflichtungen einer Versicherung passen, leidet Private Equity zurzeit unter geringer ausfallenden Distributions, weshalb dann auch neue Commitments aktuell geringer ausfallen“, so Schroff. „Auf jeden Fall wird Private Equity aber Teil der SAA bleiben.“

Bei der VHV fällt der Abgang Binders mit einem Wechsel im Vorstand zusammen. Ende April schied bei der VHV Ulrich Schneider aus dem Gremium aus. Er war langjähriges Mitglied des Vorstands und verantwortete dort die Kapitalanlage. Nun ist Boris Sonntag für die Kapitalanlagen zuständig und ist Sprecher des Vorstands der Wave. Inwiefern sich die Quote oder die Umsetzung der Private-Equity-Allokation ändern wird, war nicht zu erfahren. Eine völlige Abkehr von Private Equity ist jedoch nicht zu erwarten. Gemäß dem Geschäftsbericht 2025 ist für das laufende Jahr „eine Fortführung der Anlageklassen Immobilien, Private Equity und Infrastruktur geplant“.

Eine völlige Abkehr von Private Equity wäre auch wenig sinnvoll. Schließlich wäre ein etwaiger Wiedereinstieg in Beteiligungsfonds in der Zukunft durch die mit der J-Curve verbundenen Anlaufkosten erschwert. Vor allem aber hat diese Asset-Klasse den meisten Anlegern jahrelang die höchsten Renditen beschert. Wie das aktuelle Global-Private-Capital-Barometer von Coller Capital anzeigt, erzielten 81 Prozent der Befragten jährlich mit Private Equity eine Rendite von elf bis 20 Prozent. Keine andere der privaten Asset-Klassen kommt auf eine größere Anzahl für diese Rendite-Range.

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