Bafin beerdigt Sterbegeldversicherer
Bochumer Versicherungsverein darf kein Versicherungsgeschäft mehr betreiben. Abschreibungen auf Immobilien reißen Loch in Bilanz.
Die Finanzaufsicht hat dem Bochumer Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (BVaG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts entzogen. Der 1968 gegründete BVaG ist nach eigenen Angaben mit über 120.000 Mitgliedern einer der größten Spezialversicherer für Sterbegeldversicherungen in Deutschland.
Zum Hintergrund teilte die Bafin mit, dass aufgrund von Abschreibungen auf immobilienbezogene Kapitalanlagen die vorläufige Bilanz des Unternehmens einen Fehlbetrag ausweist, der nicht durch Eigenkapital gedeckt ist. Der Versicherungsverein könne daher die gesetzliche Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen. Einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung habe er der Bafin nicht vorgelegt.
Durch den Erlaubniswiderruf geht der Bochumer Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit in die Abwicklung über. Die Sterbekasse darf nun keine neuen Versicherungsverträge mehr abschließen oder früher abgeschlossene Verträge erhöhen oder verlängern. Bestehende Versicherungsverträge werden grundsätzlich ordnungsgemäß fortgeführt. Weiter informiert die Bafin, dass laut Unternehmenssatzung mit ihrer ausdrücklichen Genehmigung Leistungskürzungen möglich sind, um den Fehlbetrag auszugleichen.
Der BVaG teilt selbst mit, dass bestehende Verträge weiterhin betreut und verwaltet werden. Hintergrund der aufsichtsrechtlichen Entscheidung seien Wertverluste bei Kapitalanlagen im Jahresabschluss 2025. „Einige Kapitalanlagen mussten niedriger bewertet werden als bisher angenommen. Ursache hierfür ist vor allem die Zinswende im Jahr 2022, die nach der Corona-Phase zu einem schlagartigen Ende der langjährigen Niedrigzinsphase geführt hat. Dadurch wurde die aufsichtsrechtliche Kapitalausstattung des Versicherungsvereins belastet“, informiert die Sterbekasse.
Zudem informiert die Sterbekasse über ihre Investments, dass man in Wald, Biogas, Solar- und Windkraft sowie in Pflegeheime investiert. Zu erfahren war, dass es mindestens bei den Biogasanlagen zu Problemen kam.
Der Vorstand der Sterbekasse habe der Bafin am 22. Juni 2026 einen Abwicklungsplan vorgelegt. Ziel sei es, den bestehenden Versicherungsbestand geordnet, wertschonend und im Interesse der Mitglieder weiterzuführen. Die Genehmigung sei für das laufende dritte Quartal 2026 vorgesehen.
Noch vor kurzem hat der BVaG im Vorstand einen Generationenwechsel vollzogen. Ausgeschieden sind die langjährigen Vorstände Helmut Vogel und Rolf Stange. Neu hinzugekommen sind Dennis Zboinski und Jan Kratel. Seit dem vergangenen Jahr führt Helmut Vogels Sohn Tim als Vorstandsvorsitzender den Sterbegeldversicherer. Ebenfalls im Vorstand ist Christian Hopp als stellvertretender Vorsitzender. Mit der Neuaufstellung wollte der BVaG „bewährte Stabilität mit strategischer Weiterentwicklung“ verbinden.
Autoren: Patrick EiseleSchlagworte: Asset Liability Management (ALM) | Politik / Regulierung
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