Versicherungen
6. August 2026

Ein spannungsgeladenes Ökostrom-Investment

Eine mächtige bayerische Versicherung bedient sich eines Schweizer Investmenthauses, um sich indirekt an einem Unternehmen aus München zu beteiligen. Und verliert dabei Geld.

Institutionelle Anleger wie Versicherungen haben in den vergangenen Jahren große Summen in den Kauf von Wind- und Solarparks investiert und sich auch über Fonds Zugang zu entsprechenden Projekten gesichert. Die Aussicht auf stabile Erträge aus dem Verkauf des grünen Stroms verbunden mit Ambitionen, das Klima zu schützen und die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren, waren und sind Argumente, die man in diesem Kontext immer wieder hört.

Dass man mit Wind- und Sonnenstrom auch Geld verlieren kann, zeigt nun eine Recherche der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Wie in diesem bezahlpflichtigen Beitrag zusammengefasst wird, hat der Investmentmanager Energy Infrastructure Partners (EIP) aus Zürich nach seinem Einstieg beim Ökostromunternehmen Baywa r.e. im Jahr 2020 kein Geld verdient. Statt dessen ist das Investment tief in den roten Zahlen. Davon betroffen ist auch die Versicherungskammer Bayern (VKB) aus München als einer der Ankerinvestoren.

Rückblende: Vollmundige Reden zum Einstieg

Die VKB hatte sich im Jahr 2020 im Rahmen einer Kapitalerhöhung an der Baywa r.e., einem Tochterunternehmen des Agrardienstleisters Baywa beteiligt. Beide Unternehmen residieren ebenfalls in München.

Wie im Archiv des Magazins „Versicherungswirtschaft heute“ nachzulesen ist, war die VKB damals Teil eines Anlegerkonsortiums unter Führung der Energy Infrastructure Partners AG, das für 530 Millionen Euro insgesamt 49 Prozent der Anteile erworben hatte. Von dem Investment versprach sich der öffentliche Versicherer stabile Einnahmen aus Einspeisevergütungen.

Außerdem wollten die Süddeutschen einen Beitrag zur Energiewende leisten und das Klima schützen. „Investieren bedeutet für uns Verantwortung, auch gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt“, erklärte Isabella Pfaller, die damals Finanzvorstand der Versicherungskammer Bayern war, zwei Jahre später jedoch von Bord gegangen ist.

Wie Energy Infrastructure Partners am 9. Dezember 2020 mitteilte, ermögliche die Transaktion einem von EIP beratenen Anlegerkonsortium, inklusive der Versicherungskammer Bayern, sich an der globalen Plattform für erneuerbare Energien von BayWa r.e. zu beteiligen. „Unsere hervorragende Beziehung zur BayWa als Mehrheitsgesellschafter, die beeindruckende Leistung des Managementteams der BayWa r.e. und unsere Erfolgsbilanz bei großen Investitionen in erneuerbare Energien werden es uns ermöglichen, diese Plattform in den kommenden Jahren gemeinsam auf- und auszubauen“, wie Roland Dörig damals erklärte. „Diese strategische Weiterentwicklung wird es institutionellen Investoren ermöglichen, von stabilen Cashflows zu profitieren und gleichzeitig Zugang zu einem erneuerbaren Energieerzeugungsportfolio von signifikanter Größe zu erhalten“, so der Managing Partner bei EIP.

Kein Boom für Anleger

Der zu erwartende Boom von Windkraft und Solaranlagen sollte sich für den Zürcher Investor und seine Anleger so richtig auszahlen, schreibt die NZZ. Doch die Pläne von damals sind gescheitert, „Baywa r.e. ist kein Wachstumswunder, sondern ein schwerer Sanierungsfall. Welche Folgen das für EIP hat, zeigt der bisher unbeachtete, Ende Juli im Luxemburger Handelsregister veröffentlichte Jahresbericht eines Fonds namens EIP Ruby SCS.“ Über diesen halten die Schweizer laut dem Bericht 39 Prozent ihrer Beteiligung an Baywa r.e., über ein zweites Vehikel kontrollieren sie weitere zehn Prozent.

Die NZZ zitiert nun aus dem von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC testierten Abschluss. Demnach hat sich der Wert des Nettovermögens des Ruby-Fonds im vergangenen Jahr dramatisch vermindert. „Der Rückgang von 499 Millionen auf 65 Millionen Euro Ende 2025 entspricht einem Minus von 87 Prozent. Das mit großen Hoffnungen getätigte Investment bewegt sich damit nahe am Totalverlust.“ EIP habe sich auf Anfrage nicht zu den Details geäußert.

Als Grund für die drastische Abwertung nennt der Bericht laut NZZ die „laufende Restrukturierung“, die wegen des „herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds“ zu einer „Abwärtskorrektur des wirtschaftlichen Ausblicks“ geführt habe. Dafür mache EIP unter anderem Donald Trump verantwortlich. „Die vom US-Präsidenten Mitte 2025 präsentierte ‚One Big Beautiful Bill‘ lässt Steuervergünstigungen auslaufen, mit denen die Regierung Biden zuvor den Aufbau erneuerbarer Energien gefördert hatte. Da Baywa r.e. fest mit diesen gerechnet hatte, fehlt seinen Projekten in den USA nun die ökonomische Grundlage.“

Baywa r.e. soll verkauft werden

Wie die NZZ berichtet, folgt Baywa r.e. seit August 2024 einem Restrukturierungsplan der Unternehmensberatung Boston Consulting. Der sehe vor, dass sich das Unternehmen auf seine Kernmärkte Europa und USA fokussiert. Bei der Umsetzung des Konzepts habe es zwar „erhebliche Fortschritte“ gegeben, heißt es in dem Luxemburger Bericht. Wegen der „gewachsenen Unsicherheit“ müsse es aber aktualisiert werden.

Die Mehrheit der Anteile der Baywa r.e. liegt bis heute bei der hoch verschuldeten Baywa, die laut einer Mitteilung vom 1. Juli 2026 ihre kriselnde Ökostromtochter in Kürze an einen „Transformations-Gesellschafter“ verkaufen will. Laut dem Bericht muss der Agrardienstleister seine Beteiligung in Höhe von 51 Prozent neu bewerten und auch ein neues Sanierungskonzept erarbeiten.

Ende Juni vermeldete Baywa eine grundsätzliche Verständigung über ein neues Sanierungskonzept. Es sieht vor, die Laufzeit der bestehenden Verbindlichkeiten bis 2030 zu verlängern und den Konzern zudem von Zinszahlungen zu entlasten. Auch der Schweizer Investor solle einen Beitrag leisten, heißt es. Er soll auf seine finanziellen Forderungen verzichten und seine Anteile an Baywa r.e. an den bislang unbekannten „Transformations-Gesellschafter“ übertragen.

Absehbarer Verkaufspreis schmilzt dahin

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur DPA-AFX vom 1. Juli 2026 soll die Sanierung der Baywa AG als auch diejenige der r.e. nun voraussichtlich jeweils zwei Jahre länger als ursprünglich bis 2030 dauern. „Die r.e. hätte eigentlich für einen erhofften Preis von 1,7 Milliarden Euro verkauft werden sollen, doch hatte deren Management seine Ergebnisziele im Frühjahr drastisch nach unten geschraubt“, heißt es darin weiter.

Mittlerweile gehe der Baywa-Vorstand davon aus, dass der Verkauf des r.e.-Anteils noch 900 Millionen Euro einbringen könnte. Die Baywa AG und EIP sollen auf ausstehende Forderungen gegen die Baywa r.e. verzichten.

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