Alternative Anlagen
24. August 2026

Private-Equity-Markt stottert weiter

Vordergründig zeigt der globale Private-Equity-Markt im ersten Halbjahr Zeichen der Stärke. Doch die Flucht in Qualität hinterlässt Bremsspuren.

Der globale Private-Equity-Markt hat sich im ersten Halbjahr als robust erwiesen. Weltweit wurden in dem Sechsmonatszeitraum 1,0 Billion US-Dollar in 9.294 Transaktionen investiert. Das zeigt der vierteljährlich erscheinende Report „Pulse of Private Equity Q2’26“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG.

Allerdings zeigen sich Bremsspuren in der Statistik. Im rollierenden Zwölfmonatszeitraum sank das Investitionsvolumen leicht von 2,4 auf 2,3 Billionen US-Dollar, während die Zahl der Deals von 21.060 auf 20.105 zurückging und damit den niedrigsten Stand seit mehr als fünf Jahren erreichte.

Diese Trends unterstreichen laut KPMG die anhaltende Flucht in Qualität. Demnach geben Private-Equity-Investoren weltweit weiterhin einer begrenzten Anzahl hochwertiger Transaktionen, von denen sie besonders überzeugt sind, den Vorzug. Das betrifft insbesondere Segmente wie Künstliche Intelligenz und Energieinfrastruktur.

Die USA melden den Großteil der Transaktionen

Auf Nord- und Südamerika entfiel in den ersten sechs Monaten 2026 der größte Anteil der weltweiten Private-Equity-Finanzierungen. KPMG zählt 4.319 Transaktionen, bei denen insgesamt 579,2 Milliarden US-Dollar investiert worden sind. Auf die USA entfiel ein großer Anteil an dieser Gesamtsumme (545 Milliarden US-Dollar bei 3.926 Transaktionen).

Europa, der Nahe Osten und Afrika (EMA-Region) belegten im ersten Halbjahr mit 343,2 Milliarden US-Dollar aus 4.067 Transaktionen den zweiten Platz, während der Asien-Pazifik-Raum ein Volumen von 67,9 Milliarden US-Dollar bei 639 Transaktionen verzeichnete.

Die größten Deals im ersten Halbjahr

Mit Blick auf die Deals stach im zweiten Quartal 2026 die EMA-Region mit drei der vier weltweit größten Private-Equity-Transaktionen dieses Quartals hervor. Dazu gehörten die Übernahme des britischen Unternehmens Intertek Group durch EQT (im Rahmen eines „Take-private“) für 14,6 Milliarden US-Dollar, der Buyout des deutschen Unternehmens Everllence durch Bain für 8,6 Milliarden US-Dollar sowie die Übernahme des italienischen Unternehmens Recordati durch CVC Capital Partners und Groupe Bruxelles Lambert (ebenfalls als „Take-private“).

Die Gründung von Helix Digital Infrastructure durch KKR in den USA mit einem Volumen von zehn Milliarden US-Dollar stellte die größte Private-Equity-Transaktion in der Region Amerika dar. Die Übernahme des australischen Unternehmens I-Med Radiology Network durch Jardines – unterstützt von Permira – war die größte Transaktion in der Asien-Pazifik-Region.

Private Equity und Familienunternehmen in Deutschland

Deutschland bleibt dem Bericht zufolge einer der wichtigsten Private-Equity-Märkte Europas. Zu den größten Transaktionen der Region im ersten Halbjahr zählte der 8,6 Milliarden US-Dollar schwere Buyout des deutschen Motoren- und Turbomaschinenherstellers Everllence durch Bain Capital, der den Markttrend hin zu Carve-outs weiter unterstreiche, wie es bei KPMG heißt.

Bei deutschen Familienunternehmen treffen derzeit mehrere strukturelle Entwicklungen zusammen: Digitalisierung, KI, geopolitische Unsicherheiten und die anstehende Nachfolge vieler Unternehmerfamilien erhöhen nach Einschätzung von KPMG den Bedarf an Kapital, Expertise und Transformationskompetenz. Private Equity könne dabei eine wichtige Rolle als strategischer Partner spielen.

Nach einer aktuellen KPMG-Analyse könnten allein in Deutschland in den kommenden zehn Jahren rund 260 bis 295 Unternehmen mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von mehr als zehn Millionen Euro im Rahmen einer Nachfolge einen Verkauf an eine externe Partei in Betracht ziehen. Gleichzeitig zeige die Analyse, dass Familienunternehmen mit Private-Equity-Beteiligung deutlich schneller wachsen als Vergleichsunternehmen ohne einen solchen PE-Investor. In der untersuchten Stichprobe lag das durchschnittliche Umsatzwachstum im Zeitraum 2019 bis 2024 bei 12,2 Prozent gegenüber 6,0 Prozent, das Ebitda-Wachstum bei 16,2 Prozent gegenüber 7,8 Prozent.

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