Staatsanleihen haben 30 bis 40 Prozent an Wert verloren

Zwei Menschen mit Regenschirmen wandern auf einem moosbedeckten Steinweg am mystischen Kamishikimi Kumanoimasu-Schrein in Takamori, Kumamoto, Japan. Die Renditen japanischer 10-jähriger Anleihen nähern sich zum ersten Mal seit Mitte der 1990er Jahre der 3-Prozent-Marke an.
Asset Manager warnen vor dem langen Ende. Rendite von japanischen Staatsanleihen nähert sich 30-Jahres-Hoch.
Wer heute ein Income-Portfolio aufbauen will, findet viele interessante Opportunitäten insbesondere bei Staatsanleihen. Blackrock verweist auf aktuelle LSEG-Daten, laut denen die Renditen 30-jähriger US-Anleihen auf ein 19-Jahres-Hoch von über fünf Prozent und die Renditen 10-jähriger deutscher Anleihen auf ein 15-Jahres-Hoch von fast 3,25 Prozent gestiegen sind.
Außerdem näherten sich die Renditen japanischer 10-jähriger Anleihen zum ersten Mal seit Mitte der 1990er Jahre der 3-Prozent-Marke. Gleichzeitig bleiben die Kredit-Spreads von Investment-Grade- und High-Yield-Anleihen relativ eng. Zur Verdeutlichung der Renditeentwicklung führt der Asset Manager noch sein Strategieportfolio an, dessen Durchschnittsrendite nun bei 5,6 Prozent liegt. Fünf Jahre zuvor waren es gerade einmal 2,3 Prozent.
Dieser Renditeanstieg bei Staatsanleihen macht jedoch auch das hohe Durationsrisiko von Langläufern offensichtlich. Blackrock führt Bloomberg-Daten an, die zeigen, dass langfristige Staatsanleihen aus Industrieländern seit Anfang 2021 je nach Laufzeit rund 30 Prozent bis 40 Prozent ihres Wertes verloren haben. Diese Verluste sind auch noch nicht wieder aufgeholt worden.
Das Durationsrisiko ist für Blackrock offenbar auch noch nicht ausgestanden. Vivek Paul, Head of Portfolio Research für das BlackRock Investment Institute: „Im aktuellen Umfeld kompensieren die Renditen nicht immer adäquat das eingegangene Risiko. Für laufende Erträge ist selektive Auswahl daher noch wichtiger geworden. Was Investoren jetzt tun sollten: die Duration bei Staatsanleihen reduzieren, bei Unternehmensanleihen flexibel bleiben und zudem auch nicht traditionelle Ertragsquellen wie Derivate-basierte Ertragsstrategien im Aktienbereich in Betracht ziehen.“ Treasuries mit kurzen und mittleren Laufzeiten liefern laut Blackrock relativ zur Duration eine viel höhere Rendite.
Gründe für den Anstieg liegen für Blackrock im Nahost-Konflikt und im AI-Investment-Boom. Letzterer habe bereits ein historisches Ausmaß erreicht, kommentiert das Investment Institute des Asset Managers, was zu einem rasanten Anstieg der Unternehmensanleiheemissionen geführt habe: „Die Finanzierung von KI-Infrastruktur macht mittlerweile etwa 14 Prozent der Emissionen von Anleihen mit Investment-Grade-Rating aus, was den Wettbewerb um Kapital weiter verschärft.“
MFS: Marktinterventionen ohne Langfristwirkung
Eile, auf das lange Ende zu springen ist nicht geboten. Für MFS Investment Management haben die Eingriffe der US-Behörden auf die Zinsstrukturkurve keine langfristige Wirkung. Benoit Anne, Anlageexperte bei MFS Investment Management, sagt: „In den meisten Fällen haben Marktinterventionen – sei es an den Devisenmärkten oder anderswo – nur begrenzte Wirksamkeit. Der einfache Grund dafür ist, dass Interventionen in der Regel kaum etwas daran ändern, welche fundamentalen Faktoren die „unerwünschten“ Marktbewegungen überhaupt erst verursacht haben. Kurz gesagt: Interventionen sind nur eine Notlösung.“
Für MFS gibt es viele Gründe, warum die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen schleichend gestiegen sind. Der Asset Manager verweist auf die Veränderung der Fed-Kommunikation, die politischen Rahmenbedingungen in den USA und nicht näher definierte finanzpolitische Fragen. Wie Blackrock vertritt auch MFS den Standpunkt, dass Anleger vorsichtig bei Investments in langlaufende Staatsanleihen sein sollten.
Autoren: Patrick EiseleSchlagworte: Fixed Income | Staatsanleihen
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