Warum Goldminenunternehmen widerstandsfähiger sind, als ihre Kostenbasis vermuten lässt
Eine der häufigsten Sorgen, die wir von Anlegern hören, die eine Allokation in Goldminenaktien erwägen, ist das Risiko, dass diese Unternehmen durch steigende Produktionskosten stark unter Druck geraten könnten.

Florian Körner, Head of Sales Germany & Austria, VanEck
Eine der häufigsten Sorgen, die wir von Anlegern hören, die eine Allokation in Goldminenaktien erwägen, ist das Risiko, dass diese Unternehmen durch steigende Produktionskosten stark unter Druck geraten könnten. Das ist eine berechtigte Sorge in einem Umfeld, das von geopolitischen Spannungen, hohen Energiepreisen und anhaltender Inflation geprägt ist. Wir halten sie jedoch weitgehend für übertrieben. Es gibt etwas sehr Einzigartiges und Interessantes im Goldminensektor: Gerade die Faktoren, von denen Anleger am meisten befürchten, dass sie Goldminenunternehmen belasten könnten, sind in vielen Fällen dieselben Faktoren, die die Goldpreise nach oben treiben können.
Florian Körner, Head of Sales Germany & Austria bei VanEck Europe: „Goldminenunternehmen tragen eine natürliche Inflationsabsicherung im Geschäftsmodell, dasselbe Umfeld, das ihre Kosten treibt, stützt auch ihren Umsatz.” Frühere Wertentwicklungen sind jedoch kein Indikator für künftige Ergebnisse.
Um zu verstehen, warum Minenunternehmen besser positioniert sind, als ihre Kostenstrukturen zunächst vermuten lassen, sollte man zuerst auf Gold selbt schauen. Gold hat eine gut dokumentierte historische Korrelation zur Inflation. Während des Inflationsschubs der 1970er Jahre wertete Gold real deutlich auf. Während der Phase der quantitativen Lockerung nach 2008 und erneut nach den Stimulierungsmaßnahmen in der COVID-Zeit reagierte Gold auf dieselben monetären und fiskalischen Einflußfaktoren, die auch die Kosten von praktisch allem anderen in die Höhe trieben.
Das ist für Minenunternehmen von enormer Bedeutung. Anders als bei den meisten Industrieunternehmen, bei denen steigende Inputkosten die Margen ohne entsprechenden Ausgleich auf der Umsatzseite belasten, profitieren Goldminenunternehmen von einer natürlichen Absicherung: Das makroökonomische Umfeld, das ihre Kostenstruktur belastet, einschließlich Inflation, Währungsentwertung und monetärer Unsicherheit, hat historisch gleichzeitig ihren wichtigsten Umsatztreiber, den Goldpreis, nach oben getrieben. Dies ist ein strukturelles Merkmal dieser Anlageklasse, das unseres Erachtens nicht allgemein von allen Investoren erkannt wird.
Der aktuelle Gold-Bullenmarkt bringt etwas mit sich, was im Zyklus 2000–2011 weitgehend ausblieb: eine nachhaltige Margenausweitung. Die heutigen Minenunternehmen verfolgen einen grundlegend anderen Ansatz, indem sie eine strenge Kostendisziplin beibehalten, operative Verbesserungen vorantreiben, um dem branchenweiten Kosteninflationsdruck entgegenzuwirken, und konservative Strategien bei Mineralressourcen anwenden, die auf Goldpreisen deutlich unter dem Kassapreis basieren. Sie haben außerdem die Verschlechterung der Erzgehalte vermieden, die frühere Zyklen belastete. Das Ergebnis ist, dass die Goldpreise deutlich schneller gestiegen sind als die Förderkosten, was die Margen auf historisch rekordhohe Niveaus getrieben hat.
Der geopolitische Zusammenhang: Warum Energieängste den Goldpreis stützen können
Diese von uns hervorgehobene „natürliche Absicherung“ für die Goldminenbranche ist heute an den Energiemärkten sichtbar. Anleger sehen erhöhte Öl- und Dieselpreise und sorgen sich nachvollziehbar um die operativen Kosten im Bergbau. Es lohnt sich jedoch, kurz zu hinterfragen, warum die Energiepreise erhöht sind. Ein wesentlicher Treiber ist geopolitische Instabilität, darunter Konflikte im Nahen Osten, der Krieg in der Ukraine, die Fragmentierung globaler Lieferketten und wachsender Ressourcennationalismus. Genau dies sind die Bedingungen, unter denen Gold historisch seine wichtigste Rolle erfüllt hat: als sicherer Hafen in Zeiten der Unsicherheit.
Was kostet es tatsächlich, eine Unze Gold zu fördern?
Ein Teil des Grundes, warum Ängste vor Energiekosten übertrieben sind, liegt darin, dass viele Anleger überschätzen, wie stark die Kostenstruktur tatsächlich vom Treibstoff abhängt. Die Realität einer typischen Aufschlüsselung der All-in Sustaining Costs (AISC) sieht ungefähr so aus:
- Arbeit: ~35–50% der AISC, der mit Abstand größte Kostentreiber
- Treibstoff und Energie: ~15–20% der AISC
- Verbrauchsmaterialien (Stahl, Sprengstoffe, Reagenzien, Reifen): ~15–20%
- Sonstiges/Lizenzabgaben: ~10–20%
Betrachten wir Newmonts Aufschlüsselung der direkten Betriebskosten für 2026. Newmont, das größte Goldminenunternehmen der Welt, ging für 2026 von einem Brent-Preis von 70 US-Dollar pro Barrel aus. Das Unternehmen schätzt, dass sich seine Kosten bei jeder Veränderung des Brent-Rohölpreises um 10 US-Dollar pro Barrel um +/- 60 Millionen US-Dollar verändern würden, was etwa 11 US-Dollar pro produzierter Unze Gold entspricht. Dies bleibt gut kontrollierbar, insbesondere bei den aktuellen Goldpreisen, bei denen die operativen Margen außergewöhnlich stark bleiben.
Direkte Betriebskosten nach Kategorie
Die prozentuale Aufschlüsselung für 2026 bleibt weitgehend im Einklang mit 2025
Die Sensitivität gegenüber dem Ölpreis ist vorhanden, aber sie ist nicht der dominante Kostenfaktor. Sie ist ein Bestandteil unter mehreren. Viele Minenunternehmen reduzieren ihre Treibstoffabhängigkeit in bedeutendem Umfang durch langfristige Lieferverträge, erneuerbare Energiequellen und aktive Absicherungsprogramme.
Die Mathematik hinter den Margen im Goldbergbau
Selbst in einem Stressszenario, in dem die Goldpreise unverändert bleiben und die Kosten um 10–15% steigen, generiert der Sektor weiterhin einen beträchtlichen freien Cashflow pro Unze. Der bei den aktuellen Goldpreisen aufgebaute Margenpuffer ist erheblich. Die Unternehmen brauchen keinen weiter steigenden Goldpreis, um hochprofitabel zu bleiben. Es genügt, wenn Gold sich weitgehend in einer Bandbreite bewegt, eine deutlich geringere Voraussetzung.
Diese Widerstandsfähigkeit ist wichtig, weil sie verändert, was Minenunternehmen mit ihrem Kapital tun können. Wir erwarten, dass große und mittelgroße Unternehmen im Goldsektor sich weiterhin dazu verpflichten werden:
- Dividenden zu erhöhen und/oder aufrechtzuerhalten
- Aktienrückkaufprogramme umzusetzen
- Schulden abzubauen und die Bilanzen zu stärken
- Explorations- und organische Wachstumsprogramme zu finanzieren, ohne auf Aktienemissionen oder hohe angenommene Goldpreise angewiesen zu sein
Das ist disziplinierte Kapitalallokation in einem starken Gewinnumfeld und eine bedeutende Veränderung gegenüber dem historischen Verhalten der Branche.
Was das für Goldanleger bedeutet
Die Sorge über Kosteninflation bei Goldminenunternehmen ist nicht unbegründet. In unserer Analyse und Bewertung dieser Unternehmen konzentrieren wir uns intensiv auf Kostentrends, und in unseren regelmäßigen Gesprächen mit dem Management sind sie stets ein zentrales Thema. Im Gesamtkontext betrachtet ist der Kostenausblick für diese Branche jedoch nicht ganz so besorgniserregend, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Goldminenunternehmen verfügen auf der Umsatzseite über eine natürliche Inflationsabsicherung. Ihr größter Kostentreiber ist Arbeit, nicht Treibstoff. Ihre Energieabhängigkeit ist zwar real, aber teilweise abgesichert und strukturell geringer, als viele annehmen. Und die geopolitischen Kräfte, die die Energiepreise nach oben treiben, gehören zu den verlässlichsten Katalysatoren für einen steigenden Goldpreis.
Derzeit generieren Goldminenunternehmen einen freien Cashflow, der es ihnen ermöglicht, Aktionäre zu belohnen, Verpflichtungen zu bedienen und in die künftige Produktion zu investieren, und das alles, ohne von einer ambitionierten Goldpreisannahme ausgehen zu müssen. In vielerlei Hinsicht befinden sie sich in der stärksten finanziellen Position, die der Sektor seit Jahren gesehen hat.
Für Anleger, die eine Allokation erwägen und befürchten, dass Kostendruck die Chance gefährden könnte, würden wir vorschlagen, die Frage anders zu stellen. Das Risiko besteht nicht darin, dass die Margen unter Kostendruck zusammenbrechen. Die relevantere Frage ist, ob Anleger den Kostendruck zu stark gewichten, ohne den starken Margen und der Cashflow-Generierung des Sektors das gleiche Gewicht beizumessen.
Quellen für Daten/Informationen, sofern nicht anders angegeben: Bloomberg und Unternehmensresearch, Juli 2026.
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