Versicherungen
9. September 2026

Bafin warnt vor steigendem Stornorisiko

In der privaten Altersvorsorge könnten Kunden vermehrt abwandern. Dies hat Risiken für Liquidität und in der Provisionspolitik.

Ab 2027 gelten neue Regeln für die private Altersvorsorge. Dadurch ergeben sich Chancen für Versicherer – aber auch Risiken. Diese liegen für Bafin-Exekutivdirektorin Julia Wiens zuvorderst in Stornorisiken. Sie warnt davor, dass Bestandskunden ihr Kapital auf einen anderen Anbieter übertragen könnten. „Das kann zu hohen Mittelabflüssen und somit Liquiditätsbedarfen führen“, so Wiens in einer Publikation der Aufsichtsbehörde. „Das ist eine Aufgabe für das Risikomanagement. Darin müssen die Versicherer Stornorisiken angemessen berücksichtigen.“

Stornorisiken können zudem durch die Vertriebsvergütung verursacht werden. Wiens weist daraufhin, dass die angesetzten Abschluss- und Vertriebskosten von geförderten Altersvorsorgeprodukten künftig gleichmäßig auf die gesamte Ansparphase verteilt werden müssen. „Dadurch entsteht ein Spannungsverhältnis zu den bisher üblichen Einmalprovisionen in der Lebensversicherung. Vermittler wollen für ihren Aufwand bei Vertragsabschluss am besten direkt nach Vertragsabschluss vollständig vergütet werden. Versicherer müssen dagegen das Stornorisiko berücksichtigen, was für laufende Provisionszahlungen spricht“, erklärt Wiens.

Möglich sei bei einer Einmalprovision, dass diese bei Vertragsbeendigung noch nicht refinanziert sei. Gleichzeitig müssen Versicherer, wie erwähnt, in den neuen Produkten die angesetzten Abschluss- und Vertriebskosten über die gesamte Ansparphase verteilen. Es dauert somit länger, bis eine gezahlte Einmalprovision refinanziert ist. Dadurch steigt das Refinanzierungsrisiko. Bisher sei bei Lebensversicherern ein Stornohaftungszeitraum von fünf Jahren üblich. „Das wird der neuen Risikolage unter Umständen nicht gerecht.“ Die Herausforderung liege zudem darin, dass die einkalkulierten Kosten nur so hoch sein dürfen, dass die Produkte noch einen angemessenen Kundennutzen haben.

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