Stimmung der Immobilienfinanzierer bleibt getrübt
Kreditgeber von Büro-Developments verlangen Marge von 309 Basispunkten. Steffen Sebastian konstatiert im BF Barometer „grundlegenden Paradigmenwechsel“.
Die Bereitschaft Immobilien zu finanzieren, bleibt weiter eingeschränkt. Immerhin hat sich die Stimmung im dritten Quartal verbessert. Das zeigt das aktuelle BF Quartalsbarometer, das die BF Direkt AG in Kooperation mit dem Handelsblatt Research Institute erstellt. Der Barometerwert stieg von -25,97 auf nun -12,30 Punkte. Zur Ermittlung des Barometers werden vierteljährlich aktuell 38 Experten befragt, die alle unmittelbar mit der Kreditvergabe an Immobilienunternehmen betraut sind. Das Panel besteht aus Vertretern unterschiedlicher Banken und alternativer Finanzierer.
Zum Anstieg des Barometers trug bei, dass 35 Prozent der Befragten von einem ansteigenden Neugeschäft (Q2: 23 Prozent) berichten. Der Anteil der Befragten, die ein abnehmendes Neugeschäft beobachten, sank auf null Prozent (Q2: 23 Prozent). Gaben im zweiten Quartal noch 46 Prozent der Befragten an, dass sich die Finanzierungsbedingungen im Vergleich zum Vorquartal insgesamt verschlechtert hätten, ist dieser Wert im dritten Quartal auf 15 Prozent gesunken. Der Anteil der Befragten, die eine Erhöhung ihrer NPL-Quote in den vergangenen drei Monaten registrierten, ist von 31 auf 25 Prozent gesunken.
Loan to Value liegt im Bestand bei 64,5 Prozent
Die Margen erwiesen sich jüngst als eher konstant. Laut dem Barometer ergibts sich bei der Finanzierung im Gebäudebestand ein Durchschnittswert für die Marge von 156 Basispunkten und damit knapp zwei Bips weniger als im zweiten Quartal. Werden die verschiedenen Immobilientypen separat betrachtet, zeigt sich die geringste Durchschnittsmarge bei Wohnimmobilien mit einem Wert von 120 Bps, die höchste bei Supermärkten mit 170 Bps. Bei den Finanzierungen von Projektentwicklungen stieg die durchschnittliche Marge um knapp vier auf 273 Bps. Die höchste Marge verlangen die Institute im dritten Quartal hier bei Bürogebäuden mit 309 Bps, die geringste bei Logistikimmobilien mit 210 Bps. Der durchschnittliche Loan to Value für Bestandsfinanzierungen liegt mit einem Wert von 64,5 Prozent nahezu auf dem Niveau des Vorquartals.
Fabio Carrozza, Chief Sales Officer der BF Direkt AG, kommentiert: „Auch wenn der Barometerwert weiterhin negativ ist, ist die deutliche Verbesserung doch bemerkenswert. Mehr Institute berichten von einem steigenden Neugeschäft. Dennoch bleiben höhere Finanzierungskosten eine wesentliche Herausforderung für alle Marktteilnehmer. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass die jüngste Leitzinserhöhung der EZB erst nach Abschluss der Befragung erfolgte. Ob dieser Schritt von den Befragten bereits antizipiert wurde und sich somit indirekt in den Ergebnissen widerspiegelt, lässt sich derzeit nicht belastbar einschätzen.“
Prof. Dr. Steffen Sebastian, Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung an der Irebs und wissenschaftlicher Berater des BF Quartalsbarometers, sagt: „Eine neue Entwicklung ist, dass zuletzt die Realzinsen unabhängig von der Inflation gestiegen sind. Wir rechnen damit, dass dies von Dauer sein wird. Die Zinsen werden auch bei niedriger Inflation nicht mehr auf das vorherige Niveau sinken. Das bedeutet mehr als das Ende der Niedrigzinsphase. Es ist ein grundlegender Paradigmenwechsel. Neben höheren Zinsen ist auch die politische und wirtschaftliche Sicherheit zurückgegangen. Investoren müssen sich darauf einstellen, dauerhaft unter deutlich größerer Unsicherheit zu entscheiden.“
Autoren: Patrick EiseleSchlagworte: Real Estate Debt
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