Banken
28. September 2026

Die Probleme im deutschen Bankenlager sind mannigfaltig

Während das Bankhaus RSA vom BVR-Stützungsfonds deutlich höhere Garantien erhalten hat als bislang bekannt war, stellt die Volksbank Brawo den Betrieb des Geschäftsfelds Green Energy ein. Und im neuen Bankenstresstest zeigen einige Institute „Auffälligkeiten“.

Die Herausforderungen der deutschen Banken reißen nicht ab. Laut einem Bericht des „Handelsblatts“ hat das Bankhaus RSA, eine Genossenschaftsbank mit Sitz in Rechtmehring im Landkreis Mühldorf am Inn, deutlich höhere Garantien von Stützungsfonds des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) erhalten als bisher bekannt.

Insgesamt habe die Sicherungseinrichtung des Branchenverbands Ende Mai knapp 447 Millionen Euro an Garantien gewährt. Das Blatt beruft sich auf den Jahresabschluss 2025, der vor kurzem im Unternehmensregister veröffentlicht wurde.

Daneben habe das Bankhaus RSA einen Ertragszuschuss von knapp drei Millionen Euro erhalten. Laut dem Bericht hatte das Finanzinstitut die BVR-Hilfen bisher mit rund 115 Millionen Euro angegeben. Sie hatte aber bereits den Betrag von 446 Millionen Euro an notleidenden Krediten genannt. Dem Bericht zufolge hat die BVR-Sicherungseinrichtung seit Anfang 2024 zehn Banken mit Garantien, Zuschüssen sowie Kapital gestützt oder stehe kurz davor.

Volksbank Brawo stellt Betrieb des Geschäftsfelds Brawo Green Energy ein

Zu den bekannten Problemfällen zählt auch die Volksbank Brawo aus Wolfsburg. Sie hatte Mitte September Bilanz und einen Schlussstrich unter ihr bisheriges Geschäftsmodell gezogen. Letzteres beinhaltete ein Immobiliengeschäft, das weit über die eigentliche Heimatregion Braunschweig und Wolfsburg hinausging.

Außerdem investierte die Volksbank in diverse mittelständische Beteiligungen sowie in Energieinfrastruktur. Aus diesen Aktivitäten, die die Volksbank nun als „bankferne Geschäftsfelder“ bezeichnet, entstanden hohe Belastungen, die ebenfalls Stützungsmaßnahmen der Sicherungseinrichtung des BVR erforderten. Den Verlust beziffert die Volksbank mit über 600 Millionen Euro.

Die Pläne der Volksbank Brawo zielen auf eine „Fokussierung auf das regionale Bankgeschäft sowie den Abbau von Komplexität“ ab. Wie die Bank nun mitteilte, werde der Betrieb des Geschäftsfelds Brawo Green Energy wird zum 31. Dezember 2026 eingestellt. Im Zuge dieser Umstrukturierung werden fünf Gesellschaften ihren Geschäftsbetrieb „geordnet beenden“, heißt es.

Heiner Arnoldi, Vorstandsmitglied der Volksbank Brawo, erklärt dazu: „Diese Entscheidung ist uns sehr schwergefallen. Nach sorgfältiger Prüfung der wirtschaftlichen Perspektiven ist eine Fortführung jedoch nicht verantwortbar.“ Eine Übergabe der Gesellschaften an einen oder mehrere Marktteilnehmer sei nicht zustande gekommen.

Deutlich eingetrübtes Marktumfeld bei Renewables

„Besonders schmerzlich ist, dass engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von den Folgen der nicht erreichten Ziele des Green-Energy-Bereiches nun direkt betroffen sind“, fährt Arnoldi fort. „Die Ursachen für diesen Schritt liegen hauptsächlich darin, dass lange Projektlaufzeiten und ein deutlich eingetrübtes Marktumfeld bei den Erneuerbaren Energien mit zudem zunehmenden Finanzierungserfordernissen keine Fortführung rechtfertigen, was den Vorstand der Volksbank Brawo zu diesen umfassenden Maßnahmen zwingt.“

Hinzu komme laut Arnoldi, dass auch andere Unternehmen, die frühzeitig in die Energiewende investiert haben, aktuell vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen stehen würden, nicht nur Brawo Green Energy. Der Transformationsprozess hin zu regenerativen Energiequellen erfordert nach Angaben der Bank einen hohen und langfristigen Kapitalbedarf, während zugleich steigende Finanzierungskosten, komplexe regulatorische Vorgaben und sich verändernde gesetzliche Rahmenbedingungen die Planungssicherheit erschweren. Zudem kommen langwierige Genehmigungs- und Netzanschlussverfahren sowie die Frage, unter welchen Marktbedingungen sich die getätigten Investitionen dauerhaft wirtschaftlich refinanzieren lassen.

Stresstest von Bafin und Bundesbank: Banken und Sparkassen mit robustem Kapitalpolster

Während einzelne Finanzhäuser gestützt werden müssen, beurteilen Bafin und Bundesbank die Lage nach der Auswertung eines Stresstests „für weniger bedeutende Institute“ nicht ganz so kritisch. „Die kleinen und mittelgroßen Banken und Sparkassen in Deutschland zeigen sich weiterhin widerstandsfähig“, wie es in einer Mitteilung heißt.

„Die Institute bleiben insgesamt solide aufgestellt. Aufgrund ihrer guten Kapitalisierung wären die meisten Banken und Sparkassen in der Lage, auch einem drastischen globalen Wirtschaftseinbruch zu widerstehen“, sagte Nikolas Speer, Bafin-Exekutivdirektor Bankenaufsicht, bei der Vorstellung der Stresstest-Ergebnisse in Frankfurt am Main. Das im Stresstest vorgegebene Szenario entspricht demnach einer sehr schweren Krise in Folge einer simulierten Verschärfung geopolitischer Spannungen.

In einer solchen Stresssituation würde sich die harte Kernkapitalquote der sogenannten „Less Significant Institutions“ (LSIs) im Aggregat um rund 3,8 Prozentpunkte auf 14,6 Prozent reduzieren. Dieser Rückgang wäre dabei vor allem auf Wertberichtigungen im Adressrisiko- und Marktrisikobereich zurückzuführen, heißt es.

In diesem Szenario geraten einzelne Banken und Sparkassen stärker unter Druck. Laut dem Stresstest könnten mehrere Dutzend Institute ihre aufsichtlich vorgegebenen Kapitalanforderungen nicht mehr einhalten.

Verglichen mit dem Stresstest vor zwei Jahren fällt das aktuelle Ergebnis besser aus. Denn trotz eines ähnlich harten Szenarios wären weniger Institute betroffen als noch im LSI-Stresstest 2024. Dies liegt den Angaben zufolge unter anderem daran, dass Institute, die vor zwei Jahren im Hinblick auf ihre Kapitalisierung auffällig erschienen, in der Folge aufsichtlich eng begleitet worden seien.

Die meisten dieser Banken und Sparkassen hätten ihre Eigenmittelquoten inzwischen erhöht und damit ihre Resilienz gegenüber Krisen gestärkt. „Wir haben die Institute, die im Stresstest Auffälligkeiten zeigen, besonders im Blick. Sollte es erforderlich sein, werden wir rechtzeitig aufsichtliche Maßnahmen ergreifen“, betonte Bafin-Exekutivdirektor Speer.

Autoren:

Schlagworte: |

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert