Alternative Anlagen
2. Oktober 2026

Vom Portfoliorisiko zur Kreditentscheidung

Für institutionelle Anleger und Finanzinstitute wird der Zustand von Ökosystemen zunehmend zu einer Frage von Risiko, Rendite und langfristiger Resilienz. Unternehmen sind auf Leistungen der Natur angewiesen – etwa auf Wasser, fruchtbare Böden oder stabile Ökosysteme.

Werden diese Leistungen durch den Verlust der Biodiversität beeinträchtigt, können Produktionsausfälle, Lieferkettenprobleme oder Wertverluste die Folge sein und dies nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in der Energieversorgung, dem produzierenden Gewerbe oder dem Bauwesen. Diese Entwicklungen können sich unmittelbar in Finanz- und Kreditrisiken übersetzen.

Die Europäische Zentralbank kommt ebenfalls zu dem Schluss: Naturbezogene Risiken können zu Kredit-, Markt- und Versicherungsrisiken führen. Dabei ist die Exposition des Finanzsektors erheblich. Rund 72 Prozent der von Banken finanzierten Unternehmen im Euroraum hängen laut EZB in hohem Maße von mindestens einer Ökosystemleistung ab.

Für Anleger stellt sich deshalb zunehmend die Frage: Wie lassen sich Biodiversitätsrisiken im Portfolio messen und managen? Erste Ansätze ermöglichen es, Abhängigkeiten und Auswirkungen von Unternehmen und Portfolios zu erfassen, beispielsweise über sektor- und standortbezogene Daten. Diese Bewertungen dienen als Grundlage, um Risiken und wirtschaftliche Aktivitäten in Verbindung zu bringen und Ansätze für Investitionsentscheidungen und Engagement zu entwickeln.

Auch im Kreditgeschäft bietet sich ein konkreter Hebel. Die Publikation „Biodiversität in der Kreditvergabe“ von Global Nature Fund und dem VfU, gefördert vom BMUKN und BfN, zeigt anhand der Sektoren Agrar- und Lebensmittelwirtschaft, Immobilien und Chemie, wie biodiversitätsbezogene KPIs in Kreditprozesse integriert werden können. Gerade Immobilienfinanzierungen bieten interessante Ansatzpunkte: Flächenversiegelung, Wassermanagement oder die Lage eines Objekts und die eingesetzten Materialien sind biodiversitätsrelevant. Solche Aspekte sind in die Kreditanalyse, Kreditrichtlinien oder Sustainability-Linked Loans integrierbar. Damit wird Biodiversität vom abstrakten Nachhaltigkeitsthema zu einer konkreten Entscheidungsgröße.

Für institutionelle Investoren gilt letztlich dasselbe wie für Kreditinstitute: Messen ist der erste Schritt – entscheidend ist, die Ergebnisse in Investment-, Finanzierungs- und Engagement-Entscheidungen zu übersetzen. Biodiversitätsdaten können dabei nicht nur helfen, Risiken früh zu erkennen, sondern auch Kapital in eine resilientere und naturverträgliche Wirtschaft zu lenken.

Andrea Reuter, Projektmanagerin, Global Nature Fund

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