Alternative Anlagen
29. September 2026

Deutsche Einhorn-Herde wächst auf 39

Startup-Verband freut sich über Zuwachs bei Unicorns und Wagniskapital. Dieses kommt wieder verstärkt aus den USA.

Noch nie wurden in Deutschland so viele Startups gegründet wie in diesem Jahr. Auch bei den Investments zeigt der Trend klar nach oben: Allein bis Ende September wurden acht Milliarden Euro Wagniskapital investiert, mehr als im gesamten Vorjahr. Weiter klettert die Zahl der Unicorn-Startups mit 39 auf einen Rekordwert. Als Einhorn klassifiziert sich ein junges Unternehmen, das mit mindestens einer Milliarde Dollar oder Euros bewertet wird. Über diese Zahlen freut sich der Startup-Verband, der über diese Entwicklung in seinem Monitor 2026 berichtet.

„Die Bundesregierung hat mit der Startup- und Scaleup-Strategie einen guten Aufschlag gemacht, jetzt zählt die Umsetzung. Ganz zentral sind hier die Erweiterung der Win-Initiative und die Stärkung der Spätphasenfinanzierung. Ebenso wichtig ist die EU Inc. – sie ist der Schlüssel, um das Potenzial des europäischen Binnenmarkts endlich zu heben. Der Erfolg dieser und weiterer Initiativen wird entscheiden, ob wir uns im Wettbewerb ganz vorne positionieren können“, so Verena Pausder Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands.

Deep Tech und Defense ziehen Milliarden an

Treiber für den Anstieg des Wachstumskapitals, für das der Verband bis Jahresende noch einen Anstieg auf zwölf Milliarden Euro möglich hält, sind große Runden im Bereich Deep Tech und Defense. Diese Sektoren sind kapitalintensiv und nehmen entsprechend hohe Summen auf. Klar sichtbar, so der Verband, ist zudem die Dynamik im Defense-Sektor, in dem mit Helsing, Quantum Systems und Stark gleich mehrere Rekordrunden zu verzeichnen sind. Dagegen stagniere die Zahl der Early-Stage-Runden. Der Rekordwert wurde im Jahr 2021 mit 14,6 Milliarden Euro verzeichnet. Mehr große Runden sind der Nährboden für Unicorns-Startups. Mitte September 2026 sind es bereits 39. Das ist ein neuer Rekord, so der Verband.

So erfreulich die Entwicklung für Deutschland ist, mit den USA kann sie nicht mithalten. Mit dem Durchbruch generativer KI und vor allem mit den Investments in die beiden führenden Modellentwickler Open AI und Anthropic hat sich in den USA ein echter Investitionsboom entwickelt, konstatiert der Startup-Verband. Allein bis Anfang September 2026 seien dort mit 307,6 Milliarden Euro bereits mehr als doppelt so viel in den Sektor wie im gesamten Vorjahr geflossen. Das sind selbst für den US-Markt Rekordsummen, die signalisieren, welches enorme Potenzial Investoren in der Technologie sehen. Auch Europa verzeichnet einen Anstieg, von 20,4 auf 27,2 Milliarden Euro, wovon 5,7 Milliarden Euro auf Deutschland entfallen. Apropos USA: Startups mit IPO-Ambition orientieren sich weiter klar in Richtung Westen. 62 Prozent würden in den USA an die Börse gehen – nur 27 Prozent in Deutschland.

Mehr Wettbewerb um knappes Kapital

Kein Zuwachs, sondern einen Rückgang war allerdings bei den Finanzierungsrunden in Deutschland zu verzeichnen. Nachdem 2021 mehr als 2.000 Finanzierungsrunden stattfanden, ist dieser Wert um rund ein Viertel geschrumpft. Der Rückgang erkläre sich insbesondere durch weniger frühe Runden, da viele Business Angel aktuell zurückhaltend investieren. Gründe seien neben dem geänderten Zinsniveau auch das gebundene Kapital durch vorherige Investments. Gleichzeitig nehme die Zahl junger Startups zu, sodass der Wettbewerb um begrenztes Kapital zunimmt.

Als Kapitalgeber kommen verstärkt Investoren aus den USA zum Zug. Zuletzt stieg deren Anteil am Investitionsvolumen wieder deutlich an: Mit Stand September 2026 liegt er bei 39 Prozent und damit erneut auf dem bisherigen Spitzenwert während des Investmentbooms 2021. Gleichzeitig sinken die Anteile deutscher (23 Prozent) und europäischer Investoren (28 Prozent). Als wichtigen Grund hierfür nennt der Verband, dass heimische Fonds oft nicht groß genug sind, um Teil solcher Megarunden zu sein. Damit zeige sich ein weiterer Aspekt der Schwäche des europäischen Kapitalmarkts: Kapitalintensive Startups lassen sich aus eigener Kraft nicht finanzieren und sind in hohem Maße auf ausländisches Kapital angewiesen. Damit wandere aber auch die Wertschöpfung im Falle eines Börsengangs oder Unternehmensverkaufs zu großen Teilen in die USA ab.

Autoren:

Schlagworte: |

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert