Fulminantes Comeback am deutschen Venture-Capital-Markt
Die Finanzierungsbedingungen für junge innovative Unternehmen in Deutschland haben sich im laufenden Jahr erheblich verbessert. KfW Research beobachtet einige wenige, dafür aber sehr große Finanzierungsrunden.
Der deutsche Venture-Capital-Markt hat ein erfolgreiches drittes Quartal erlebt. Hiesige Start-ups sammelten nach Angaben der Förderbank KfW mehr als 4,5 Milliarden Euro ein – das war fast viermal mehr als im dritten Quartal 2025.
Gemessen am Dealvolumen war es das stärkste Quartal seit dem vierten Quartal 2021, wie das KfW-Venture-Capital-Dashboard zeigt. Darin veröffentlicht KfW Research quartalsweise Daten zum deutschen VC-Markt.
Insgesamt erhielten junge innovative Unternehmen in Deutschland zwischen Januar und September dieses Jahres 9,5 Milliarden Euro von Kapitalgebern. Damit zeigt sich der Venture-Capital-Markt (VC-Markt) bereits jetzt volumenmäßig stärker als jeweils im gesamten Jahr 2023 (7,1 Milliarden Euro), 2024 (7,5 Milliarden Euro) und 2025 (7,3 Milliarden Euro).
Sechs Megadeals prägen die Statistik
Getragen wurde die positive Entwicklung vor allem von einigen wenigen, dafür aber sehr großen Finanzierungsrunden. Sechs Megadeals mit einem Volumen von jeweils über 100 Millionen Euro vereinten zusammen über 3,5 Milliarden Euro auf sich.
Die Zahl der Transaktionen ab einer Million Euro sank dagegen im dritten Quartal auf nur noch 89, einen der niedrigsten Werte der vergangenen Jahre. Insgesamt gab es im Jahr 2026 bisher 276 Deals ab einer Million Euro, nach 304 im Vorjahreszeitraum und 324 in den ersten neun Monaten 2024.
„Die Finanzierungsbedingungen für junge innovative Unternehmen in Deutschland haben sich im laufenden Jahr weiter verbessert. Der Aufwuchs bei den Investitionen zeigt, dass Deutschland viele für Investoren attraktive Start-ups hat“, sagt Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW. „Allerdings konzentriert sich das Kapital derzeit auf immer weniger Unternehmen. Wer Investoren überzeugt, kann deutlich mehr Kapital als noch vor einigen Jahren einsammeln. Für viele Start-ups abseits der Spitze bleibt es allerdings nach wie vor eine große Herausforderung, an ausreichend Finanzierung zu kommen.“
Insgesamt gab es zuletzt 43 sogenannte Einhörner in Deutschland – also junge, nicht-börsennotierte Unternehmen, die von Investoren mit mindestens einer Milliarde US-Dollar bewertet werden. Zum Vergleich: Anfang 2021 waren es erst zwölf.
Zinswende hat VC-Markt belastet
Die aktuell wieder positiver Lage steht im Kontrast zum Jahr 2022. Damals hatte die Zinswende den VC-Markt massiv unter Druck gesetzt. Für antizyklisch denkende Investoren war das eine Gelegenheit. Denn die Einstiegsbewertungen bei neuen Investitionen waren damals zurückgegangen.
Zwei Jahre später nahm die Win-Initiative ihre Arbeit auf. Dabei stellen institutionelle Investoren und Banken jungen Unternehmen zusätzliches Wagniskapital zu Verfügung.
Autoren: Tobias BürgerSchlagworte: Venture Capital
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