Fundraising-Motor kommt nicht auf Touren
Pitchbook: Mittelbeschaffung auf Privatmärkten seit Jahren rückläufig. Weniger Geld für noch weniger Fonds.
Auf den Private Markets Kapital einzusammeln, erweist sich nach wie vor als zäh. Die Daten-Experten von Pitchbook zählten für den 12-Monats-Zeitraum bis Mitte 2026 1,348 Billionen an eingesammelten Dollars. Dies sind 12,7 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum von Mitte 2024 bis Mitte 2025. Zugesagt wurden die Gelder 3.763 Fonds. Dies waren 37 Prozent weniger Vehikel.
Der prozentuale Rückgang in der Gesamtentwicklung spiegelt sich ziemlich exakt auch in der Asset-Klasse Private Equity wider. Besonders große Rückgänge waren für Real Estate, Real Assets und Dachfonds zu verzeichnen. Einziger Lichtblick war Private Debt. In dieser Asset-Klasse fiel die Fondsanzahl zwar um 40 Prozent auf 259, immerhin stieg aber das eingesammelte Volumen um 14 Prozent auf 309 Milliarden Dollar.
Pitchbook führt zur Begründung des Rückgangs die Fundraising-Erfolge der Vergangenheit an. „In den vergangenen zehn Jahren hat sich privates Kapital zu einer treibenden Kraft auf den Finanzmärkten entwickelt. Das verwaltete Vermögen (AuM) hat sich seit 2016 fast verdreifacht und stieg von 6,1 Billionen Dollar bis Ende 2025 auf 16,7 Billionen Dollar. Dieses Wachstum wurde jedoch zum Teil durch eine Phase der Euphorie für Risikoanlagen angetrieben, wobei die Mittelbeschaffung durch privates Kapital im Jahr 2021 ihren Höhepunkt erreichte“, kommentiert Lead Analyst Juan Mier. „Seitdem ist die Mittelbeschaffung seit mehreren Jahren rückläufig. In der ersten Hälfte des Jahres 2026 wurden über 1.499 Fonds hinweg 658,1 Milliarden Dollar eingeworben. Sollte sich dieses Tempo bis zum Jahresende fortsetzen, wird das weltweite Kapitalaufkommen das fünfte Jahr in Folge zurückgehen.“
Auffällig ist insbesondere die Konzentration bei der Kapitalbeschaffung. Fonds mit einem Volumen von mehr als einer Milliarde Dollar machen weiterhin einen größeren Anteil an der gesamten Kapitalbeschaffung aus und erreichten im ersten Halbjahr 2026 78,2 Prozent. 2021 waren es noch nur 59,1 Prozent. „Wir interpretieren dies so, dass Kapitalgeber eher zu GPs mit etablierter Erfolgsbilanz und breiter Marktakzeptanz tendieren, anstatt die erforderlichen Ressourcen aufzuwenden, um kleinere, weniger bewährte Anlagevehikel zu finanzieren“, so Juan Mier.
Pitchbook kommentiert zudem, dass die Ursachen für den Rückgang in der Kapitalbeschaffung vielfältig sei. „Unserer Ansicht nach führen ausgereifte Privatmärkte dazu, dass die Allokationen institutioneller Anleger an ihre Risikogrenzen stoßen, und enttäuschende Ausschüttungen bremsen das Schwungrad, das neue Fonds auffüllt.“
Alte Assets
Seit 2022 sind die Netto-Cashflows negativ. Immerhin nahmen die Ausschüttungen im Jahr 2025 zu. Sie trugen allerdings kaum dazu bei, den Rückstau an nicht realisierten Werten abzubauen, die darauf warten, an die Investoren zurückgezahlt zu werden. Im „alternden NAV“ sieht Pitchbook „ein großes Problem für das Ökosystem des privaten Kapitals“. Schleppende Ausschüttungen hätten dazu geführt, dass fast fünf Billionen Dollar an Kapital in Fonds geparkt sind, die sieben Jahre oder älter sind. Dies entspreche 39 Prozent des gesamten NAV per Dezember 2025. „Die Menge dieser älteren Vermögenswerte gibt Anlass zur Sorge, da die Anleger weiterhin darauf warten, dass sich Buchgewinne in Bargeld umwandeln lassen“, so Pitchbook.
Private Equity lebt immer mehr von Retail und Asien
Bezüglich Private Equity stellt Pitchbook fest, dass sich die weltweite Kapitalbeschaffung im zweiten Quartal mit Fondsabschlüssen in Höhe von 165,3 Milliarden Dollar erhöte, Dadurch stieg das rollierende 12-Monats-Gesamtvolumen auf 468,8 gegenüber 417 Milliarden Dollar im ersten Quartal. „Dies ist ein vielversprechendes Zeichen für eine Branche, die sich in einer mehrjährigen Flaute bei der Kapitalbeschaffung befand, während sie sich von den Nachwehen der Boomjahre nach der Pandemie erholt“, erläutert Pitchbook. Aus den Private-Equity-Daten lassen sich drei wesentliche Trends: Einmal die bereits oben festgestellte Konzentration auf größere GPs. „Angesichts der anhaltenden Konsolidierung der LP-Beziehungen und der Fähigkeit größerer GPs, Lösungen in großem Maßstab anzubieten, hat der Mittelstand Schwierigkeiten, sich neue Zuweisungen zu sichern – selbst wenn er in puncto Performance die Nase vorn hat“, so die Experten. Weiterer Trend ist, dass Privatanleger zur Hauptquelle für neues Kapital werden. Der dritte Trend ist das Wiederbeleben der Kapitalbeschaffung in Asien.
In der ersten Jahreshälfte übertraf Asien bereits das gesamte im Jahr 2025 eingeworbene Kapital und sammelte 48,3 Milliarden Dollar ein, angeführt von drei riesigen Fondsschließungen: dem „Baring Asia Private Equity Fund IX“ mit 15,6 Milliarden Dollar, dem „Blackstone Capital Partners Asia III“ mit 13,1 Milliarden Dollar und dem „Bain Capital Asia Fund VI“ mit 10,5 Milliarden Dollar. Am meisten Geld sammelte im ersten Halbjahr aber KKR ein: 23 Milliarden Dollar für den North America Fund XIV.
Autoren: Patrick EiseleSchlagworte: Private Equity | Privatmarktanlagen / Private Assets
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