Dividendenaktien: Vier Schocks, vier unterschiedliche Antworten
Für Privatanleger steht bei Dividendenstrategien meistens die Ausschüttung im Fokus. Für institutionelle Investoren stellt sich dagegen oft die Frage, welches Diversifikationspotenzial sich aus einer (Dividenden-) Strategie ergeben kann und insbesondere, wie sich eine Strategie bei starken Marktrückgängen bzw. Draw-Downs verhält.

Florian Körner, Head of Sales Germany & Austria, VanEck
Der VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders UCITS ETF (TDIV) bildet den Morningstar Developed Markets Large Cap Dividend Leaders Screened Select Index ab. Bei den nachfolgenden Zahlen handelt es sich um Indexrenditen.
Der Index hat seit 2020 vier klar unterscheidbare Drawdowns durchlaufen. In drei davon lag er vor dem MSCI World, und der vierte lohnt einen genaueren Blick.
| Max. Drawdown | ||||
| Episode | Zeitraum | MSCI World | Dividend Leaders | Vorheriges Hoch wieder erreicht |
| COVID | Feb.–März 2020 | -33,7% | -36,7% | MSCI Jan. 2021 / DL März 2021 |
| Energie und Inflation | Jan.–Sep. 2022 | -16,6% | -11,1% | MSCI Juli 2023 / DL Nov. 2022 |
| Zölle | Feb.–Apr. 2025 | -20,2% | -14,0% | MSCI Okt. 2025 / DL Juli 2025 |
| Iran-Konflikt | Jan.–März 2026 | -6,5% | -3,7% | MSCI Apr. 2026 / DL Apr. 2026 |
Quelle: VanEck, Stand 31. August 2026. Die frühere Wertentwicklung lässt keine Prognose für künftige Renditen zu. Bei den dargestellten Zahlen handelt es sich um Brutto-Indexrenditen; sie berücksichtigen nicht die von ETF-Anlegern getragenen Kosten und Gebühren. Die tatsächlichen Anlegerrenditen weichen infolge von Verwaltungsgebühren, Transaktionskosten und Tracking Error von den dargestellten Indexrenditen ab.
Wo die Methodik funktioniert hat
Die Aktiengeschichte des vergangenen Jahrzehnts wurde von etwa einem Dutzend Unternehmen geschrieben, alles andere galt als Ballast. Umso erstaunlicher, dass ein Index der fast keines dieser Unternehmen hält, eine Rendite erwirtschaften konnte, die pro Jahr nur zwei Basispunkte von der des MSCI World entfernt lag. Banken, Versicherer, Versorger, Pipelinebetreiber, Telekommunikations- und Pharmaunternehmen, also genau jene Geschäftsmodelle, die einen Dividendenfilter deshalb passieren, weil sie mehr Cash erzeugen, als sie sinnvoll reinvestieren können, nahmen zwar einen anderen Weg, aberkamen am selben Punkt an.
Die drei übrigen Episoden zeigen, wie dieser Weg aussieht, wenn sich das Marktumfeld dreht.
2022 drückten steigende Realzinsen die Bewertungen jener Unternehmen, deren Gewinne am weitesten in der Zukunft liegen, während sich die Margen der Banken und die Gewinne im Energiesektor ausweiteten. Der Index war in beiden Sektoren bereits stark gewichtet, nicht aufgrund einer taktischen Sektorwette, sondern weil es genau diese Unternehmen waren, die die höchsten Dividenden ausschütteten. Er markierte noch fünf Monate nach dem Hoch des MSCI World neue Höchststände und erreichte sein eigenes Hoch acht Monate vor dem breiten Index wieder.
Der Zoll-Sell-off 2025 wirkte anders. Er lief über global exponierte Lieferketten und, für Anleger im Euroraum, über den Dollar. Mit rund einem Fünftel des Index in US-Aktien gegenüber knapp drei Vierteln beim MSCI World war der Index beidem weniger stark ausgesetzt.
2026 erinnerte an 2022. Das Energie-Engagement zahlte sich aus, als der Konflikt den Ölpreis in die Höhe trieb, und da praktisch keine Technologiewerte enthalten sind, konnten dort auch kaum Kursgewinne verloren gehen.
Für Anleger, die den KI-Trade über einen marktkapitalisierungsgewichteten Kern längst im Depot haben, ist genau dieser Unterschied entscheidend.
Kalenderjahre, Brutto-TR in EUR
| Kalenderjahr | MSCI World | Dividend Leaders | Differenz (%-Pkt.) |
| 2020 | 6,88% | -9,95% | -16,8 |
| 2021 | 31,64% | 27,24% | -4,4 |
| 2022 | -12,34% | 16,58% | +28,9 |
| 2023 | 20,20% | 12,56% | -7,6 |
| 2024 | 27,15% | 16,71% | -10,4 |
| 2025 | 7,21% | 24,72% | +17,5 |
| 2026 YTD (bis 31. Aug.) | 14,66% | 18,86% | +4,2 |
Quelle: VanEck, Stand 31. August 2026. Die frühere Wertentwicklung lässt keine Prognose für künftige Renditen zu. Die frühere Wertentwicklung ist in EUR ausgedrückt; die Renditen können infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen. Bei den dargestellten Zahlen handelt es sich um Brutto-Indexrenditen; sie berücksichtigen nicht die von ETF-Anlegern getragenen Kosten und Gebühren, sodass die tatsächlichen Anlegerrenditen abweichen.
Zeiträume bis 31. August 2026
| Zeitraum | MSCI World | Dividend Leaders | Differenz (%-Pkt.) |
| 1 Monat | 1,63% | 0,87% | -0,8 |
| 3 Monate | 2,91% | 7,67% | +4,8 |
| 6 Monate | 11,87% | 7,41% | -4,5 |
| Seit Jahresbeginn | 14,66% | 18,86% | +4,2 |
| 1 Jahr | 21,76% | 30,93% | +9,2 |
| 3 Jahre p. a. | 17,92% | 22,95% | +5,0 |
| 5 Jahre p. a. | 12,08% | 19,58% | +7,5 |
| 10 Jahre p. a. | 13,09% | 13,07% | -0,0 |
Quelle: VanEck, Stand 31. August 2026. Die frühere Wertentwicklung lässt keine Prognose für künftige Renditen zu. Die Renditen sind in EUR ausgedrückt und können infolge von Währungsschwankungen steigen oder fallen. Bei den dargestellten Zahlen handelt es sich um Brutto-Indexrenditen; sie berücksichtigen nicht die von ETF-Anlegern getragenen Kosten und Gebühren, sodass die tatsächlichen Anlegerrenditen abweichen.
Wo es nicht funktioniert hat
Die Coronakrise ist die Ausnahme, und zwar eine echte. Der Index verlor 36,7% gegenüber 33,7% beim MSCI World, erreichte sein Vorkrisenhoch erst im März 2021, der MSCI World bereits im Januar und beendete 2020 mit einem Minus von 10,0%, während der MSCI World 6,9% gewann.
Die Ursache war klar identifizierbar. Am 27. März 2020 empfahl die EZB den Banken im Euroraum, für die Geschäftsjahre 2019 und 2020 keine Dividenden zu zahlen und Aktienrückkäufe auszusetzen; die meisten folgten. Die EZB bezifferte in ihrer eigenen späteren Analyse den Bewertungseffekt bei Banken im Euroraum auf rund 7%, getrieben vor allem von der Unsicherheit darüber, wann die Ausschüttungen wieder aufgenommen würden. Einen dividendengewichteten Index mit struktureller Übergewichtung von Finanzwerten traf das unmittelbar in seinem größten Sektorengagement. Die Filter boten keinen Schutz, denn sie prüfen, ob ein Unternehmen sich seine Dividende leisten kann. Sie können nicht vorhersehen, dass eine Aufsichtsbehörde solventen Unternehmen die Zahlung untersagt.
Das ist eine Grenze der Methodik, kein Konstruktionsfehler, und diesen Unterschied sollte man klar benennen. Die Strategie ist darauf ausgelegt, Unternehmen zu vermeiden, die eine Ausschüttung nicht dauerhaft tragen können. Sie ist nicht darauf ausgelegt, eine aufsichtsrechtliche Entscheidung zu überstehen, die Ausschüttungen bei gesunden Unternehmen aussetzt. Solche Eingriffe sind selten, sie werden verkündet und lassen sich nicht aus Unternehmensdaten ableiten, und sie sind nicht das Risiko, das diese Strategie absorbieren soll. Was der Index in den drei Episoden danach gezeigt hat, ist Widerstandsfähigkeit gegenüber Bewertungs-, Zins- und geopolitischen Schocks. Diese Widerstandsfähigkeit beruht auf einer kleinen Zahl vergangener Episoden und ist keine Garantie für die künftige Wertentwicklung; die Strategie bleibt Markt-, Sektorkonzentrations-, Dividendenkürzungs-, Regulierungs- und Währungsrisiken ausgesetzt und kann in künftigen Schocks, auch solchen anderer Natur, an Wert verlieren.
Die praktische Einordnung
Für Anleger, die ein Konzentrationsrisiko in globalen Standardindizes tragen, das sie lieber nicht tragen würden, lautet das Argument nicht, dass diese Strategie Drawdowns generell vermeidet. Es lautet, dass sie in drei der vier jüngsten Schocks, dem Energie- und Inflations-Selloff 2022, dem Zoll-Selloff 2025 und dem Drawdown im Iran-Konflikt 2026, nur ca. Zwei Drittel dessen verlor, was der MSCI World verlor, und sich früher erholte. Darüber hinaus ist zu beachten, dass die eine Ausnahme in den vier untersuchten Zeiträumen, der COVID-Drawdown Anfang 2020 (in dem sie mit -36,7% gegenüber -33,7% beim MSCI World zurückblieb), eine identifizierbare und ungewöhnliche Ursache hatte. Zusammenfassend lässt sich die Strategie seit ihrer Auflage vor mehr als zehn Jahren folgendermaßen einordnen: potenziell geringere Teilhabe an wachstumsgetriebenen Rallyes im Gegenzug für potenziell flachere Rückgänge und eine relativ höhere Dividendenrendite. Das ist wertvoller als eine Strategie, deren Verhalten unter Stress noch nie beobachtet wurde.



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