Traditionelle Anlagen
19. Oktober 2026

Deutschlands Green Bonds summieren sich auf fast 100 Milliarden Euro

Greenium zwischen null und zwei Basispunkten. Generali Investments: „Deutschland führend bezüglich Kurventiefe und Handelbarkeit.“  

Für nachhaltige Kapitalanlagen sind Green Bonds ein interessanter Baustein. Hinterfragen müssen Anleger aber, ob sie mit Green Bonds Einbußen bei Rendite, Liquidität oder Anlagemöglichkeiten befürchten müssen. Antworten hierzu liefert Generali Investments. Der Asset Manager beschäftigt sich in einer aktuellen Analyse mit dem deutschen Green-Bond-Programm.

Wie Florian Späte, Senior Bond Strategist berichtet, wird Deutschland am Dienstag sein Green-Bond-Programm für das laufende Jahr mit seiner neunten Auktion abschließen. Die Finanzagentur werde die Green-Bonds mit einer Laufzeit bis August 2053 (1,8%) und April 2029 (2,1%) jeweils um 500 Mio. € aufstocken und damit deren ausstehendes Volumen auf 14 beziehungsweise 8,5 Milliarden Euro erhöhen. Durch diese Aufstockungen werde sich der Bestand an deutschen Green Bonds von 95,3 auf 96,3 Milliarden Euro erhöhen und das jährliche Emissionsvolumen von 14,5 im Jahr 2025 auf 17 Milliarden Euro steigen.

Frankreich hat größtes Emissionsvolumen

„Die neun ausstehenden grünen Anleihen Deutschlands bilden die tiefste staatliche „Green“-Benchmark-Kurve im Euroraum und bieten Anlegern Zugang zu einem breiten Spektrum an Laufzeiten“, erklärt Florian Späte. „Frankreich verfügt zwar nur über fünf ausstehende grüne Anleihen, weist jedoch einen größeren Gesamtbestand von fast 108 Milliarden Euro auf und bleibt mit einer Emissionssumme von bislang mehr als 20 Milliarden Euro der Staat im Euroraum mit dem höchsten Emissionsvolumen im Jahr 2026.“ Deutschland, so Späte, sei somit führend in Bezug auf Kurventiefe und Handelbarkeit, während Frankreich bei der Marktgröße die Nase vorn hat.

Deutschlands „Twin-Bond“-Konzept untermauere diese starke Marktposition. Dank diesem können Anleger die beiden Anleihen direkt miteinander vergleichen, das „Greenium“ klar beziffern und einen Großteil der Liquiditätsunsicherheit vermeiden, von der grüne Anleihen oft betroffen sind. Für Anleger dürfte ein anhaltendes Nettoangebot die Liquidität und Diversifizierung verbessern, jedoch die Knappheit verringern, was den Spielraum für eine dauerhafte Ausweitung der „Greeniums“ einschränkt, erwartet Generali Investments.

„Das „Greenium“ – die Renditedifferenz zwischen einer grünen Anleihe und ihrem konventionellen Pendant – blieb im Jahr 2026 bei deutschen und anderen Staatsanleihen der Eurozone positiv, aber weitgehend stabil. Die deutsche Parallelstruktur bietet den klarsten Vergleich: Die jüngsten Greenium-Werte lagen im Allgemeinen zwischen null und zwei Basispunkten und damit deutlich unter den Niveaus der Anfangsjahre dieses Marktes. Ein größerer und ausgereifterer Markt, eine breitere Anlegerbeteiligung sowie ein stetig steigendes Angebot an Staatsanleihen und EU-Anleihen haben die Knappheit verringert und die Prämie gedrückt“, berichtet Florian Späte. Dennoch bleibe die Nachfrage robust, da institutionelle Anleger ihre ESG-Ziele ohne nennenswerte Performance-Einbußen erreichen können; so verzeichnete beispielsweise Italiens Green Bond vom September ein Orderbuch von mehr als 112 Milliarden Euro.

Mit Blick auf die Zukunft geht Generali Investments davon aus, dass die Greeniums nahe dem aktuellen Niveau bleiben werden, da eine starke strukturelle Nachfrage das hohe, aber vorhersehbare Angebot absorbiert. „Wir bevorzugen grüne Anleihen daher in erster Linie aus Gründen der Diversifizierung, Liquidität und Mandatsausrichtung und weniger wegen einer wesentlichen Überrendite gegenüber herkömmlichen Pendants.“

Acht staatliche Emittenten in 2026

Acht Länder der Eurozone haben laut der Generali-Analyse in diesem Jahr grüne Staatsanleihen begeben – Österreich, Deutschland, die Niederlande, Irland, Spanien, Frankreich, Italien und Lettland –, während Slowenien, Belgien und Luxemburg zwar grüne Anleihen im Umlauf haben, aber im Jahr 2026 noch nicht an den Markt zurückgekehrt sind. Frankreich, Deutschland, Italien, Lettland und Spanien haben fünf neue Wertpapiere aufgelegt, und die EU blieb durch ihr „NextGenerationEU“-Grünanleihenprogramm ein wichtiger Emittent. Infolgedessen ist der Bestand an grünen Staatsanleihen im Euroraum auf fast 390 Milliarden Euro gestiegen. Dennoch bleibe das Segment mit nur rund vier Prozent des gesamten Emissionsvolumens staatlicher Anleihen im Euroraum eine Nische, obwohl die durchschnittliche Restlaufzeit von fast 13 Jahren den Anlegern eine deutlich längere Duration beschert als bei herkömmlichen Staatsanleihen, so Generali Investments.

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