Stiftungen
14. August 2019

Aktien und Stiftungen: Ein Blick in die Zukunft

Viele Stiftungen unternehmen noch zu wenige Anstrengungen, um sich aus der Niedrigzinsfalle befreien. Sachwerte, Immobilien und vor allem Aktien sollten als Anlageklasse nicht mehr nur Kür sein, fanden die Teilnehmer vieler interessanter Panels zum Thema Kapitalanlage auf dem Deutschen Stiftungstag in Mannheim.

Auch bei Flossbach von Storch beschäftigt man sich mit Nachhaltigkeit. Kurt von Storch zitierte dazu seinen Geschäftspartner Bert ­Flossbach: „Nachhaltigkeit ist für uns nicht neu, sondern vielmehr Wesensmerkmal eines langfristig denkenden Investors und damit ­einer langfristig ausgerichteten Anlagestrategie. Ein Unternehmen kann nur dann langfristig erfolgreich sein und nachhaltig ­wirtschaften, wenn es seine Kunden gut bedient, wenn es seine ­Mitarbeiter motiviert, wenn es fair mit seinen Geschäftspartnern ­umgeht, ausreichend investiert, Steuern zahlt und keine Umweltschäden­ anrichtet. ­Deshalb beschäftigen wir uns nicht nur mit den Geschäftsmodellen, sondern auch mit den Menschen, die dahinter stehen.“

Als es ins Detail geht und der Name Amazon fällt, gehen die Meinungen­ bezüglich dessen Nachhaltigkeit stark auseinander: „Bei Amazon sagt jeder, die machen die Innenstädte kaputt“, sagt Hedrich: „Aber wussten Sie, dass Amazon für das Rote Kreuz die Rechenkapazität zur Verfügung stellt – unentgeltlich?“ Lehmann hält dagegen: „Das ist eine Frage der Perspektive: Wenn man an die Steuerdebatte um Amazon denkt, könnte man dazu auch eine andere Sicht der ­Dinge entwickeln“, meint er ironisch.

Häufig sei es beim Thema Nachhaltigkeit so, dass man eine Schwarz-Weiß-Malerei vorfinde, die der Realität wenig gerecht werde, fasst ­Moderator Dieter Lehmann zusammen. „Jeder muss sich Gedanken machen, wo er seine ethischen-ökologischen Vorstellungen am ­besten umgesetzt findet.“ Dann bei seiner Abschlussfrage wird es noch ­einmal spannend: „Auf europäischer Ebene wird versucht, ein ­einheitliches Regelwerk für nachhaltiges Investieren zu entwickeln. Perspektivisch soll das auch für Anleger verbindlich gelten. Wird das gelingen und ist das eine wirklich gute Idee?“ Alle drei Interviewpartner­ sind skeptisch, ob es kommen wird und von Storch findet, dass es auch keine gute Idee ist: „Wenn wir uns das als Bevölkerung gefallen lassen, dass wir da Regeln vorgesetzt bekommen, für die Art und Weise, wie wir unsere Gelder anlegen, ob wir das als Stiftung tun oder als Privatperson – dann viel Vergnügen! Aber es wird sich wahrscheinlich kaum verhindern lassen, weil es die Politik versäumt hat, mit anderen Mitteln gewisse Ziele zu erreichen für ein gesundes Klima. Da knüpft sie sich jetzt uns vor als Branche und sagt: Jetzt müsst ihr dafür sorgen – mit irren Vorgaben. Der Mangel an Sachverstand ist substanziell. Und diese High Level Experts sagen Ihnen dann ins Gesicht: Den Carbon Footprint für jede Firma, den kann man ermitteln. Dafür gibt’s Tabellen, da sitzt da oben ein Experte, der kann das tun. Das ist weit weg von jedem gesunden Menschenverstand.“

Hedrich dämpft dann die Erwartungen an eine Einigung auf EU-­Ebene: „Wir hier im Raum können uns schon nicht einigen, was Nachhaltigkeit bedeutet und wir kommen aus dem gleichen Kulturkreis. Mein Tipp ist, es wird da stehen ‚Nachhaltigkeit‘ und dann kann jeder darunter etwas anderes verstehen und wir werden es ankreuzen oder nicht. Aber es wird nicht definiert werden, was Nachhaltigkeit ­bedeutet.“ Und Sigrun Kraim zieht Bilanz: „Wenn ich mal überlege, wie viele Stiftungen aus meinem Bereich zumindest bislang nachhaltig­ investieren, dann sind das noch viel weniger Stiftungen als die, die Anlagerichtlinien haben. Und das sind schon wenige.“

Wohnungsgipfel auf dem Stiftungstag

Ein anderes Dauerbrenner-Thema der Politik, das mehr den sozialen Aspekt von Nachhaltigkeit berührt, ist die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Hierüber machten sich Stiftungsvertreter beim so genannten „Wohnungsgipfel“ auf dem Deutschen Stiftungstag Gedanken. So auch die Evangelische Stiftung Pflege Schönau (ESPS), deren Geschäftsführender Vorstand, Ingo Strugalla, einen Impulsvortrag hielt. Die ESPS hat sich vorgenommen, ihren derzeitigen Bestand von 800 Wohnungen bis 2025 zu ­verdoppeln. Auf eigenen Grundstücken in Freiburg, Sandhausen bei Heidelberg und Karlsruhe sowie in Mannheim sollen rund 200 Wohneinheiten entstehen. Als erstes Projekt schafft die Stiftung 38 neue Wohnungen im Gebiet der Campbell Barracks in Heidelberg, rund die Hälfte sind gefördert und preisgedämpft. „Die preisgedämpften Wohnungen werden bis zum Ende der Laufzeit der Förderung etwa 30 bis 40 Prozent ­unter der Marktmiete liegen“, erwartet Ingo Strugalla. Die Mieten würden über 15 Jahre subventioniert. „Man kann wählen zwischen zehn, 15 und 25 Jahren. Aber 25 Jahre kann man nicht überblicken“, sagt Strugalla. Bezahlt wird das fertige Projekt, insgesamt knapp 17 Millionen Euro werde es kosten. Fertig sein soll es im im Frühjahr oder Sommer 2021. Die monatliche Kaltmiete soll bei den ungeförderten Wohnungen bei 12,50 Euro und bei 8,50 Euro pro ­Quadratmeter bei den geförderten liegen.

Dass Stiftungen die Wohnungsnot werden dämpfen können, bezweifelt­ Strugalla. „Aus meiner Sicht ist die öffentliche Hand hier in der Pflicht, Grundstücke zur Verfügung zu stellen. Zudem hat die Politik dafür gesorgt, dass Bauvorschriften überbordend sind und die Rahmenbedingungen so gesetzt, dass es völlig unattraktiv wird zu bauen. Warum muss ich zum Beispiel einen so strengen Schallschutz haben, dass man von den Nachbarn überhaupt nichts mehr hört, dass man völlig abgeschirmt ist?“ Die Baukosten seien in den vergangenen drei bis vier Jahren um 30 bis 40 Prozent angestiegen. „Vor zwei ­Jahren haben wir 3.300 Euro pro Quadratmeter bezahlt, jetzt zahlen wir 4.000. Das muss auch am Markt wieder erwirtschaftet werden“, sagt er. Strugalla geht davon aus, dass die geförderten Wohnungen auch Menschen aus der Mittelschicht zugutekommen werden. „Ich sehe eine große Gefahr für die mittleren Einkommensgruppen, die  durch die aktuelle Politik immer mehr unter Druck geraten. Wenn wir es schaffen, für sie bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, wäre das ­eine große Entlastung.“

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