Traditionelle Anlagen
13. August 2014

Aktienquote der Dax-Pensionskassen bei 25 Prozent

Zahlreiche Pensionskassen der großen börsennotierten Unternehmen in Deutschland können sich nicht für Aktieninvestments erwärmen. Das zeigt eine Untersuchung eines Vermögensverwalters. Anleihen spielen in den Portfolios die erste Geige.

Wenn die Kapitalanlageverantwortlichen bei Versicherungen, berufsständischen Versorgungswerken und Pensionskassen das „Unwort des Jahres“ wählen müssten, dann würde das Votum womöglich auch 2013 auf das vieldiskutierte „Niedrigzinsumfeld“ entfallen. Und dennoch lassen die Altersvorsorgeeinrichtungen, die aufgrund ihres langfristigen Anlagehorizonts geradezu prädestiniert sind, auch dividendenstarken Aktien einen angemessenen Stellenwert einzuräumen, überwiegend die Finger von der als zu volatil diskreditierten Asset-Klasse.
Bei Versicherungen lässt sich die Scheu freilich nachvollziehen angesichts der rigiden Eigenkapitalvorschriften. Weniger streng regulierte Einrichtungen nutzen ihren Spielraum jedoch auch nicht überall aus. Das gilt insbesondere für die Pensionseinrichtungen börsennotierter Gesellschaften, bei denen von Haus aus enger Kontakt zum Kapitalmarkt besteht.
Der Asset Manager Flossbach von Storch hat die jüngsten Jahresabschlüsse der Dax-Unternehmen analysiert und die Asset-Allokation der Pensionsplanvermögen aufgelistet (siehe Grafik). Die Eckpunkte: Im Durchschnitt beträgt der Anteil von Aktien bei Pensionskassen 24,9 Prozent. Anleihen nehmen mit 56,2 Prozent einen mehr als doppelt so großen Anteil ein. Immobilien kommen auf eine homöopathische Dosis von 3,5 Prozent. Auf „Sonstiges“, wie Versicherungsverträge, Beteiligungen, alternative Investments und Mischfonds, entfallen 11,5 Prozent der Portfoliobestände. Die Deutsche Bank kommt in der Übersicht nicht vor, da ihr Geschäftsbericht zum Zeitpunkt der Analyse noch nicht publiziert war.
Bei Flossbach von Storch verweist man mit Blick auf die Asset-Allokation auf das Ziel einer Pensionskasse, das in der risikobewussten Mehrung des Pensionsvermögens bestehe, um Pensionszahlungen zu sichern und das Unternehmen „nicht ständig mit Nachschussforderungen zu belasten.“ Doch schon jetzt liege die Deckungslücke der Pensionsverpflichtungen der 30 Dax-Unternehmen bei gut 100 Milliarden Euro. „Dies wird dazu führen, dass sich die Vorstände einiger Dax-Unternehmen in den nächsten Jahren noch sehr viel stärker mit der Pensionsthematik beschäftigen müssen, da sie zunehmend in den Fokus der Investoren rücken wird.“ Mit dieser Ansicht ist der Kölner Asset Manager nicht allein. 
Jörg Ambrosius, Geschäftsführer der State Street Bank Deutschland, verweist gegenüber portfolio auf eine Studie seines Hauses. Wie der Finanzdienstleister beobachtet hat, rückt die finanzielle Situation betrieblicher Altersvorsorgeeinrichtungen zunehmend auf die Agenda derjenigen, die im Notfall die Rechnung zahlen – die Finanzvorstände. In der besagten Studie äußerten 84 Prozent der deutschen institutionellen Investoren die Erwartung, dass Finanzvorstände künftig stärker in die Arbeit der betrieblichen Pensionseinrichtungen ihrer Konzerne involviert werden. Auf Vorstandsebene möchte man heute offenbar genau darüber informiert werden, wie es um den tagesaktuellen Stand der Pensionsverpflichtungen bestellt ist.  
Auch aktuelle Zahlen der Unternehmensberatung Mercer zeigen einmal mehr, mit welchen Pensionslücken die Dax-Pensionswerke trotz außerordentlicher Erfolge bei der Kapitalanlage im vergangenen Jahr konfrontiert sind. Aufgrund des historisch niedrigen Rechnungszinses, der 2012 im Median bei 3,5 Prozent lag, sank der Ausfinanzierungsgrad, also das Verhältnis von spezifisch reserviertem Pensionsvermögen in Relation zu den Verpflichtungen, um vier Punkte auf nur noch 61 Prozent.
Bei Flossbach von Storch ruft man die Pensionskassen dazu auf, ihre „Volatilitätsphobie“ abzulegen und die langfristigen Ertragspotenziale von Aktien nicht einem falsch verstandenen kurzfristigen Sicherheitsdenken zu opfern. „Ansonsten müssen die Unternehmen die mageren Erträge rentenlastiger Pensionsvermögen immer wieder durch Zuwendungen ausgleichen", heißt es. 
portfolio institutionell newsflash 22.04.2013/tbü 

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