Pension Management
21. September 2026

Aktuare wollen Kapitalmarkt auch in Rentenphase nutzen

Nettoersatzquote von 70 Prozent ohne starke bAV und ohne Kapitalmarkt nicht möglich. Für mehr Akzeptanz will IVS kollektive Kapitalpuffer.

Das IVS – Institut der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung e.V. betont anlässlich seines Jahrespressegesprächs die Bedeutung einer starken betrieblichen Altersversorgung. Ohne diese sei ein Alterseinkommen in Höhe von 70 Prozent des letzten Nettolohns nicht zu erreichen. Wichtig außerdem sei eine gesetzliche Kapitalrente, die nicht nur in der Ansparphase, sondern auch in der Rentenphase die Chancen des Kapitalmarktes nutzt.

Eine Nettoersatzquote von 70 Prozent sei ohne starke bAV und ohne Kapitalmarkt nicht zu schaffen. „Wenn wir die 70 Prozent ernst nehmen, müssen wir bei der betrieblichen Altersversorgung mutiger werden. Dies erfordert insbesondere auch einen konsequenten Paradigmenwechsel, bei dem die Zusage eines Beitrages im Vordergrund steht“, erklärt die stellvertretende IVS-Vorsitzende Christiane Grabinski.

Aktien auch in Rentenphase

Neben einer starken bAV komme auch der Ausgestaltung der gesetzlichen Kapitalrente eine zentrale Bedeutung zu. Die gesetzliche Kapitalrente sollte aus IVS-Sicht auch in der Rentenphase die Chancen des Kapitalmarktes nutzen. Das führt zu höheren Renten, bedeutet aber gleichzeitig, dass diese schwanken können. „Eine kapitalmarktorientierte Rente muss nicht jedes Jahr gleich hoch sein. Entscheidend ist, die Chancen des Kapitalmarkts auch im Ruhestand zu nutzen und Schwankungen professionell zu steuern“, so Dr. Friedemann Lucius, stellvertretender Vorsitzender des IVS. So können Schwankungen beispielsweise über kollektive Puffer gedämpft werden. Gleichzeitig müsse klar sein: Stabilität hat einen Preis. Je stärker Schwankungen gedämpft oder sogar ausgeschlossen werden, desto geringer fallen auf lange Sicht die zu erwartenden Rentenzahlungen aus.

Schwedenrente nicht 1:1 kopieren

Das schwedische System zeige, dass eine kapitalmarktorientierte Rente mit einem hohen Aktienanteil auch in der Rentenphase möglich ist. Vergleichbare Gestaltungen gebe es in Deutschland bislang nur in der privaten Altersvorsorge der 3. Säule, und dort nur in Gestalt nicht förderfähiger Produkte. „Die starken Schwankungen, denen Rentnerinnen und Rentner dabei ausgesetzt sind, sehen wir kritisch, da sie die breite Akzeptanz solcher Modelle gefährden können“, so Lucius.

Das IVS spricht sich vor diesem Hintergrund dafür aus, in der Rentenphase zusätzliche kollektive Kapitalpuffer vorzusehen, mit denen Schwankungen abgefedert werden können. Die Zielrente aus der reinen Beitragszusage ist aus Sicht des IVS hervorragend geeignet, um eine kapitalmarktorientierte Rentenphase mit einer geeigneten Dämpfungsmechanik zu verbinden. Die dafür notwendige Versorgungstechnik und die Mechanismen zur Anpassung der laufenden Leistungen seien in Deutschland bereits entwickelt und könnten entsprechend genutzt werden. „Die Schweden machen sicherlich vieles richtig. Aber an dieser Stelle sollten wir sie nicht 1:1 kopieren, sondern unseren eigenen Weg gehen“, betont Stefan Oecking, Vorstandsvorsitzender des IVS.

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