Investoren
2. Mai 2022

Allianz drückt beim Klimaschutz aufs Tempo

Im Kampf gegen den Klimawandel setzt sich die Allianz-Gruppe neue Ziele. Betroffen ist neben den Kapitalanlagen auch das Versicherungsgeschäft.

Die Allianz-Gruppe setzt sich ehrgeizigere Ziele für ihr Kerngeschäft und den Geschäftsbetrieb. Wie die größte deutsche Versicherung erläutert, will sie die Treibhausgasemissionen ihrer Standorte und Geschäftsaktivitäten in über 70 Märkten bis 2030 auf null reduzieren. Bislang wollte sie dieses Ziel bis zum Jahr 2050 erreichen.

In der Kapitalanlage wird die Allianz ab dem 1. Januar 2023 keine Einzelprojekte für Öl- und Gasfelder, Öl- und Gasaktivitäten in der Arktis und Antarktis sowie Schwerstöl- und Ultra-Tiefsee-Risiken finanzieren oder diese versichern. Dabei geht es allerdings nur um neue Projekte.

Öl- und Gasfirmen sollen sich nach neuer Benchmark richten

Von den größten Öl- und Gasproduzenten wiederum erwartet die Allianz ab Anfang 2025 mit Blick auf die Emission von Treibhausgasen eine, wie sie schreibt, „solide ‚Netto-Null-Verpflichtung bis 2050‘ als Bedingung für Versicherungsschutz und Investitionen auf Unternehmensebene“. Dabei geht es um Konzerne mit einer Produktion von mehr als 60 Millionen Barrel Öläquivalent im Jahr 2020. Diese machten etwa 85 Prozent der Kohlenwasserstoffproduktion der Öl- und Gasindustrie insgesamt aus.

Darüber hinaus sollten die Unternehmen „idealerweise ihre Tätigkeiten und Angaben mit den Anforderungen der Climate Action 100+ Net-Zero Company Benchmark in Einklang bringen“, so die Allianz. Die Benchmark wurde im vergangenen Jahr von der Investoreninitiative „Climate Action 100+“ eingeführt.

Beitrag zur „geordneten Dekarbonisierung“

Allianz-SE-Vorstand Günther Thallinger kommentiert die nun ehrgeizigeren Ziele so: „Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage muss die zuverlässige Energieversorgung von Haushalten und Unternehmen kurzfristig neu priorisiert werden. Die Politik muss jetzt mit der Wirtschaft zusammenarbeiten, um Rahmenbedingungen für die langfristige Planung zu definieren und den Ausbau der erneuerbaren Energien weltweit zu beschleunigen.“

Zugleich mahnt Thallinger an, dass wir „die schwerwiegenden Folgen des Klimawandels nicht aus den Augen verlieren“ sollten. „Mit ihren neuen Richtlinien bekräftigen wir als Allianz unser Versprechen, zu einer geordneten Dekarbonisierung der Wirtschaft beizutragen.“

Versicherer feilen an ihren Klimaplänen

Die deutschen Versicherer wollen neben ihren Kapitalanlagen schrittweise auch ihr operatives Geschäft an Nachhaltigkeitskriterien ausrichten. Doch das benötigt Zeit und klare Regeln, wie auf der GDV-Jahresmedienkonferenz 2022 deutlich wurde.

Die Diskrepanz zwischen den beiden Segmenten ist jedoch erheblich. Während circa 80 Prozent der direkt oder indirekt gehaltenen Kapitalanlagen deutscher Versicherer nach ökologischen und sozialen Kriterien guter Unternehmensführung angelegt werden, spielen ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) im Versicherungsgeschäft eine untergeordnete Rolle.

Laut dem Branchenverband GDV umfassen die Kriterien etwa ein Drittel des deutschen Marktes – gemessen an den Beitragseinnahmen. Dass der ESG-Anteil im Versicherungsgeschäft im Vergleich mit den Kapitalanlagen deutlich niedriger sei, hat nach Angaben von GDV- Präsidiumsmitglied Dr. Norbert Rollinger vertragsrechtliche Gründe.

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