Alternative Anlagen
27. Februar 2013

Allianz und Deutsche Bank halten an Agrarwetten fest

Nicht nur die Deutsche Bank will trotz der Kritik von Verbraucherschützern in Zukunft Finanzinstrumente auf Agrarprodukte anbieten. Auch die Allianz möchte sich unverdrossen auf dem Markt engagieren. Unterstützung erhalten die Häuser von Agrarökonomen.

Die Diskussion um Rohstoffinvestments ebbt nicht ab. Während Verbraucherschützer diese Form der Geldanlage seit Jahren kritisieren und einen Zusammenhang mit weltweiten Hungersnöten sehen, werden andere Stimmen nicht müde, das Gegenteil zu proklamieren. Am vergangenen Wochenende äußerte sich Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank, am Rande der Lebensmittelmesse „Grüne Woche“ mit der Feststellung, dass Untersuchungen keine stichhaltigen Belege für einen Zusammenhang dieser Geschäfte mit dem Hunger in der Welt erbracht hätten.
Ähnlich sieht man das bei der Allianz, die nach Angaben der Verbraucherschutzorganisation Oxfam zusammen mit der Deutschen Bank rund elf Milliarden Euro in Agrarprodukten hält. Die FAZ zitiert einen Allianz-Sprecher mit den Worten: „Wir ziehen uns nicht zurück, da wir die Vorwürfe, dass die Agrarpreise wegen uns steigen, für falsch halten. Im Gegenteil: Dank unserer Anlagen halten wir die Risikoprämien auf dem Terminmarkt niedrig.“
Absicherung oder Spekulation
Fitschen argumentiert laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), Landwirte könnten sich mit dem Kauf dieser an Börsen gehandelten Agrar-Derivate gegen fallende Preise absichern. „Deshalb hat die Deutsche Bank entschieden, dass sie im Interesse ihrer Kunden weiterhin Finanzinstrumente auf Agrarprodukte anbieten wird“, so der Deutsche-Bank-Vorstand. Im vergangenen Jahr hatte die Bank angekündigt, vorerst keine neuen börsengehandelten Finanzprodukte auf Grundnahrungsmittel anzubieten. Gleichzeitig hatten sich unter anderem die Deka-Bank und die Landesbank Baden-Württemberg als Anbieter aus dem Segment zurückgezogen, während die Deutsche Bank ihre Aktivitäten nun fortsetzt.
Kritiker, wie der Foodwatch-Gründer Thilo Bode, reagierten empört auf die jüngsten Feststellungen der Deutschen Bank und nannten die Entscheidung in hohem Maße unverantwortlich. Es gebe ausreichend wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Belege dafür, dass die von der Bank vertriebenen Finanzprodukte zu spekulativen Preisblasen führen und damit Hungerkatastrophen auslösen können. Die Deutsche Bank sieht dagegen „kaum stichhaltige“ Belege für die Behauptung, die zunehmende Bedeutung von Agrarfinanzprodukten sei für Preissteigerungen und erhöhte Preisschwankungen verantwortlich.
Auch wenn es zahlreiche verschiedene Finanzprodukte auf Agrarrohstoffe gibt, was eine einheitliche Beurteilung erschwert, erhalten die beiden unverdrossenen Finanzinstitute reichlich Schützenhilfe. Thomas Glauben, Agrarökonom der Universität Halle, erklärt laut FAZ: „Bisher ist nicht erwiesen, dass die Nahrungsmittelkrisen der vergangenen Jahre durch Spekulationen an den Terminmärkten verursacht wurden.“ Damit erneuert der Experte die Darstellung von 40 Agrarökonomen, die kurz vor Weihnachten 2012 in einem offenen Brief an Bundespräsident Joachim Gauck erklärten, es gebe keinen Zusammenhang zwischen Agrarspekulation und steigenden Preisen.
Dessen ungeachtet will Union Investment keine Anlageprodukte mehr auflegen, die in Agrarrohstoffe investieren. Auch das bestehende Angebot sei angepasst worden, sagte ein Sprecher am Montag laut Börsen-Zeitung. Bei der DZ Bank unterstützt man die Entscheidung der Fondsgesellschaft. Wie es heißt, beobachte man im Privatkundenbereich derzeit keinen Bedarf an Investitionen in Agrarrohstoffe. Daher wolle man diese Produkte bis auf Weiteres nicht mehr aktiv vertreiben. Diese Aussage gelte allerdings nur für das Privatkundengeschäft. Ihren Firmenkunden werde das genossenschaftliche Zentralinstitut weiterhin standardisierte Absicherungsinstrumente anbieten, schreibt das Blatt.
Forwards und andere Finanzprodukte
Der Börsenhandel mit Agrarrohstoffen hat eine jahrhundertelange Tradition. Seit 1851 werden Rohstoffe an der Chigaco Board of Trade auf Termin gehandelt. Die Produzenten können ihre Produkte über individuell ausgehandelte Forward-Kontrakte lange Zeit vor der Ernte verkaufen und sich auf diese Weise gegen fallende Preise absichern. Die Verarbeiter von Agrarrohstoffen können sich spiegelbildlich über solche Terminkontrakte gegen steigende Einkaufspreise, wie sie etwa bei Missernten auftreten können, schützen. Aus Anlegersicht können Engagements heute über zahlreiche Vehikel vorgenommen werden, zum Beispiel über standardisierte Futures-Kontrakte oder Exchance Traded Commodities (ETC).
portfolio institutionell newsflash 23.01.2013/tbü
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