Allokationspläne auf dem Prüfstand
Ausbleibende Ausschüttungen sind vielen Großanlegern an den Private Markets ein Dorn im Auge, wie der aktuelle Global Alternatives Survey 2026 zeigt. Welche Pläne die LPs nun hegen, auch das wird anhand der Umfrage deutlich.
Limited Partners (LPs) halten an ihrem Engagement an den Privatmärkten fest. Sie verändern jedoch die Art und Weise, wie sie ihre Portfolios aufbauen. Das zeigt eine neue Studie von Goldman Sachs Alternatives.
Die „Global Alternatives Survey 2026 – The LP View: Neuausrichtung statt Rückzug“ (im Original: Rethinking, Not Retreating) basiert auf einer Befragung von 225 LPs und weiteren institutionellen Investoren. Diese fand zwischen Juni und August 2026 statt.
Eine zentrale Erkenntnis lautet: 84 Prozent der LPs planen mit Blick nach vorn, genauso viel oder mehr Kapital zu investieren als im Vorjahr. Das entspricht in etwa dem Wert des Vorjahres (83 Prozent). Allerdings wollen weniger LPs ihre Investitionen ausweiten (37 Prozent nach 43 Prozent). Zugleich planen auch weniger, sie zurückzufahren (11 Prozent nach 14 Prozent).
Der Mangel an Ausschüttungen belastet die Planung
Bereits seit geraumer Zeit sind ausbleibende Ausschüttungen (Distributions) vielen LPs ein Dorn im Auge. So auch in der Global Alternatives Survey 2026.
Bei dem Umfrageteilnehmern steht diese Problem unter den Einflussfaktoren für die Investitionsplanung an erster Stelle (35 Prozent gegenüber 31 Prozent im Jahr 2025), gefolgt von Änderungen der Zielallokationen (29 Prozent). Nur 2 Prozent nennen regulatorische und steuerliche Bedenken.
Jede Anlageklasse steht vor anderen Herausforderungen
Auf die Frage nach der größten Herausforderung in den einzelnen Bereichen ihres Portfolios nannten die LPs jeweils unterschiedliche Probleme. Während bei Private Equity die Liquidität an erster Stelle (28 Prozent) steht, ist es bei Immobilien die Performance (32 Prozent). Bei Co-Investments nannten die befragten LPs den Zugang (21 Prozent).
Bei Private Credit (20 Prozent) und Infrastruktur (15 Prozent) ist die Managerauswahl die größte Herausforderung. „Bewertungen“ landen in drei der fünf Anlageklassen auf Platz zwei und kommen damit einer gemeinsamen Sorge am nächsten.
Robuster Ausblick: Infrastruktur und Secondaries vorn
Die meisten LPs beurteilen die Anlagemöglichkeiten ähnlich oder besser als vor einem Jahr:
- Infrastruktur: 43 Prozent bewerten den Ausblick positiver, 7 Prozent negativer.
- Secondaries: Positive Einschätzungen überwiegen die negativen inzwischen fast im Verhältnis drei zu eins (44 gegenüber 15 Prozent).
- Co-Investments: 6 Prozent beurteilen die Aussichten schwächer.
- Immobilien: 37 Prozent bewerten die Aussichten besser, 16 Prozent ungünstiger.
- Private Equity: Die Stimmung bleibt laut dem Global Alternatives Survey 2026 überwiegend stabil. 56 Prozent sehen keine Veränderung. Positive und negative Einschätzungen halten sich mit 24 und 20 Prozent in etwa die Waage.
- Private Credit: Hier hat der Anteil negativer Einschätzungen gegenüber dem Vorjahr am stärksten zugenommen und liegt bei 35 Prozent. Dennoch beurteilen 65 Prozent die Anlagemöglichkeiten weiterhin als ebenso gut oder besser.
- Hedgefonds: Das Interesse wächst. 34 Prozent schätzen die Aussichten günstiger ein, weniger als jeder Zehnte ungünstiger.
- Beteiligungen an Fondsmanagern (GP-Stakes): Die meisten LPs (69 Prozent) haben ihre Einschätzung nicht verändert.
„Da sich die Zeitspanne bis zum Exit verlängert hat, ist Liquidität zu einem Wettbewerbsvorteil geworden“, schlussfolgert Stephanie Rader, Global Co-Head of Alternatives Capital Formation bei Goldman Sachs Alternatives. Und sie betont: „LPs nutzen Secondaries zunehmend als zentrales Instrument für die Portfolioallokation und die Steuerung ihrer Zahlungsströme, um widerstandsfähigere Portfolios aufzubauen.“
Diese alternativen Anlagen sind im Aufwind
Vor wenigen Tagen hat der deutsche Alternatives-Verband BAI seine diesjährige Investor Survey in deutscher Sprache veröffentlicht. Infrastructure Equity (84 Prozent), Corporate Private Equity (82 Prozent) und Real Estate Equity (76 Prozent) bleiben nach Verbandsangaben die drei am weitesten verbreiteten alternativen Asset-Klassen.
Die Umfrage zeigt aber auch, dass das Interesse der Großanleger aus dem deutschsprachigen Raum vor allem auf Corporate Private Equity abzielt. Hier werden die Allokationen weiter aufgestockt. Gleiches lässt sich sagen von Infrastructure Equity. Auch hier ist der Anteil investierter Investoren im Aufwind.
Weniger dynamisch geht es auf der Fremdkapitalseite im Segment Corporate Private Debt zu. Hier stagnieren die Anteile ebenso wie bei Real Estate Debt.
Deutlich positive Signale senden Anleger im Bereich der Hedgefonds / Liquid Alternatives aus. Der BAI urteilt: „Hedgefonds und Liquid Alternatives sind zurück.“ Erstmals seit Jahren steige der Anteil investierter LPs wieder deutlich an: von 15 Prozent auf 21 Prozent. Und auch der Ausblick ist mit 23 Prozent positiv.
Autoren: Tobias BürgerSchlagworte: Alternative Anlagen
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