Schwarzer Schwan
17. Dezember 2021

Alter Schwede

„Was lange währt…“

Der Prophet gilt nichts im eigenen Land! Davon kündet auch das Wirken beziehungsweise Nicht-Wirken von Prof. Bernd Raffelhüschen vor über 30 Jahren. „Ende der 1980er-Jahre habe ich versucht, massiv auf die Kapitaldeckung hinzuwirken“, erinnerte sich der Wirtschaftswissenschaftler nun auf einer Altersvorsorge-Konferenz in der Schweiz. Aber: „Das ging völlig in die Hose. Wenn Sie in Deutschland von Kapitaldeckung geredet haben, waren Sie ein Bestochener der Versicherungswirtschaft. Wir haben nichts in dieser Richtung bewirkt.“ Das stimmt jedoch nicht ganz. Manches braucht nur eben etwa länger. Im Bundestagswahlkampf wurde immerhin hin und wieder über eine Aktienrente à la Schweden diskutiert. Und nun plant die „Ampel“, das Billionen-Loch in der gesetzlichen Rente mit satten zehn Milliarden Euro für eine Teil-Kapitaldeckung zu stopfen.

Dass jedoch bei dieser sogenannten Schwedenrente die Beiträge obligatorisch sind und es keine Mindestrente oder gar Garantie gibt, dass das Renteneintrittsalter an die Demographie geknüpft ist sowie vor allem die Kosten sehr niedrig sind, dass ist hierzulande noch nicht wirklich angekommen. Und: dass die Erfolgsaussichten ungewiss sind.

Dagegen sieht das Rezept der frischgebackenen Koalitionäre keine Erhöhungen des Renteneintrittsalters, keine Absenkung des Rentenniveaus, keine Erhöhung des Rentenbeitrags und keine Neuverschuldung vor. Die Erfolgsaussichten: null.

Aus Sicht von Raffelhüschen geht auch noch eine wichtige Erkenntnis gegen null: „In Deutschland wollen jetzt alle die Kapitaldeckung. Die Koalition spricht von einer Aktienrente, vom schwedischen Modell, vom norwegischen Modell. Doch sie haben nicht verstanden, dass Kapitaldeckung 30 Jahre dauert!“ Ein guter Punkt. Denn natürlich lässt sich argumentieren, dass die Schweden mit ihrem Altersvorsorgemodell Ende der 90er-Jahre gestartet sind und dies für Aktionäre ein sehr glücklicher Zeitraum gewesen ist. Aber: Der Zeitraum war nicht nur glücklich gewählt, sondern auch lang genug für Aktienanlagen.

Raffelhüschen fürchtet aber, dass der nötige Zeitraum nun zu lang ist. „Ein Medikament zu verabreichen, von dem ich weiß, dass es wirkt, wenn der Patient tot ist, ist schwierig zu argumentieren. Die Sache ist in Deutschland komplett schiefgelaufen.“  Immerhin noch vier Jahre wären aber nun der Ampel-Koalition gegeben und in den meisten Vierjahresperioden sind die Renditen positiv. Aber: Man muss auch einmal anfangen.

Alter Schwan

Mit dem Ende des Jahres 2021 wollen wir schweren Herzens auch das Ende des Schwarzen Schwans einläuten. Wie in vielen Vater-Sohn-Beziehungen musste die Redaktion feststellen, dass dieses Ei, das wir im Jahr 2012 gelegt haben, den Lesern und auch uns zwar immer viel Freude beschert hat, allerdings doch einen größeren Teil unserer Lebenszeit bestimmt als geplant.

Für Ihre Wertschätzung über eine Dekade hinweg bedanken wir uns sehr herzlich. Auch ohne den Schwarzen Schwan – aber natürlich nach wie vor mit portfolio institutionell – wünschen wir Ihnen viel Spaß im kommenden Jahr!

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3 thoughts on “Alter Schwede

  1. Ich habe jede Ausgabe genossen – schade wenn Sie dies beenden
    Vielen Dank für die vergangenen Jahre mit den nachdenklich und immer interessanten Themen

  2. Liebe portfolio-Redaktion,

    das ist aber schade! Vielen Dank für all die Jahre „Schwarzer Schwan“, bissige Kommentare und abstruse Querverbindungen. War einer meiner Top-3 wöchentlichen Newsletter, und ich werde ihn vermissen.

  3. Liebe Redaktion von portfolio institutionell,

    auch von meiner Seite großes Bedauern zu Ihrer Entscheidung den „Schwarz Schwan“ aufzugeben. Gewiss ein wöchentlicher Fixstern in meiner Agenda, den ich zukünftig am Investment Himmel sehr vermissen werde. Danke Ihnen für diesen überaus wortgewandten und auch raffinierten Beitrag in den letzten Jahren !

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