8. März 2012

„Altersversorger wie wir müssen eine Vorreiterrolle spielen“

Das Versorgungswerk der Wirtschaftsprüfer und der vereidigten Buchprüfer im Lande NRW (WPV) spielt mit dem Gedanken, die UN PRI zu unterzeichnen. Geschäftsführer Dr. Hans Wilhelm Korfmacher erläutert im Interview den obligatorischen Prüfprozess.

Institutionelle Investoren und andere Finanzmarktakteure berücksichtigen in zunehmendem Maße ökologische und soziale Maßstäbe sowie Kriterien guter Unternehmensführung (ESG). Die „Principles for Responsible Investment“ (PRI) der Vereinten Nationen haben sich dabei weltweit als Goldstandard etabliert. Bis dato haben exakt 1.004 Institutionen die sechs Leitsätze unterzeichnet. Zu den Signatoren gehören 249 Asset Owner. In Deutschland haben sich sechs Vertreter dieser Gruppe, darunter Allianz und Munich Re, den PRI verschrieben. Bei den Versorgungswerken werden ESG-Themen zwar diskutiert, gleichwohl hat bislang nur die Bayerische Versorgungskammer (BVK) die PRI unterzeichnet. Interview mit Dr. Hans W. Korfmacher, Geschäftsführer des WPV.
Herr Dr. Korfmacher, Sie haben beim WPV einen Prozess gestartet, mit dem Sie prüfen wollen, ob  Sie die Principles for Responsible Investments der UN, die sogenannten UN PRI, unterzeichnen. Wie ist der Stand der Dinge. Haben Sie den Prüfprozess inzwischen abgeschlossen?
Nein, der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Wir wollen zunächst noch den neuen Fragenkatalog der UN PRI abwarten, der im Frühjahr erscheinen soll. Denn wir wollen den alljährlich von den PRI-Signatoren zu bearbeitenden Katalog in unseren Prüfprozess einspeisen. 
Wie geht es dann weiter?
Das Commitment für oder gegen die UN PRI ist aus meiner Sicht eine politische Grundlagenentscheidung, die in die Zuständigkeit unseres ehrenamtlichen Vorstands fällt. Ich gehe davon aus, dass die Entscheidung in einer Sitzung im Herbst getroffen werden kann.
Meinen Sie, dass es in der Zukunft zu wachsenden Anforderungen kommt, die die UN PRI ihren Signatories vorgibt? 
Nein, denn wie ich von Seiten des UN PRI erst kürzlich erfahren habe, soll lediglich der Survey konkretisiert werden. Das heißt, es würde nicht zu höheren, sondern vielmehr zu klareren Anforderungen kommen.
Klingt nach Deregulierung?
Ich muss mir die Entwicklung erst einmal ansehen. Aber ich bin davon überzeugt, dass die  Nachhaltigkeit, wie sie die UN PRI verfolgt, ein Zukunftsthema ist. Deshalb dürfen wir uns der Diskussion keinesfalls entziehen.  Ich bin außerdem davon überzeugt, dass Altersversorger wie wir in diesem Bereich eine Vorreiterrolle spielen müssen.  Aber man muss natürlich genau prüfen, welche Konsequenzen sich daraus auf unser Portfolio ergeben können.
Wie könnten sich die UN Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren beim WPV auswirken? 
Wenn in der Branche über das Thema Nachhaltigkeit diskutiert wird, wird häufig im gleichen Atemzug über Aktien-Overlays gesprochen. Diesen Blickwinkel finde ich zu eng. Schauen Sie sich das Thema Stimmrechtsausübung an, das ursprünglich aus dem angelsächsischen Raum stammt. Mit Blick auf die Asset-Allokation in Deutschland hat das hier eigentlich kaum Relevanz. Wenn Sie sich die Aktienquoten deutscher Altersversorger und Versicherer ansehen, dann liegen diese häufig zwischen drei und fünf Prozent. Bei Pensionskassen sind sie zum Teil auch etwas höher. Aktien sind deshalb in Deutschland nach meiner Auffassung im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit nicht die entscheidende Asset-Klasse. Vielmehr spielen hierzulande Anleihen aber auch Immobilien eine wesentlichere Rolle. 
Aber auch dort können Sie mit nachhaltigen Ansätzen etwas bewirken. Haben Sie sich beim WPV bereits mit Nachhaltigkeit im Investmentprozess und ESG befasst, also Ökologischen und sozialen Kriterien, sowie Kriterien guter Unternehmensführung, und diese zum Maßstab von Investitionsentscheidungen gemacht?
Ja, natürlich. Wir haben in den vergangenen Jahren bereits eine ganze Reihe von Einzelthemen rund um nachhaltiges Investieren auf den Weg gebracht. Die Frage, die sich aus meiner Sicht stellt, ist folgende: Legt man zusätzlich z.B. ein Nachhaltigkeits-Overlay über das Portfolio oder setzt man auf eine grundlegende Erklärung wie die UN PRI? Egal, was man macht, meines Erachtens darf es sich jedenfalls nicht um ein „Nachhaltigkeitsmäntelchen“ handeln, sondern das Thema muss in der Praxis gelebt werden.
Muss für Asset Manager eine Mitgliedschaft bei UN PRI nicht gewissermaßen als Marketing-Instrument gesehen werden?
Das mag im Einzelfall so sein. Wir sind nicht marketing-orientiert. Wir haben einen gesetzlichen Altersversorgungsauftrag. Das heißt, wir sind unseren Mitgliedern und natürlich auch der Allgemeinheit verpflichtet. Hierzu gehört ein grundsätzliches Commitment zur Nachhaltigkeit. 
Das Interview führte Tobias Bürger
portfolio institutionell newsflash 07.03.2012/tbü
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