Anlagen und Verpflichtungen entwickeln sich günstig

„Trotz der zwischenzeitlich hohen Volatilität an den Kapitalmärkten haben sich die deutschen Pensionswerke im ersten Halbjahr 2026 bemerkenswert robust entwickelt“, erklärt Hanne Borst, Leiterin Retirement Deutschland bei WTW. Bild: WTW.
Der Ausfinanzierungsgrad der Pensionswerke im Dax eilt von Rekord zu Rekord. Rückenwind erfahren die Kapitalsammelstellen nicht nur von der Börse.
Die deutschen Pensionswerke haben im ersten Halbjahr 2026 eine neue Schwelle überschritten: Laut der Modellberechnung „German Pension Finance Watch“ der Unternehmensberatung WTW stieg der Ausfinanzierungsgrad der Dax-Unternehmen zur Jahresmitte auf 90,8 Prozent und damit erstmals über die 90-Prozent-Marke. Ende 2025 hatte der Ausfinanzierungsgrad – also das Verhältnis von Pensionsvermögen zu Pensionsverpflichtungen – WTW zufolge bei 87 Prozent gelegen.
Damit setzt sich der Trend zunächst einmal fort. Am Jahresende 2024 hatte die Kennzahl bei 82,0 Prozent gestanden, ein Jahr zuvor bei 79,1 Prozent.
Den Sprung über die 90-Prozent-Marke beim Ausfinanzierungsgrad hatte bereits im Januar dieses Jahres eine Untersuchung von Mercer öffentlichkeitswirksam verkündet: Auf der Grundlage von Schätzung auf Basis der zuletzt veröffentlichten Geschäftsberichte der Unternehmen sowie Kapitalmarktinformationen gab das Beratungsunternehmen den Ausfinanzierungsgrad per Ende 2025 mit 93 Prozent an.
Auch bei M-Dax-Firmen spiegelt sich die Entwicklung wider
Auch bei den M-Dax-Unternehmen verbesserte sich der Ausfinanzierungsgrad deutlich auf 73,2 Prozent (69,6 Prozent Ende 2025). Treiber waren WTW zufolge ein leichter Anstieg des internationalen Rechnungszinses um zehn Basispunkte auf 4,20 Prozent, was die Verpflichtungen im Nenner der Formel entlastet, sowie eine insgesamt positive Entwicklung der Kapitalmärkte – die den Zähler vergrößert.
„Trotz der zwischenzeitlich hohen Volatilität an den Kapitalmärkten haben sich die deutschen Pensionswerke im ersten Halbjahr 2026 bemerkenswert robust entwickelt“, erklärt Hanne Borst. Getragen von den Kapitalmärkten und dem weiterhin erhöhten Zinsniveau hätten die Ausfinanzierungsgrade vieler Pensionspläne zum Halbjahr erneut sehr hohe Werte erreicht, wie die Leiterin Retirement Deutschland bei WTW anmerkt.
Rückenwind gab es vom Kapitalmarkt
Wie die Modellberechnung verdeutlicht, legten die Planvermögen der Dax-Unternehmen im ersten Halbjahr um 3,5 Prozent auf 264,9 Milliarden Euro zu. Die Planvermögen der Firmen im M-Dax kamen unter dem Strich um 4,7 Prozent auf 47,1 Milliarden Euro voran und damit stärker als die der Börsenschwergewichte.
Positiv entwickelte sich andererseits auch die Verpflichtungsseite. Denn die Pensionsverpflichtungen der Dax-Titel sanken seit Jahresbeginn um rund ein Prozent auf 291,6 Milliarden Euro, die der M-Dax-Werte auf 64,4 Milliarden Euro.
WTW spricht vom Übergang in eine neue strategische Phase
Nach Einschätzung der Berater von WTW sei der Durchbruch der 90-Prozent-Marke mehr als ein statistischer Rekord. Er markiere für viele Unternehmen den Übergang in eine neue strategische Phase des Pensionsmanagements.
Solange der Ausfinanzierungsgrad deutlich unter diesem Niveau lag, habe die Frage im Vordergrund gestanden, wie Pensionsverpflichtungen gesichert und Risiken begrenzt werden könnten. Heute stelle sich die Frage, wie sich der erreichte Status dauerhaft sichern und strategisch nutzen lassen könnte.
Konkret rücken damit laut WTW Pension Buy-outs, bei denen Verpflichtungen gegenüber ehemaligen Mitarbeitenden vollständig auf externe Anbieter übertragen werden, sowie weitere De-Risking-Maßnahmen in greifbare Nähe. Daneben gewinnen Liability- und/oder Cashflow-Driven-Investmentstrategien an Bedeutung, die darauf ausgerichtet sind, den hohen Ausfinanzierungsgrad dauerhaft zu stabilisieren.
Hoher Ausfinanzierungsgrad verändert die Spielregeln
Ein Ausfinanzierungsgrad von über 90 Prozent verändert nach Einschätzung von Johannes Heiniz, Leiter General Consulting Retirement bei WTW, die Spielregeln im Pensionsmanagement. Er sagt, viele Unternehmen hätten jetzt die Möglichkeit, ihre Pensionsrisiken systematisch zu reduzieren und den erreichten Finanzierungsstatus strategisch abzusichern. „Das ist eine Chance, die es aktiv zu nutzen gilt.“
Damit knüpft WTW an seine bisherige Argumentation an. Ende März hatte das Beratungshaus erklärt, dass nun neben Treuhandlösungen, CTA-Strukturen oder Pensionsfonds auch umfassendere Auslagerungsmodelle stärker in den Fokus rücken würden.
Lesetipp: Contractual Trust Arrangements (CTAs) gewinnen in der Kapitalanlage an Bedeutung (August 2026).
Autoren: Tobias BürgerSchlagworte: Dax | Pension Buyout | Pension Management | Pensionsverpflichtungen
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