Appell für mehr Wettbewerb
Versicherungsverbände fordern eine ambitioniertere Wettbewerbsagenda für Europa. Langfristige Kapitalanlagen sollen mehr Spielraum bekommen.
Am Donnerstag (28. Mai) treffen sich die Finanzminister der sogenannten E6-Staaten in Berlin. Aus diesem Anlass haben die Versicherungsverbände der sechs größten europäischen Versicherungsmärkte auf Initiative des GDV ein gemeinsames Positionspapier veröffentlicht. Darin fordern sie eine deutlich ambitioniertere Wettbewerbsagenda für Europa. Zu den E6 zählen Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, die Niederlande und Polen.
Im Mittelpunkt stehen mehr Investitionsspielraum für langfristige Kapitalanlagen wie in der Asset-Klasse Infrastruktur, ein konsequenter Abbau unnötiger Bürokratie sowie ein pragmatischerer Umgang mit KI- und Digitalregulierung. Die Verbände sprechen sich zudem für eine Vereinfachung des EU-Finanzmarktrechts aus. Doppelregulierungen, unverhältnismäßige Berichtspflichten und zusätzliche Belastungen für Versicherer müssten abgebaut werden, um Investitionen, Innovationen und Wachstum in Europa zu stärken.
Wörtlich heißt es in dem E6-Statement, dass sich die Kommission zwar verpflichtet habe, die Wettbewerbsfähigkeit des EU-Bankensystems zu bemessen, eine ähnliche Untersuchung für Versicherer oder den Finanzsektor insgesamt jedoch noch nicht geplant sei. „Diese abwartende Haltung steht in keinem Verhältnis zum Ausmaß der heutigen Herausforderungen. Die Finanzminister der E6-Staaten müssen ein klares Signal senden: Europa braucht einen proaktiveren, umfassenden Vorstoß, um die Wettbewerbsfähigkeit seiner Versicherer und Rückversicherer im Interesse der Unternehmen und Bürger zu sichern.“ Neben diesem Paradigmenwechsel auf EU-Ebene müssen die Mitgliedstaaten bei der Umsetzung der Vorschriften auf nationaler Ebene jegliches „gold-plating“ strikt vermeiden, so die Versicherungsverbände.
Nach eigenen Angaben repräsentieren die sechs Versicherungsmärkte mehr als 70 Prozent des europäischen Versicherungsmarktes und verwalten Kapitalanlagen von rund 6,9 Billionen Euro. Nach Auffassung der Verbände kann die Versicherungswirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und wirtschaftlichen Transformation Europas leisten – vorausgesetzt, der regulatorische Rahmen unterstützt Investitionen und Innovationen stärker als bisher.
Autoren: Patrick EiseleSchlagworte: Infrastruktur / Infrastructure Equity | Politik / Regulierung
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