10. September 2012

Auch innovative Aktienindizes weisen Schwächen auf

Das renommierte Edhec-Risk Institute weist in einem aktuellen Forschungspapier auf Schwächen innovativer Aktienindizes hin. Dabei steht das Risiko einer erheblichen Underperformance gegenüber traditionellen Benchmarks ebenso im Blickfeld wie der Tracking Error.

Die Auswahl geeigneter Indizes und Benchmarks stellt für institutionelle Investoren regelmäßig eine anspruchsvolle Angelegenheit dar. Das gilt insbesondere für jene Anleger, die eine besonders breite Risikostreuung ihrer Aktieninvestments anstreben, anstatt einen bestimmten Index wie den Euro Stoxx 50 schlicht nachzubilden. Sobald die traditionellen, kapitalisierungsgewichteten Indizes durch innovative Benchmarks ersetzt werden sollen, ist große Aufmerksamkeit gefragt.
In Investorenkreisen hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend die Erkenntnis durchgesetzt, dass kapitalisierungsgewichtete Indizes langfristig nicht effizient sind. Benchmarks wie der Euro Stoxx 50 oder der Stoxx Global 1800 gewichten die einzelnen Titel anhand der Marktkapitalisierung in Verbindung mit dem Streubesitz, wobei die Obergrenze einzelner Werte auf 20 Prozent begrenzt ist. Am höchsten gewichtet werden die Unternehmen, die einen vergleichsweise hohen Börsenwert aufweisen. Geht man allerdings davon aus, dass der jeweilige Marktpreis nicht immer den wahren Wert einer Aktie zeigt, dann sind traditionelle Indizes nicht optimal. Zumal sie nennenswerte Fundamentaldaten wie Umsatz und Profitabilität nicht berücksichtigen.
Hinzu kommt: Investoren, die sich beispielsweise am Dax orientieren sind entsprechend gezwungen, alle Indexmitglieder zu kaufen – einschließlich der teils unliebsamen Finanzdienstleister. Eine vorteilhafte Sektorallokation ist damit ausgeschlossen. Gerade vor diesem Hintergrund werden fundamental gewichtete Indizes als effizienter eingestuft und sollen ihre kapitalisierungsgewichteten Ebenbilder bei der Performance überflügeln.
Drawdown statt Outperformance
Optimierte Indizes und Innovationen wie Smart indexing gewinnen in der institutionellen Anlagewelt sukzessive an Bedeutung. Gerade im Hinblick auf das wachsende Interesse an zeitgemäßen Aktienindizes, die zum Beispiel ausschließlich den Minimum-Volatility-Ansatz verfolgen, also auf Aktien mit vergleichsweise niedrigen Schwankungen setzen, sieht das Edhec-Risk Institute gravierende Risiken, die auf Investorenseite beachtet werden sollten. In dem aktuellen Forschungspapier mit dem Titel „Diversifying the Diversifiers and Tracking the Tracking Error: Outperforming Cap-Weighted Indices with Limited Risk of Underperformance“ warnt man vor den Risiken, die neue Formen alternativ-gewichteter Aktienindizes mit sich bringen können.
Nach Angaben von Edhec zeigen Forschungsergebnisse, dass die wichtigsten alternativen Indizes zwar langfristig eine herausragende Outperformance gegenüber kapitalisierungsgewichteten Indizes mit sich bringen. Gleichwohl gehe mit ihnen die Gefahr eines erheblichen relativen Drawdowns im Vergleich mit ihren kapitalisierungsgewichteten Pendants einher. Edhec zufolge können sich diese Drawdowns über mehr als zwei Jahre hinziehen und mit mehr als 13 Prozent „signifikant“ ausfallen. Eine konkrete Beispielperiode bleibt Edhec allerdings schuldig.
Die Forschungseinrichtung mit Sitz in Frankreich hat in diesem Zusammenhang zwei Hauptrisikoquellen identifiziert. So stammten die Risiken für Underperformance einerseits aus einem „strukturellen“ Exposure zu bestimmten Risikofaktoren, die auf lange Sicht zur Outperformance gegenüber traditionellen Indizes beitragen. Unter bestimmten Bedingungen könnten diese jedoch die Entwicklung der neuen Indizes negativ beeinflussen. Andererseits korrespondiere die Art der Gewichtung, ob qualitativ oder quantitativ, mit der Auswahl eines bestimmten Modells. Dadurch kämen Modellrisiken zum Tragen.
Anhand der Erkenntnisse listet Edhec mehrere Empfehlungen auf. Demnach sollten Investoren Beta-Investments diversifizieren. Dahinter verbirgt sich die Erkenntnis, dass sich Betas je nach Marktumfeld (Hausse, Baisse) und Volatilität unterschiedlich gestalten. Darüber hinaus rät Edhec den Anhängern alternativer Indizes, den Tracking Error gegenüber kapitalisierungsgewichteten Indizes intensiv im Auge zu behalten. Zudem könne ein effizient diversifiziertes Portfolio, das die Minimum-Volatility-Strategien mit Ansätzen kombiniert, die eine Maximierung der Sharpe Ratios zum Ziel haben, den maximalen relativen Drawdown verbessern.
Professor Noel Amenc, Director des Edhec-Risk Institute lässt sich mit den Worten zitieren: „Es ist überraschend, dass nur sehr wenige alternative Aktienindizes, die konzipiert wurden, um kapitalisierungsgewichtete Indizes zu schlagen, explizite Beschränkungen des Tracking Error in ihrer Konstruktion beinhalten.“ Amenc vermisst insbesondere Informationen bezüglich der „extremen“ Tracking-Error-Risiken, die die Strategien beinhalten. Im Hinblick auf alternative Indizes sei es an der Zeit, eine aufrichtige Kultur für relatives Risikomanagement zu entwickeln. 
portfolio institutionell newsflash 03.09.2012/tbü
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