Strategien
16. März 2022

Auf lange Sicht schneiden Artikel-9-Fonds besser ab

Scope-Analyse vergleicht Performance von Artikel-9-Fonds nach SFDR mit Peergroups. Die „Impact“-Fonds liegen im Mittel über drei und fünf Jahre vorn.

Die Rating-Agentur Scope hat Fonds mit strikten ESG-Vorgaben den übrigen Fonds gegenübergestellt und deren Performance verglichen. Langfristig waren die „dunkelgrünen“ Produkte (nach Artikel 9 der Offenlegungsverordnung klassifizierte Fonds) besser, kurzfristig stehen sie aber schlechter da. Hauptgrund sind Scope zufolge die Vorlieben für bestimmte Sektoren und Anlagestile. Vor etwa einem Jahr, am 10 März 2021, trat die EU-Offenlegungsverordnung (SFDR für Sustainable Finance Disclosure Regulation) in Kraft. Sie verpflichtet Fondsanbieter dazu, Anleger über ihre Nachhaltigkeitsbemühungen zu informieren.

Die Analyse erstreckt sich auf die Peergroups „Aktien Welt“ und „Aktien Europa“. Sie zeigt, dass die „dunkelgrünen“ Artikel-9-Fonds über drei und fünf Jahre im Mittel besser abgeschnitten haben als die anderen Produkte. Artikel-9-Fonds, die auch als Impact-Fonds bezeichnet werden, gewannen auf Dreijahressicht durchschnittlich 12,3 Prozent (Aktien Welt) und 9,8 Prozent (Aktien Europa) hinzu. Die übrigen Portfolios steigerten ihren Wert dagegen nur um 11,4 Prozent (Aktien Welt) und 8,3 Prozent (Aktien Europa).

Energiesektor bei vielen Impact-Fonds untergewichtet

Die Ergebnisse fallen jedoch nicht uneingeschränkt gut für die Artikel-9-Fonds aus. Auf Sicht von zwölf Monaten entwickelten sich Artikel-9-Fonds nämlich wesentlich schlechter als andere Fonds: Sie blieben im Durchschnitt rund 2,5 Prozentpunkte hinter diesen zurück. Die Out- beziehungsweise die Underperformance lasse sich weniger mit den unterschiedlichen ESG-Bemühungen der gehaltenen Unternehmen erklären als vielmehr mit der sektoralen Ausrichtung der Portfolios, glaubt Scope. Impact-Fonds seien häufig kaum in den Energiesektor investiert, weil klassische Öl- und Gasunternehmen als wenig nachhaltig gelten. Das hat den Wertzuwachs in den vergangenen zwölf Monaten (Stichtag: 28. Februar) spürbar gebremst, denn der Energiesektor hat in dieser Zeit gemessen am MSCI World Energy Index um rund 55 Prozent zugelegt. Auch die für Artikel-9-Fonds typische Untergewichtung von Titeln aus dem Finanzwesen – Stand Ende Februar einer der besten Sektoren auf Jahressicht – hat die Entwicklung zuletzt verlangsamt.

Gesundheit, Technologie und Industrie

Blickt man dagegen auf die langfristige Entwicklung, war das geringe Gewicht von Energie-Aktien für die Artikel-9-Fonds vorteilhaft. Trotz der aktuellen Hausse gewann der Sektor in den vergangenen fünf Jahren nur 2,7 Prozent per annum hinzu und belegte damit abgeschlagen den letzten Platz aller Branchen. Der langfristigen Entwicklung von Impact-Fonds geholfen hat daneben das Übergewicht der Sektoren Gesundheit, Technologie und Industrie.

Growth-Titel vor Value

Für Artikel-9-Fonds war darüber hinaus von Vorteil, dass sie Growth-Titel regelmäßig bevorzugen: Aktien, die sich diesem Investmentstil zuordnen lassen, haben sich in den vergangenen Jahren oft gut entwickelt. Zuletzt hat das korrespondierende Untergewicht in Value-Titeln die Fonds-Performance allerdings belastet. Unterbewertete Aktien feierten ein Comeback, an dem die Artikel-9-Fonds im Schnitt weniger stark partizipierten als die übrigen Portfolios.

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