Investoren
7. Juli 2021

Auf Nachhaltigkeitsmission

Der Geschäftsführer eines Hilfswerks, ein Franziskanerpater und ein Fondsmanager ­diskutieren mit Patrick Eisele über ethische Kapitalanlage und passende Fondsprodukte.

„Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“, heißt es in der Bibel. Sehr viele ­Gedanken über den richtigen und verantwortungsvollen Umgang mit Geld hat sich der Franziskanerorden gemacht – und auch über passende Fondsprodukte. Ein Gespräch mit David Reusch, Geschäftsführer der Missionszentrale der Franziskaner, Pater Johannes, Franziskanerpater und Theologieprofesser, und Sebastian Riefe, ­Senior Portfoliomanager bei der Ampega Investment GmbH.

Pater Johannes, nach seiner Wahl hat sich der Papst, ein Jesuit, den Namen Franziskus gegeben und stellt sich damit als erster Papst in die Tradition des 1226 verstorbenen Heiligen Franziskus von Assisi. Hat das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche damit dem Franziskanerorden und dessen Arbeit neue Impulse gegeben?

Pater Johannes: Durch seine Namenswahl und vor allem durch seine Enzykliken ­‚Laudato si‘‘ und ‚Fratelli tutti‘ hat Papst Franziskus besondere Aspekte aus der franziskanischen Gedankenwelt und Ethik in den Vordergrund gestellt. Auch durch sein Auftreten hat er das Kirchenbild dahin­gehend verändert, dass die Armen, die ­Umwelt und die Schöpfung stärker in den Blick genommen werden und Förderung ­erfahren. Franziskus unterstützt franziskanische Themen, die Arbeit unseres Ordens hat er aber nicht verändert.

Wird der Papst denn seinem Namen ­gerecht?

Pater Johannes: Bei den Themen Armut oder Frieden wird er seinem Namen ­gerecht. Auf anderen Feldern, wie die Frauenfrage im innerkirchlichen Bereich, wünschen sich viele von ihm mehr Aufgeschlossenheit oder ein schnelleres Handeln.

Herr Reusch, welche Änderungen gab es in den vergangenen Monaten in der Projekt­arbeit der Missionszentrale? 2020 waren es immerhin 824 Projekte und Maßnahmen.

David Reusch: Auf Grund der Pandemie ­haben sich unsere Projekte massiv ver­ändert. Im Bereich der Soforthilfe waren wir sehr stark gefordert. Wir haben uns ­darauf fokussiert, Menschenleben zu retten und darum Gelder für Hygienemittel, ­Sauerstoffgeräte oder Medikamente zur Verfügung gestellt. Dafür haben wir Bauprojekte oder andere Großprojekte zeitlich nach hinten geschoben. Zudem änderten sich bestehende Projekte: Beispielsweise unterstützen wir in vielen Ländern, insbesondere in Lateinamerika, Schulen oder andere Kindertageseinrichtungen. Dabei vermitteln wir nicht nur ­Bildung, sondern versorgen die Kinder auch mit einer warmen Mahlzeit. Da hatten ­unsere Projektpartner dann die Aufgabe zu lösen, die Kinder trotz geschlossener Schule mit Lebensmittel zu versorgen.

War dann auch das Cashflow-Management eine Herausforderung? Schließlich ­mussten Sie in kurzer Zeit viel Geld locker machen.

Reusch: Das war eine Herausforderung. ­Allerdings halten wir, gerade für die ­Nothilfe, immer gewisse Budgets vor. ­Erfreulicherweise war auch die Spendenbereitschaft im vergangenen Jahr sehr groß. Liquiditätsprobleme gab es also nicht. Wir konnten das Geld schnell bereitstellen.

Sind die Projekte eigentlich konfessionsübergreifend?

Reusch: Ja. Bei unseren Projekten stehen der konkrete Mensch und die konkrete ­Notsituation im Vordergrund.

Warum beschäftigen sich Franziskaner mit Kapitalanlage? Der Orden ist doch für sein Armutsgelübde bekannt.

Pater Johannes: Franziskus von Assisi ­entstammt dem Bürgertum, sein Vater war ein reicher Händler. Franziskus´ Ausstieg aus dem Bürgertum und seine Hinwendung zur Armut basiert nicht auf der schlichten Idee, nichts besitzen zu wollen, sondern dem Wunsch, sich den wirklich ­Armen der damaligen Zeit – den Leprösen, Ausgestoßenen – zuzuwenden.
Statt den Armen nur Almosen zu geben, wollte er ­ihre Situation verändern, indem er solidarisch mit ihnen ist. Als religiös ­geprägter Mensch wollte er so den Fuß­spuren Jesu folgen, der als Wanderprediger die Armut gesucht hat.
Franziskus ist aber nicht betteln gegangen. Er hat das Leben mit den Tagelöhnern ­geteilt, also mit dem damaligen Teil der ­Gesellschaft, die jeden Tag neu nach Arbeit suchen muss und nicht wusste, wovon man morgen leben soll. Sehr bald entstand in der ersten frühen franziskanischen Bewegung der Gedanke, ein alternatives Lebensmodell zur damaligen Gesellschaft aufzubauen. Zu diesem Modell gehörte dann die Frage, wie man mit Besitz und Kapital umgeht, und welches Verhältnis man zur Marktwirtschaft hat – immer vor dem Hintergrund des christlichen Weltbildes.
Armut bedeutet also nicht, nichts zu haben und eventuell sogar auf Kosten anderer zu leben. Armut steht bei den Franziskanern im Zusammenhang der Solidarität und ­eines alternativen Weltbildes.
Der franzis­kanische Armutsbegriff ‚Sine proprio‘ ­beinhaltet, sich nichts anzueignen und das was man hat mit denen zu teilen, die nichts haben – um auch diesen ein ­Leben zu ­ermöglichen. Das hat natürlich auch die missionarische Gesinnung der franziskanischen Bewegung geprägt.

Inwiefern spielten damals die von den ­Franziskanern betriebenen Pfandleihhäuser eine Rolle?

Pater Johannes: Diese ‚Monti di Pietà‘ sind nach Franziskus Tod aus der franziskanischen Bewegung erwachsen. Sie sollten den Menschen ein Startkapital geben, um sich durch Arbeit eine Lebensgrundlage schaffen zu können.
Allerdings war es nicht ­unbedingt so, dass die Geldempfänger ein Pfand abgeben konnten. Es war eher so, dass die Franziskanerbrüder Gelder, die sie zum Beispiel auf Grund ihrer Predigten von Reichen bekamen, armen Menschen zu niedrigen Zinssätzen als Startkapital gaben, damit sich diese ein Berufsleben aufbauen konnten. Das war vergleichbar mit der Idee der Mikrofinanzkredite des aus ­Bangladesch stammenden Wirtschaftswissenschaftlers Muha­mmad Yunus.

Warum beschäftigt sich die Missions­zentrale der Franziskaner mit dem Thema Kapitalanlage? Die Spenden könnte man doch auch direkt in die Hilfsprojekte weiterleiten?

Reusch: Wir beschäftigen uns seit über 30 Jahren mit ethisch-nachhaltiger Kapital­anlage. Unsere Mitglieder beziehungsweise Trägerprovinzen haben das Thema an uns herangetragen.
Ein Grund war, dass sich um die Altersrückstellungen der Provinzen Banken kümmerten, die mit den Geldern wiederum unter Umständen gewisse ­Geschäftsbereiche ­finanzieren, die eigentlich nicht unterstützt werden sollen, weil sie unseren Wertvorstellungen nicht ent­sprechen. Die Gelder ­waren vielleicht ­konträr zur Ideologie der Franziskaner ­angelegt.
Daraufhin haben wir Grundlagenforschung unterstützt: Wie bewertet man ein Unternehmen nach ethischen Kriterien, wie ­unterstützt man ethische Unternehmen ­finanziell? Was sich an diese Aktivitäten ­anschloss war die Frage, wie sich eine ethisch-nachhaltige Kapitalanlage auch ­konkret in der Praxis umsetzen lässt.
Dazu bedarf es mehr als einer Rating­agentur. So kam 2008/09 die Idee für ­eigene Investmentfonds auf, die jeder ­erwerben kann, der sich für eine aus ­Franziskaner-Sicht ethisch-nachhaltige Kapitalanlage interessiert. Diese wollen wir in den drei Fonds bestmöglich umsetzen.

Wie viele Gelder der Missionszentrale sind denn in diese Fonds investiert? Zusammen kommen die drei Fonds auf ein Anlagevolumen von knapp 550 Millionen Euro.

Reusch: Da schlagen zwei Herzen in ­meiner Brust. Als Initiator der Terrassisi-Fonds würde ich gerne sämtliche Rücklagen der Missionszentrale in die Vehikel investieren. Als Treuhänder und verantwortungsvoller Investor muss ich auf eine größere ­Streuung der Anlageprodukte und Anlageklassen ­achten. Insofern sind wir so stark in die drei Terrassisi-Fonds investiert, wie es vernünftig ist.

Braucht es denn ebenfalls einen Mischfonds, wenn man schon einen Aktien- und Anleihefonds hat?

Reusch: In diesem Fall: ja. Der Rentenfonds ist sehr geldmarktnah, hat also sehr kurze Laufzeiten. Der Rentenanteil im Mischfonds ist etwas flexibler.

Herr Riefe, ist es schwierig, Gelder sowohl für einen Versicherungskonzern als auch für eine Missionszentrale anzulegen?

Sebastian Riefe: Ich beschäftige mich seit 2008 mit nachhaltiger Geldanlage und ­habe das Terrassisi -Projekt von Anfang an begleitet. Die Franziskaner waren ein ESG-Vorreiter. Damals war nachhaltige Geld­anlage ein Nischenthema und das Interesse hier im Konzern noch nicht besonders groß. Heute ist es Mainstream und auch im Konzern besteht eine sehr große Nachfrage nach nachhaltigen Ansätzen. Daher empfinde ich die Zusammenarbeit mit den Franziskanern als lehrreich und nicht schwierig. Ich habe aus der Kooperation mit den Franziskanern und der Ratingagentur ISS ESG sehr viel gelernt.

Was waren die großen Entwicklungen bei den Terrassisi-Fonds?

Riefe: Der Investment-Prozess ist über die Jahre sehr konstant. Der Nachhaltigkeitsprozess besteht aus Ausschlüssen und ­einem Best-in-Class-Ansatz, der 700 verschiedene Kriterien einbezieht. Seit dem Start arbeiten wir mit der damaligen Oekom Research, heute ISS ESG zusammen.
Bei den Ausschlusskriterien gibt es aber ­immer stärkere Weiterentwicklungen. Das liegt auch an den Änderungen bei der Rating­agentur. Seit Herbst vergangenen Jahres ist für diesen Bereich Ethix SRI ­Advisors aus Stockholm verantwortlich, ein Spezialist für die Kontroversenbeurteilung und Teil der Unternehmensgruppe ISS ESG. Die Detailtiefe der Analyse hat ­seitdem spürbar zugenommen. Das betrifft zum Beispiel die Bereiche Stammzellen­forschung oder fossile Brennstoffe. Neu hinzugekommen sind Ausschlüsse bezüglich Massentierhaltung oder gewaltverherrlichender Videospiele. Durch die ­verbesserte Datenqualität können wir Umsatzgrenzen genauer definieren.

Welche Umsatzgrenzen setzt man als ­kirchlicher Investor?

Riefe: Sehr strenge Grenzen, also null ­Prozent, gelten für Förderer fossiler Brennstoffe, für Waffenhersteller und Pornographie. In anderen Bereichen arbeiten wir mit fünf-Prozent-Umsatzgrenzen, die es uns ­erlauben, in Unternehmen zu investieren, die nur zu einem kleinen Teil in kontroversen Geschäftsfeldern unterwegs sind, sich ansonsten jedoch durch ein hohes Maß an Nachhaltigkeit auszeichnen. Beispielsweise wollen wir Versorger belohnen, die zum Großteil auf Erneuerbare Energien setzen aber noch in kleinen Ausmaßen fossile Energien nutzen. Solche Unternehmen auszuschließen wäre nicht zielführend.
Wir folgen zudem nicht jeder Empfehlung von ISS ESG. So schließen wir ­beispielsweise Alkohol nicht aus. Das wäre nicht glaubwürdig. Spezifisch für die Franziskaner sind Ausschlüsse von Themen wie Stammzellenforschung, grüne Gentechnik oder Euthanasie.

Nachhaltigkeit ist oft stark auf den ­Klimawandel und den CO₂-Ausstoß ­fokussiert. Zählt zu den Besonderheiten bei einem kirchlichen Investor auch, dass das S in ESG besonders hohe Bedeutung hat?

Pater Johannes: Bezüglich Nachhaltigkeit sind viele Dimensionen miteinander ­verflochten und voneinander abhängig, insbesondere wenn man Nachhaltigkeit mit Zukunftsträchtigkeit verbindet. Fragen des Umweltschutzes lassen sich nicht von ­sozialen Problemen separieren, das hängt zusammen. Diese Ansicht vertreten wir auch in unserer Projektarbeit.
Wir unterstützen Projekte bei denen Erneuerbare Energien zu einer Verbesserung der ­Lebensqualität beitragen. Selbst in Projekten, die primär eine soziale Ausrichtung ­haben, sind Umweltfragen integriert. Das Gemeinwohl schließt die Schöpfung, also die Natur, mit ein. Dieses holistische ­Gesamtbild ist für mich ein Teil der franziskanischen Ethik.
Riefe: Zu den Besonderheiten der ­Terrassisi-Fonds zählt, dass wir unseren strengen Nachhaltigkeitsansatz durch den Transparenzbericht von Rödl & Partner ­bescheinigen lassen. Bei nachhaltiger Geldanlage ist aus Glaubwürdigkeitsgründen Transparenz extrem wichtig.

Der Nachhaltigkeitsprozess reduziert das Universum sehr stark. Von etwa 6.400 ­Aktien bleiben nur 100 für die ­fundamentale Selektion übrig. Wie sieht das ein Portfoliomanager?

Riefe: Das wesentlich kleinere Universum macht es für die Ampega definitiv schwieriger. Aber: Genau dieser Ansatz ist gewollt. Mittlerweile gibt es bei den Unternehmen in der Breite das Verständnis, dass man sich dem Thema Nachhaltigkeit nicht ver­schließen kann und eine Verbesserung ­vonnöten ist. Wir finden in fast allen ­Sektoren Unternehmen, die gute ­Leistungen erbringen und können dementsprechend breit diversifizieren.
Zudem kommt uns zugute, dass sich die Ansätze der Ampega an Faktorprämien ­orientieren und wir vor allem in qualitativ hochwertige Unternehmen investieren. Zwischen Quality und ESG besteht eine ­hohe Korrelation. Zu guter Letzt wählen wir die Portfolio-Investments bewusst mit ­einem langfristigen Horizont aus. Begünstigt wird dieser Ansatz durch die Sektor­gewichtung im Fonds, denn die Schwerpunkte Technologie, Healthcare und Industrie­infrastruktur unterliegen langfristigen Trends.

Welches Risikomanagement passt zu ­ einem solchen Ansatz?

Riefe: Meines Erachtens erfordert der ­Ansatz kein dezidiertes Risikomanagement. Wichtig ist eine ausreichende Liquidität der Portfolio-Unternehmen. Wir investieren überwiegend in Large Caps und können ­somit sehr flexibel auf sich ändernde ­Marktbedingungen und Einzeltitelrisiken reagieren.

Sehen Sie eine ­grüne Blase?

Riefe: Eine grüne Blase sehe ich für unseren Fonds definitiv nicht. Wir sind kein Ökologiefonds, sondern ein breit aufgestellter ESG-Fonds. Erneuerbare Energien erfuhren sehr starke Zuflüsse und die ­Bewertungen sind sehr hoch. Langfristig ­sehe ich hier aber keine Blase. Es gibt auf diesem Gebiet einen sehr großen Investi­tionsbedarf und wir gehen von ­hohen Wachstumsraten in den nächsten Jahren aus.

Würden zum missionarischen Auftrag ein Best-in-Progress und ein Emerging-­Markets-Ansatz nicht besser passen?

Reusch: Best in Progress oder Emerging Markets sind nicht per se besser oder schlechter, sondern etwas anderes. Beides würde zu unserer jetzigen Aufstellung aber nicht passen.
Ein Grund ist, dass wir für ein Best in ­Progress ein anderes Vorgehen bei der ­Bewertung bräuchten und mehr in ­Richtung Engagement mit den Unternehmen gehen müssten. Dies wiederum würde einen ­größeren Aufwand und mehr Kosten ­bedeuten. Wir wollen einen Teil unserer Verwaltungsgebühren aber lieber für ­unsere Hilfsprojekte verwenden. Grundsätzlich halte ich Best-in-Progress-Ansätze aber für sehr interessant.
Bei Emerging Markets müssten wir für ­Anleihen erst einmal unsere Kriterien ­lockern. Ansonsten wären die meisten ­Staaten wegen zu vieler Verstöße nicht ­investierbar und es gäbe für ein ver­nünftiges Portfolio nicht genug Titel. Es ­wäre aber ein spannendes Projekt, das ich für die Zukunft nicht ausschließen will.
Riefe: Ein Fonds mit Fokus auf Emerging Markets ist meines Erachtens noch nicht praktikabel. Die Diversifikationsmöglichkeiten wären stark eingeschränkt und ­Nachhaltigkeitsgesichtspunkte könnten nicht ausreichend gewürdigt werden.

Was halten Sie von einem Best in Progress?

Riefe: Bezüglich Best in Progress bin ich der ­Meinung, dass die Entwicklungsmöglichkeiten der Portfolio-Unternehmen auch in unserem Best-in-Class-Ansatz berücksichtigt werden. Best in Class und Best in ­Progress kann man nicht 100prozentig ­voneinander abgrenzen. Die ESG-Vorreiter, also die Best-in-Class-Unternehmen, haben mit Blick auf die Ratingnoten noch aus­reichend Luft nach oben und dement­sprechend Verbesserungspotenzial.

Bei kirchlichen Investoren hätten aber mit Blick auf ihre moralische Instanz und die Anlagevolumina ­Engagement-Aktivitäten vielleicht mehr ­Relevanz als der Entzug von ­Investitionsgeldern.

Reusch: Das stimmt. Trotzdem müssen wir als Missionszentrale oder als Terrassisi-Fonds realistisch bleiben. Einen großen ­Effekt hat aber, was Kirchen und kirchliche Investoren zusammen bewirken können. In manchen Bereichen schließen sich auch ­bereits kirchliche Akteure zusammen und entfalten dann eine sehr starke Wirkung und können auch Dinge verändern.
Wir bringen uns zum Beispiel auch bei CRIC, dem Corporate Responsibility Interface Center, ein. Diese Investorengemeinschaft zur Förderung von Ethik und ­Nachhaltigkeit bei der Geldanlage arbeitet auch stark mit dem AKI zusammen, dem Arbeitskreis Kirchlicher Investoren in der evangelischen Kirche. Bezüglich gemein­samer Projekte gibt es allerdings noch sehr viel Luft nach oben.

Welche Investments haben einen positiven Impact für Menschenrechte?

Pater Johannes: Aus franziskanischer ­Perspektive ist jeder Mensch einmalig. ­Jedes Geschöpf, jeder Baum ist einmalig. Die Würde des Menschen beruht auf seiner Einmaligkeit. Wenn der Fonds nun auf die Arbeitsrechte und auf Kinderarbeit in den Unternehmen achtet, dann wird auch die Würde des Menschen beachtet.
Wir müssen hier auch unser Licht nicht ­unter den Scheffel stellen: Aus den ­Gebühren für die Terrassisi-Fonds fließt ein Teil in die Projekte der Missionszentrale. Diese unterstützen zum Beispiel indigene Völker.
Riefe: Menschenrechte und Arbeitsrechte, aber auch Gewerkschaften und Lohn­niveaus sind Teil der Gesamtbewertung im Best-in-Class-Ansatz. Über Ausschlüsse sorgen wir dafür, dass Unternehmen mit Verfehlungen in diesen Bereichen außen vor bleiben.

Verbannt aus dem Terrassisi-Aktienfonds sind mit Alphabet, Amazon und Tesla die Überflieger der vergangenen Jahre. ­Ausschlussgründe sind Arbeitsrechtsver­letzungen und steuerliche Gestaltungen. Trotzdem belief sich die Rendite des Fonds in 2019 auf 33 Prozent. Ist eine solche Performance noch ethisch legitim?

Pater Johannes: Auf ethische Basis Rendite zu machen ist nicht verwerflich. Entscheidend ist, dass unsere Werte und Regeln ­berücksichtigt werden.

Welche Bibelstelle ist für Sie zu Geldfragen eine besondere Inspiration? Die verlorene Drachme, die anvertrauten Talente oder ein anderes Gleichnis?

Pater Johannes: Besonders bedeutend ist in der franziskanischen Tradition, die sich ja immer mit Geld- und Marktfragen aus­einandergesetzt hat, das Gleichnis vom ­reichen Mann und vom armen Lazarus.
­Lazarus liegt vor dem Tor des Reichen und begehrt die Brotstücke, die von dessen Tisch auf den Boden fallen. Der Reiche, der ­Lazarus verhungern lässt, hat keinen ­Namen. In unserer Gesellschaft haben aber in der Regel die Reichen einen Namen und die Armen sind namenlos.
Uns Franziskanern geht es nicht darum, Gewinne zu verbieten. Uns geht es um die Frage, wie man mit Gewinnen umgeht. ­Diese Parabel stellt dar, dass Gewinne dazu da sind denjenigen einen Namen zu geben, die keinen Namen in dieser Welt haben.
Die von Ihnen erwähnten Texte zeigen aber auch, dass Besitz, Vermögen und Gewinn in Beziehung zur Gemeinschaft gesetzt ­werden. Die Frau, die die Drachme wiederfindet, lädt ihre Freundinnen ein, damit sich diese mit ihr freuen. Talente können Geld oder eine Begabung sein – und wer sein Talent vergräbt, der steuert nichts zum Gemeinwohl bei.

In der breiteren Öffentlichkeit hat ­wahrscheinlich der Film ‚Der Name der ­Rose‘ zur Bekanntheit des Franziskaner-­Ordens beigetragen. In dem Film wird in ­einer Abtei im Jahr 1327 leidenschaftlich ­darüber gestritten, ob Jesus einen Geld­beutel hatte. Hatte er denn nun einen?

Pater Johannes: Das wissen wir nicht. In der Bibel ist zu lesen, dass reiche Frauen Jesus und die Jünger unterstützt haben. Der ­Jünger Judas war für die Kasse der Gruppe zuständig und müsste somit schon vor seinem Verrat eine Geldbörse gehabt haben.
Bei der im Film aufgegriffenen Diskussion dreht es sich um eine wichtige politisch-kirchliche Frage in der damaligen Welt: darf die Kirche auch politische Macht und damit Reichtum haben? Wenn Jesus einen vollen Geldbeutel hatte, darf die Kirche auch politische Macht haben. Wenn nicht, muss die Kirche auf politische Einflussnahme verzichten.

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