Schwarzer Schwan
7. September 2012

Auferstanden aus Ruinen

Erfahren Sie in dieser Ausgabe des Schwarzen Schwan der Woche, wie sich die beiden größten Hypothekenbanken der Welt – Fannie Mae und Freddie Mac – nach der vermeintlich letzten Ölung doch noch vom Sterbebett aufraffen konnten.

Fannie Mae und Freddie Mac: zwei Unternehmen, eine leidvolle Geschichte. Die Beinahe-Pleite der beiden Institute und ihr mehr als 150 Milliarden Dollar schwerer Bailout durch das US-Finanzministerium sind nahtlos verwoben mit der Immobilienkrise in den Vereinigten Staaten. Seit 2008 werden die klammen Konzerne mit Steuergeldern künstlich am Leben gehalten.
In jüngster Zeit präsentieren sich die beiden allerdings in blendender Verfassung und schreiben sogar schwarze Zahlen. Wie der Economist jüngst vorgerechnet hat, haben die zwei Konzerne bei der Bilanzvorlage im August die höchsten Profite der vergangenen vier Jahre ausgewiesen. Dass das Glück den Dinosauriern des US-Hypothekenmarktes wieder hold zu sein scheint, geht auf mehrere Ursachen zurück. Einerseits haben sich die US-Häuserpreise nach ihrem kräftigen Rückgang zuletzt stabilisiert. Auf der anderen Seite wurden faule Grundschulden vergangener Geschäftsjahre sukzessive strukturiert oder gänzlich abgeschrieben. Der Druck auf die Bilanzen ist entsprechend abgeflaut, was wiederum dazu geführt hat, dass Fannie und Freddie immer niedrigere ergebniswirksame Rückstellungen für zweifelhafte Kreditnehmer bilden müssen.
Inzwischen besteht das Portfolio von Fannie Mae zu mehr als 50 Prozent aus Hypotheken, die nach 2008 ausgereicht wurden. Diese zeichnen sich durch eine gewisse Werthaltigkeit aus, da die Hypothekenvergabe seit Beginn der Krise an strengere Regeln gekoppelt ist. Die jüngste Erholung hat Fannie und Freddie zu wahren Cash Cows gemacht, wie der Gewinn von zusammengenommen rund elf Milliarden Dollar beweist. Im Vorjahr fielen noch Verluste von nicht weniger als 22 Milliarden Dollar an.
Weltlicher Akt mit geistigem Vorbild
Die Wiederauferstehung von Fannie und Freddie weckt Erinnerungen an Lazarus von Bethanien. Nachdem Jesus ihn von den Toten erweckte, avancierte er zum Heiligen. Heute ist Lazarus der Patron der Metzger, Totengräber und Bettler. Im Gegensatz zu Jesus ist das US-Finanzministerium aber längst nicht so selbstlos, schließlich haben die Staatsdiener im Gegenzug für ihre gewaltigen Finanzspritzen Vorzugsaktien der Hypothekenbanken eingesackt. Die mit einem fürstlichen Dividendenanspruch von zehn Prozent ausgestatteten Wertpapiere hatten die ohnehin schwierige Finanzlage von Fannie Mae und Freddie Mac noch verschärft.
Nun stellt sich die Frage, was der Heilige Vater angesichts der jüngsten Entwicklung in petto hat. Schließlich kann man vermuten, dass ihm die Wiederauferstehung in der Neuen Welt nicht entgangen ist. Werden Fannie Mae und Freddie Mac jetzt womöglich heiliggesprochen? Avancieren sie – in Analogie zu Lazarus – gar zu Schutzheiligen? Wir hätten da einen Vorschlag! Während Metzger, Totengräber und Bettler offenbar den Segen des Pontifex haben, gilt das noch längst nicht für Investmentbanker, Finanzaufseher oder eigenkapitalschwache Häuslebauer. Da lässt sich doch sicher was arrangieren, Heiliger Vater? Sancto subito!
In diesem Sinne wünscht Ihnen die Redaktion von portfolio institutionell ein schönes Wochenende.
Autoren:

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert