Schwarzer Schwan
22. Januar 2016

Ausgebrüllt Löwe

Der Gründer des Reiseveranstalters Öger Tours, Vural Öger, markiert im TV den hemdsärmeligen Investor, den Macher, den Löwen. Gleichwohl wird er in der kommenden Staffel von „Die Höhle der Löwen“ nicht mehr den Mund aufreißen.

In der wöchentlich ausgestrahlten Unterhaltungssendung der RTL-Tochter Vox präsentieren unbedarfte Erfinder und Gründer ihre Geistesblitze, die sie selbst als „Geschäftsidee“ verstehen, gegenüber fünf erfahrenen Investoren und potenziellen Geldgebern. Zu Beginn des unkonventionellen Vorstellungsgesprächs müssen die Kandidaten durch einen Käfigbogen gehen, ähnlich wie echte Löwen, wenn sie in die Zirkusmanege schreiten. Auf der Suche nach fresh money und Unterstützung sind sie allerdings eher die Beutetiere als die Raubkatzen. Bei so mancher dieser Präsentationen haben die Juroren die Möchtegernunternehmer sprichwörtlich „gefressen“: Denn Vural Öger und die anderen Protagonisten finden auf der Suche nach vielversprechenden Investment Cases deutliche Worte: „Das ganze Konzept ist einfach lächerlich“ (Öger) oder „Das ist Bullshit!“ (Frank Thelen).
Ebenso wie bei anderen TV-Formaten aus dem Dunstkreis von RTL, in denen aufgeblasene Juroren über Wohl und Wehe der Teilnehmer entscheiden, ist auch dieses nicht ganz ernst zu nehmen. Beispiel gefällig? Ein Kandidat wollte ein Intim-Aftershave auf den Markt bringen. Unvergessen ist auch die Dreistigkeit eines Gründers, der einen Firmenanteil von nur vier Prozent für eine geschlagene Million Euro verkaufen wollte. Nach Adam Riese entspräche das einer Unternehmensbewertung (ohne Schulden) von schlappen 25 Millionen Euro. Respekt für so viel Chuzpe. Manche Kandidaten waren zudem ganz und gar unstrukturiert, so wie das Ehepaar, das auch nach dreimaligen Nachfragen nicht im Stande war, die Herstellungskosten seiner „Mind Cookies“ zu beziffern. Da darf selbst der geduldigste Investor-Löwe mal brüllen. 
Vural ätzt verbal
Blöd nur, dass Juroren wie Öger und Co. mit zweierlei Maß messen. Noch blöder, dass es ihnen an Kritikfähigkeit mangelt. Der Reiseveranstalter und auch sein Vox-Jury-Kollege Frank Thelen sind mit Geschäftsideen auf die Nase gefallen. Und hier liegt der Hase im Pfeffer. Ende vergangenen Jahres wurde bekannt, dass Öger für gleich zwei seiner Firmen, den Reiseveranstalter V.Ö. Travel und das Schwesterunternehmen Öger Türk Tur, Insolvenz anmelden musste. Wegen politischer Krisen seien die Buchungen in die Türkei eingebrochen. Zudem hätten Überangebote einen Preisverfall ausgelöst, jammerte der 73-Jährige. Von Managementfehlern will Öger laut eines TV-Berichtes aber nichts wissen. 
Erst vor ein paar Tagen machte der Unternehmer und frühere EU-Parlamentarier erneut Schlagzeilen, als er beim Mode-Startup „Von Floerke“ ausgestiegen ist. Auch hier waren Anspruch und Wirklichkeit zwei Paar Schuhe: Firmengründer David Schirrmacher beschwerte sich lautstark über die „wenig vorhandene Unterstützung des Gesellschafters Vural Öger“, wie auf gruenderszene.de nachzulesen ist. Das Magazin „Stern“ berichtet, Öger habe das Jungunternehmen abserviert und im Stich gelassen, sein Investment aber verdoppelt. Öger kontert die Kritik wiederum so: Es habe sich ein strategisch besserer Partner gefunden, der Exit sei ein Teil des normalen Zyklus und stehe in keinem Zusammenhang mit den Insolvenzen der Touristikfirmen. 
Zugegeben, Auseinandersetzungen wie diese mögen zum Venture Capital Business dazugehören. Aber Öger und Co. gelten als gestandene Geschäftsleute. Sie werden in der TV-Sendung so präsentiert und pflegen dieses Image. Da liegen die Erwartungen entsprechend hoch. Wenn jemand aber innerhalb kürzester Zeit mit zwei Insolvenzen Schlagzeilen macht, Jungdynamikern jedoch vorher die Leviten gelesen hat, weil sie „keine Unternehmer“ seien und zudem auch noch unstrukturiert, hat das in der Tat eine gewisse Ironie und ist für manchen Anlass zum Spott. 
Ironie beweist Vox aber auch mit der Ernennung des Nachfolgers von Vural Öger: Carsten Maschmeyer. Seit dem Verkauf seines Strukturvertriebs AWD hatte Maschi mehr Glück in der Liebe als Fortune als Unternehmer und Investor. Für die Kandidaten der Sendung ist es darum womöglich ein gutes und ermutigendes Zeichen, wenn sie von Maschmeyer kein Geld bekommen. 
In diesem Sinne wünscht Ihnen die portfolio-Redaktion ein schönes Wochenende. 
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