Corporates
20. Januar 2021

Baden in Milliarden: Dax-Treasurer mit großem Anlagebedarf

Dax-Konzerne haben knapp fünf Milliarden Euro Liquidität. Treasurer nutzen Fonds.

„In den flüssigen Mitteln sind Kassenbestände, Schecks und Guthaben bei Kreditinstituten mit einer ursprünglichen Laufzeit von bis zu drei Monaten enthalten“ – so liest man es gewöhnlich in den Geschäftsberichten zu den Cash and Cash Equivalents. Die Summen sind oft beträchtlich. Im Durchschnitt bevorraten die Dax-30-Unternehmen – ohne ­Allianz, Deutsche Bank und Munich Re – 4,7 Milliarden Euro. Die Abweichungen vom Durchschnitt sind allerdings groß. Hierfür sorgen vor allem die drei Automobilhersteller. Volkswagen „badet“ in fast 26 Milliarden Euro. Bei Daimler sind es knapp 19 und bei BMW zwölf Milliarden Euro. Siemens verfügt mit 14 Milliarden ­Euro ebenfalls über eine Liquidität in zweistelliger Milliardenhöhe. Diese von portfolio institutionell erhobenen ­Beträge ergeben sich auf Basis der jüngsten Geschäftsberichte.

Im M-Dax im Schnitt 909 Millionen Euro

Die im M-Dax gelisteten Unternehmen halten bei den Banken und in der Kasse im Schnitt 909 Millionen Euro. Über der Milliardengrenze liegen Airbus, Arroundtown, Hella, Hochtief, Knorr ­Bremse, Metro und Thyssen-Krupp. Im S-Dax sind es im Durchschnitt ­immerhin 177 Millionen Euro. In diesem Index „führt“ Ceconomy mit 1,484 Milliarden Euro. Hierzu merkt das Handelsunternehmen an, dass entsprechend IAS 7 in den Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten Anteile an Geldmarktfonds ausgewiesen, die aufgrund ihrer erstklassigen Bonität und der Anlage in äußerst kurzfristige Geldmarktpapiere nur unwesentlichen Wertschwank­ungen unterliegen und jederzeit innerhalb eines Tages in Zahlungsmittel umgewandelt werden können. Im Liquiditätsranking folgen Salzgitter und Schaeffler mit gerundet 700 Millionen Euro.

Bei diesen Größen dürfte die Verzinsung des Cashs für manchen Treasurer und Aktionär ein Ärgernis sein. Leider sind hierzu die Angaben dürftig. Jedoch berichten Compugroup Medical, Ströer Media, Amadeus Fire und Cewe von einer Nullverzinsung für ihre Guthaben oder Festgelder. Offenbar ist den Banken daran gelegen, ihre Unternehmenskunden mit Blick auf weitere Geschäftsbeziehungen bei Laune zu halten. Eine sehr sportliche Verzinsung ­gelang den Treasurern von Puma mit einem durchschnittlichen ­effektiven Zinssatz der Geldanlagen von 0,9 Prozent.

Aktien, Fonds und Immobilien

Liquidität und Sicherheit sind für die Treasurer relevanter als die Verzinsung – zumindest solange die Zinsen nicht noch tiefer sinken. Zufriedenstellend kann es für die Treasurer jedoch nicht sein, wenn die Millionen und Milliarden im Geldmarkt vergammeln – und betreiben darum auch längerfristige Kapitalanlagen. Teil ­dieser sind nicht nur länger laufende Anleihen, sondern auch wie zum Beispiel bei Hochtief Aktien sowie in Spezial- und Investmentfonds gehaltene Wertpapiere. Gehalten werden in diese in einem Volumen von 454 Millionen Euro im Posten kurzfristige Wert­papiere. Ebenfalls unter den Kapitalanlegern: Beiersdorf. Der ­Konzern berichtet von 3,6 Milliarden Euro an börsennotierten Staats- und Industrieanleihen, Commercial Papers, geldmarktnahen Publikumsfonds, Aktien und Aktienfonds. Bei Wertpapieren mit Buchwert von 2,8 Milliarden Euro rechnet man mit ­Realisierung von später als zwölf Monaten. Langfristige Wertpapiere haben ­Laufzeiten von bis zu acht Jahren. Ein Spezialfonds findet sich auch im Treasury von Siltronic. Das Unternehmen teilt mit, dass ein Großteil der Wertpapiere in Höhe von 83 Millionen Euro als ­erfolgswirksam mit dem beizulegenden Zeitwert bewertet wird.

Interessanterweise haben sich – wie in anderen Anlegergruppen auch – Immobilien als Asset etabliert. Bei Salzgitter beläuft sich dieser Posten auf 82 Millionen Euro. Hierbei handelt es sich um „Immobilien, die zur Erzielung von Mieteinnahmen oder lang­fristigen Wertsteigerungen gehalten und nicht in der ­Produktion oder für Verwaltungszwecke eingesetzt werden“. Cewe berichtet über Gewerbeimmobilien im Wert von 20 Millionen Euro.

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