Bafin warnt vor sechs Finanzmarktrisiken
Bafin-Präsident Branson: Wenn es so weiter geht, „dann muss es irgendwann knallen“. Für Branson Branson sind Private-Debt-Fonds ein Gefahrenherd.
Extremrisiken können viel häufiger vorkommen, als es Modelle abbilden können – mit dieser Reminiszenz an den Mathematiker Benoît Mandelbrot eröffnete Bafin-Präsident Mark Branson die diesjährige Pressekonferenz „Risiken im Fokus“ der Aufsichtsbehörde.
Zwar gebe es „zweifellos positive Faktoren“. Zu diesen zählt Branson, dass Banken und Versicherer profitabel und solide kapitalisiert sind. Positiv sei zumindest in der Eurozone auch das stabile normalisierte Zinsumfeld. Zudem sollten die staatlichen Investitionsimpulse in Deutschland konstruktiv wirken. „Dennoch wird es nach unseren Erkenntnissen immer wahrscheinlicher, dass die Finanzstabilität einen Härtetest bestehen muss. Das Potential für plötzliche Markt- und Preiskorrekturen ist hoch“, so Branson.
Viele Risikotreiber
Die Liste der exogenen Risikotreiber ist für die Finanzaufsicht lang. Branson nannte unter anderem militärische Konflikte, Staatsverschuldung, Enttäuschungen bezüglich KI, Klimawandel, Konjunktur „oder die drastischen Versuche, Institutionen zu politisieren, mit der Folge, dass die internationale Kooperation im Krisenfall möglicherweise nicht wie in der Vergangenheit funktioniert“. Wie Branson weiter ausführte, sind stabilitätsbedrohende Faktoren in den letzten Jahren eindeutig gewachsen. „Wenn es in so einer unsicheren Welt beim Marktoptimismus, bei der Risikonahme in privaten Märkten und beim Wachstum von leicht regulierten Vehikeln so weiter geht, dann muss es irgendwann knallen.“
Insgesamt sieht die Bafin sechs Finanzmarktrisiken:
- Risiken aus signifikanten Korrekturen an den internationalen Finanzmärkten
- Risiken aus dem Ausfall von Unternehmenskrediten
- Risiken aus den Gewerbeimmobilienmärkten
- Risiken aus Cyber-Vorfällen mit gravierenden Auswirkungen
- Risiken aus Konzentrationen bei er Auslagerung von IKT-Dienstleistungen
- Risiken aus unzureichender Prävention von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung
Wie Branson erläuterte, erwartet die Bafin, dass der Anteil notleidender Kredite bei deutschen Banken weiter zunimmt. Dies sowohl bei bedeutenden als auch bei weniger bedeutenden Instituten. Allerdings hätten viele Kreditinstitute angesichts der gestiegenen Risiken ihre Kreditvergabestandards gestrafft und Aufschläge durchgesetzt. „Das reduziert die Gefahr aus dem Neugeschäft“, so Branson.
Die Aufmerksamkeit dürfe aber nicht nur dem traditionellen Kreditgeschäft gelten – sondern man müsse auch den Kapitalmarkt im Auge behalten. Branson: „Die Schattenbanken gewinnen weiter an Bedeutung: die Non-Bank Financial Intermediaries. Sie sind eng vernetzt – untereinander und mit dem traditionellen Finanzsystem. Ein Beispiel sind Private-Debt-Fonds.“ Dieser Sektor sei zwar noch relativ klein, wachse jedoch stark. Die heimischen Finanzunternehmen seien mit ausländischen Private-Debt-Vehikeln eng verflochten. „Hier lauern Gefahren außerhalb des traditionell regulierten Bankensektors.“
Autoren: Patrick EiseleSchlagworte: Aufsicht | Private Credit / Private Debt / Nichtbankenkredite
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