BAI veröffentlicht Infrastruktur Report Deutschland 2026

Ein großer orangefarbener Bagger bei der Arbeit auf einer Baustelle unter blauem Himmel. Der Bedarf an Infrastrukturinvestitionen ist erheblich – insbesondere auf kommunaler Ebene. Bild: Pexels.
Auf 57 Seiten fasst der Verband aktuelle Entwicklungen im Bereich der kommunalen Infrastruktur zusammen. Und er zeigt Investitionshemmnisse und Lösungswege auf.
Der Bedarf an Infrastrukturinvestitionen ist erheblich – insbesondere auf kommunaler Ebene. Daran ändert nach Einschätzung des Bundesverbands Alternative Investments (BAI) auch das staatliche Sondervermögen nichts.
Privates Kapital sei für die Transformation der deutschen Wirtschaft hin zu Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit unverzichtbar, betont die Interessenvertretung für alternative Investments in Deutschland im BAI Infrastruktur Report Deutschland 2026. Doch welche Entwicklungen gibt es im Bereich kommunaler Infrastruktur hinsichtlich institutionellen Kapitals? Welche Hemmnisse bestehen für Investitionen in kommunale Infrastruktur? Und welche Lösungsansätze gäbe es für mehr Investitionen in kommunale Infrastruktur unter Beteiligung institutioneller Investoren?
Auf diese und weitere Fragen liefert der 57-seitige Bericht Antworten. Er basiert auf Umfragedaten und Experteninterviews.
In ersten von insgesamt zwei Teilen untersucht der Bericht, welche Rolle institutionelles Kapital aktuell in kommunaler Infrastruktur spielt – und kommt zu einem zentralen Befund: Das Problem sei nicht mangelnde Investitionsbereitschaft, sondern ein gordischer Knoten struktureller Ineffizienzen. Der zweite Teil richtet den Blick auf die Portfolios deutscher institutioneller Investoren und zeigt auf, welche Rolle Infrastrukturinvestitionen derzeit spielen.
BAI Infrastruktur Report Deutschland 2026: Zusammenfassung Teil 1
346 Milliarden Euro – so groß ist laut der Förderbank KfW allein die Finanzierungslücke deutscher Energieversorger bis 2045 – bei einem Gesamtinvestitionsbedarf von 535 Milliarden Euro für Strom-, Gasnetze und Wärmeversorgung. Und das ist laut dem BAI-Report nur ein Teil des Investitionsbedarfs in kommunaler Infrastruktur neben dem zusätzlichen Investitionsstau in den Kernhaushalten der Kommunen.
Klassische Kommunalfinanzierung stoße angesichts des enormen Kapitalbedarfs für die digitale und ökologische Transformation an ihre Grenzen, und der Staat werde den Gesamtinvestitionsbedarf nicht decken können. Privates Kapital institutioneller Investoren, wie Versicherungsunternehmen und Versorgungswerke, stehe grundsätzlich bereit, diese Lücke zu schließen, und eigne sich in der Theorie aufgrund des langen Anlagehorizonts perfekt.
Asset Manager spielen dabei die Schlüsselrolle, so der BAI: Sie strukturieren Assets und gleichen die Interessen zwischen Investoren und Kommunen aus. Die Ergebnisse einer Umfrage des BAI unter seinen Mitgliedern und Experteninterviews liefern eine Bestandsaufnahme zum Einsatz institutionellen Kapitals in kommunaler Infrastruktur und identifizieren zentrale Hemmnisse sowie Lösungsansätze.
Den Angaben zufolge ist nur eine kleine Zahl von Asset Managern aktiv – überwiegend projektbezogen, auf wenige Teilsektoren konzentriert. Die Mehrheit der Infrastruktur-Asset-Manager adressiere kommunale Infrastruktur bislang nicht im Rahmen einer eigenständigen Investitionsstrategie.
„Gründe hierfür sind sektoral ausgerichtete, international diversifizierte Infrastrukturstrategien sowie die komplexen Strukturen kommunaler Unternehmen mit zahlreichen Stakeholdern und dem Querverbundprinzip der Stadtwerke“, berichtet Studienautor Florian Bucher. „Entsprechend gelten aus Investorensicht vor allem marktnähere Segmente wie Energieerzeugung oder Wärmenetze als attraktiv“, so der Senior-Referent Alternative Markets. Das wachsende Interesse institutioneller Investoren am Heimatmarkt sorge jedoch dafür, dass sich zunehmend mehr Asset Manager strategisch mit dem Themenfeld befassen würden.
Kommunale Unternehmen mit niedrigeren Kreditausfällen
Eine Analyse von Kreditausfallraten zeigt, dass Unternehmen im Bereich kommunaler Infrastruktur niedrigere Werte als die Gesamtwirtschaft aufweisen und sogar noch unterhalb der ohnehin defensiven Infrastruktur-Benchmark liegen würden, so der BAI. Dies unterstreiche die große Resilienz kommunaler Assets, die den Sektor potenziell sehr attraktiv für Investoren mache.
Gleichzeitig erklärten die Zahlen geringe Kreditrisikoprämien und lenkten den Fokus auf Illiquiditäts- und Komplexitätsprämien. Darüber hinaus werde ein im Vergleich zu anderen Infrastruktursektoren oder ausländischen Assets als unattraktiv wahrgenommenes Risiko-Rendite-Verhältnis als wesentliches Investitionshemmnis angesehen, heißt es.
Die Herausforderung liege insbesondere in einem Mismatch zwischen den Renditeerwartungen institutioneller Investoren und den Ertragsmöglichkeiten kommunaler Infrastrukturprojekte sowie in der bislang geringen Markteffizienz, wie dem Bericht zu entnehmen ist. Kleinteilige Projektstrukturen führten zu hoher Komplexität und erschwerten die Einhaltung von Investitionsstandards, was sowohl den Zugang zu investierbaren Projekten als auch die Attraktivität des Risiko-Rendite-Profils mindere.
„Die Überwindung dieses ‚gordischen Knotens‘ erfordert geeignete Strategien der Asset Manager sowie eine stärkere Standardisierung und Bündelung kommunaler Infrastrukturprojekte“, schreibt Studienautor Florian Bucher in der Executive Summary. Anhand von Expertenaussagen und Praxisbeispielen werden im BAI Infrastruktur Report Deutschland 2026 drei Lösungsansätze diskutiert.
Grundvoraussetzung sei ein politischer Konsens zur Bedeutung privaten Kapitals sowie verlässliche Planungs- und Rechtssicherheit über die gesamte Investitionsdauer hinweg, unabhängig von politischen Machtverhältnissen. Plattformmodelle und Zusammenschlüsse von Asset Managern und institutionellen Investoren zeigten, wie Standardisierung Komplexität reduziere und Interessen ausgleiche. „Für die Beteiligung an Stadtwerken existiert dabei kein Königsweg, sondern ein Set sich ergänzender Strukturen – von Joint Ventures über SPVs bis Hybridkapital, je nach Asset-Typ und kommunalen Anforderungen – flankiert von frühzeitiger, transparenter Kommunikation gegenüber Bürgern.“
Staatliche Förderinstrumente könnten ergänzend dort wirken, wo der Markt allein keine ausreichenden Anreize schaffe: durch effiziente Nutzung der bestehenden Förderlandschaft, Bündelung von Kräften wie EIB und KfW und international erprobten Risikoteilungsinstrumenten wie First-Loss-Strukturen – so kalibriert, dass der Renditeaufschlag gegenüber liquiden Anleihen erhalten bleibe.
Teil zwei: Blick in die Infrastruktur-Portfolios
Angesichts der grundsätzlichen Investitionsbereitschaft der deutschen Investoren wirft der BAI im zweiten Teil einen Blick in den Status quo ihrer Infrastruktur-Portfolios. Hierbei wird deutlich, dass die Asset-Klasse Infrastruktur anhaltend große Beliebtheit genießt.
Die in den Experteninterviews befragten Investoren bestätigen überwiegend die aktuell deutlich größere Bedeutung von Infrastructure Equity gegenüber Debt. Der Aufbau der Allokation erfolgte häufig im Nachgang der Weltfinanzkrise und die dadurch bedingte Niedrigzinsphase und typischerweise über Eigenkapital-Investments im Bereich Erneuerbarer Energien.
Die Daten in der folgenden Abbildung zeigen, dass sich Infrastruktur weiter in den Portfolios der deutschen Investoren etabliert. Die Bedeutung von Eigenkapital-Investments ist sowohl bei Infrastruktur als auch Immobilien aktuell noch deutlich höher als von Investitionen im Fremdkapital.
Durchschnittliche Allokationen deutscher LPs in alternative Asset-Klassen

Mit einem durchschnittlichen Allokationsanteil von zusammen 5,6 Prozent (Equity und Debt) liegt Deutschland jedoch fast 50 Prozent unter dem Niveau des Infrastrukturvorreiters Kanada. Dort beträgt die Allokation aktuell im Schnitt 10,1 Prozent – getrieben insbesondere durch Pensionsfonds.
Am stärksten ausgeprägt ist die Infrastruktur-Allokation bei Versicherungsunternehmen, getrieben durch ihre bereits hohe Gewichtung von Infrastruktur-Debt. Infrastructure Debt profitiert besonders von Diversifikationsvorteilen und einem attraktiven Risiko-Rendite-Niveau, wobei konservative Core/Senior-Strategien und breite Diversifikation über Ratings, Strukturen und Zinsprofile dominieren.
Den vollständigen BAI Infrastruktur Report Deutschland 2026 können Sie hier als PDF-Datei abrufen.
Diese Schwerpunkte setzt das Versorgungswerk der Apothekerkammer Nordrhein bei Infrastruktur
Laut dem Investor Survey 2025 des BAI haben Versorgungswerke in Deutschland einen durchschnittlichen Anteil von 44,3 Prozent an alternativen Investments (inklusive Immobilien) am Portfolio. Infrastructure Equity und Debt machen davon im Schnitt 6,4 Prozent aus.
In einem Interview mit dem BAI hat Hauptgeschäftsführer Jens Hennes nun erläutert, wie das Portfolio des Versorgungswerks der Apothekerkammer Nordrhein (VANR) im Vergleich dazu ausgestaltet ist. Er sagt, die Allokation im Bereich Alternatives bewege sich im Marktdurchschnitt. Einschließlich Immobilien liege ihr Anteil mit rund 48 Prozent auf dem Niveau anderer Versorgungswerke.
Innerhalb der Alternatives dominieren branchenüblich Immobilieninvestitionen, so Hennes. „Der Infrastrukturanteil beträgt rund fünf Prozent des Gesamtportfolios und liegt damit ebenfalls nahe am Durchschnitt vergleichbarer Investoren. Wir fokussieren Equity-Investitionen, während Infrastruktur-Debt bislang eine untergeordnete Rolle spielt.“
Historisch, erklärt VANR-Hauptgeschäftsführer Hennes, „bestand unser Infrastruktur-Portfolio zunächst aus Renewables mit regionalem Schwerpunkt in Europa“. Die aktuelle Infrastrukturstrategie ziele dagegen auf eine Diversifizierung entlang sämtlicher Subsektoren der Asset-Klasse ab.
Autoren: Tobias BürgerSchlagworte: Infrastructure Debt | Infrastruktur / Infrastructure Equity
In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar