Banken
10. Dezember 2020

Banken und Investoren begraben Pariser Klimaabkommen

NGOs: Zwölf aktuelle Großprojekte würden Dreiviertel des CO2-Budgets aufbrauchen. Blackrock, Vanguard und State Street im Kreuzfeuer.

ESG, so scheint es angesichts der zahlreichen Publikationen, scheint überall in der Finanzbranche einzuziehen. Besonders der häufigste genannte Aspekt, das Klima, bekommt große Aufmerksamkeit. Ein Report, den sechs NGOs kurz vor dem fünften Jahrestag des Pariser Klimaabkommens veröffentlicht haben, spiegelt nun den ernüchternden Stand dieser Initiativen wider: „Fünf verlorene Jahre – wie die Finanzindustrie das Pariser Klimabudget sprengt“ ist der Titel des Reports, welcher zwölf fossile Großprojekte untersucht. Die prognostizierten Emissionen dieser Projekten nähmen zusammengenommen ganze Dreiviertel des verbleibenden CO2-Budgets in Anspruch, um innerhalb eines 1,5-Grad-Ziels zu bleiben. Diese Projekte werden somit zur Zerreißprobe für den globalen Kampf gegen den Klimawandel. Bei erfolgreicher Finalisierung dürfte ein Erreichen zumindest des ambitionierteren 1,5-Grad-Zieles scheitern: „Neue Kohle-, Öl- und Gasreserven zu erschließen, während die Welt bereits die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels erlebt, ist Wahnsinn“, so Katrin Ganswindt, Finanzkampaignerin bei der mitwirkenden deutschen NGO Urgewald. „Dies ist das Gegenteil von einer Reduzierung der CO2-Emissionen, wie sie vor fünf Jahren in Paris vereinbart wurde. Wenn die Kohlenstoffbomben-Megaprojekte, wie sie in diesem Bericht vorgestellt werden, weiter vorangetrieben werden, werden wir die 1,5-Grad-Marke der globalen Erwärmung überschreiten.“

2,7 Billionen Dollar seit 2016

Der Report betont insbesondere die Rolle von Banken und Investoren seit Unterzeichnung des Klimaabkommens: Finanzinstitutionen stellten seit Januar 2016 1,6 Billionen US-Dollar in Form von Loans und Underwriting bereit und investierten 1,1 Billionen US-Dollar in Anleihen und Aktien der 133 Unternehmen, welche die 12 Expansionsprojekte für fossile Brennstoffe vorantreiben. Allein 20 Investoren, worunter der Report Asset Manager wie Blackrock, Vanguard und State Street, den norwegischen Ölfonds sowie den britischen Versicherer wie Legal & General zählt, hätten 535 Milliarden Dollar der 1,1 Billionen Dollar investiert. Die zwanzig am stärksten vertretenen Banken, welche von CitiGroup, Bank of America und JPMorgan Chase angeführt werden, hätten 949 Milliarden Dollar der 1,6 Billionen Dollar bereitgestellt. Die Deutsche Bank ist sowohl unter den 20 größten Investoren als auch unter den größten finanzierenden Banken aufgelistet. „BNP Paribas, JPMorgan Chase und Mitsubishi haben alle eine sehr unterschiedliche Policies des Ausschlusses von Kohle, Öl und Gas. Dieser Bericht zeigt jedoch, dass es etwas gibt, das sie eindeutig eint: Sie alle unterstützen weiterhin einige der schlimmsten Projekte weltweit durch ihre loyale Finanzierung der Öl- und Gaskonzerne“, kommentiert Lucie Pinson, Geschäftsführerin von Reclaim Finance.

Einzige Lösung für Investoren sei hier Divestment, so Ganswindt von Urgewald: „Die führenden Investoren der Unternehmen, die hinter diesen Projekten stehen, sind Blackrock, Vanguard und State Street. Diese Institutionen verspielen unsere Zukunft und setzen sich gleichzeitig dem Risiko eines riesigen gestrandeten Vermögens aus. Die einzig vernünftige Entscheidung für Anleger in dieser Situation ist es, ihr Portfolio zu begrünen und bei Unternehmen, die neue fossile Investitionen planen, jetzt auszusteigen.“

Hohe Subventionen treiben Staatsschulden

Als wäre dies nicht genug, stellt der Report nebenbei auch ein Problem etwa für stark überschuldete Staaten wie Argentinien fest, denn die Projekte sind teilweise nicht einmal wirtschaftlich: „Das geologische Becken Vaca Muerta in Argentinien verfügt über die weltweit zweitgrößten Reserven an Schiefergas. Aber Fracking ist ohne enorme staatliche Subventionen nicht finanzierbar: Im Jahr 2021 werden die Subventionen an private Unternehmen die Regierung voraussichtlich ein Prozent des argentinischen Staatshaushalts kosten, und das Vierfache der für Covid 19 prognostizierten gesamten Gesundheitsausgaben“, so María Marta di Paola, Leiterin der Untersuchungen bei der NGO Farn.

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