Schwarzer Schwan
26. Juni 2020

Bargeld lacht

Von Milliarden, Millionen und zwei Cent

Wie wird man Millionär? Zum Beispiel indem man es als Milliardär an einer vorzeigbaren Governance fehlen lässt. So wie Markus Braun, Ex-Vorstandsvorsitzender von Wirecard, Ex-Tech-Visionär, Ex-Top-Manager, Ex-Fintech-Guru, Ex-Innovator, Ex-, Ex-, Ex-. Aktuell ist er eigentlich nur noch Mitarbeiter des Monats aller Short-Seller.

Und in der Zukunft? Als Mastermind des deutschen Enrons ist Braun nur noch schwer vermittelbar. Eine mögliche Perspektive: Nachdem es Wirecard, dem Vorreiter für digitalen Zahlungsverkehr, gelang, 1,9 Milliarden Euro spurlos verschwinden zu lassen, könnte Braun sehr glaubwürdig das Testimonial für die Initiative „Rettet unser Bargeld“ geben. Er wäre dann ein Mitstreiter von zum Beispiel Prof. Max Otte, Mr. Dax Dirk Müller oder Sahra Wagenknecht. Ein Haufen Geldscheine zum Anfassen hätte sich auch – anders als Konten auf den Philippinen – leicht testieren lassen.

Margin Call für Markus Braun

Inzwischen hat Wirecard Insolvenz angemeldet. Doch für Markus Braun ist finanziell eigentlich gar nicht so viel passiert. Die Kursentwicklung der Wirecard-Aktien hat’s gegeben, die Kursentwicklung der Wirecard-Aktien hat’s genommen. Wie „Die Welt“ berichtet, hat Braun seinen Anteil von sieben Prozent des Unternehmens „selbst aufgekauft, zu Summen, die sein Einkommen als Vorstand weit überstiegen“. Darum finanzierte er seine Aktien mit Krediten. Dann kamen mit der Kursimplosion die Margin Calls der Banken. „Zu Kursen zwischen 43,96 Euro und 21,88 Euro musste Braun am Donnerstag und Freitag (der vergangenen Woche, Anm. der Redaktion) Millionen von Aktien abstoßen. Die Verkäufe haben zusammen rund 155 Millionen Euro erbracht – das entspricht ungefähr der Kreditsumme plus Zinsen, über die immer wieder berichtet wurde“, so Die Welt. Und die Wirecard-Dividenden sollten gereicht haben, um die Kaution von fünf Millionen Euro zu bezahlen.

Was dem Wirecard-Drama aber nicht gerecht wird, ist immer nur in Milliarden und Millionen zu denken. Denn: Das einzige, was gefehlt hat, waren zwei Cent. Diese hätten die Wirtschaftsprüfer als Testüberweisung an die zwei Banken auf den Philippinen investieren sollen. Da es die ominösen Konten nicht gab, wären zumindest diese zwei Cent auch nicht verloren gewesen.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen Ihre Redaktion von portfolio institutionell! Und bleiben Sie liquide!

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