Barmenia-Gothaer emittiert erstmals Katastrophenanleihe

Flutkatastrophen und Hochwasser verursachen enorme finanzielle Schäden. Mit ihrem ersten Cat Bond will sich die Barmenia-Gothaer gegenüber seltenen, extremen Flutereignissen absichern. Bild: Pexels.
Mit dem Cat Bond will sich das Unternehmen gegenüber seltenen, extremen Flutereignissen in Deutschland absichern. Eine Besonderheit von „Yardstick Re“ ist das Investment-Grade-Rating.
Extremwetter bleibt nach Einschätzung der Barmenia-Gothaer-Versicherungsgruppe eines der größten Geschäftsrisiken für Versicherer. Allein in Deutschland verursachten Naturgefahren im Jahr 2025 Schäden von rund 2,6 Milliarden Euro. Im Jahr davor sind es 5,7 Milliarden Euro gewesen.
Vor diesem Hintergrund erschließt die Barmenia-Gothaer (Eigenschreibweise: BarmeniaGothaer), die zu den zehn größten Versicherern in Deutschland zählt, nun nach eigenen Angaben „erstmals den Kapitalmarkt als zusätzliche Absicherungsquelle“ und emittiert den Cat Bonds „Yardstick Re“. Damit ergänze der im Jahr 2024 aus der Fusion von Gothaer und Barmenia entstandene Konzern klassische Rückversicherungslösungen gezielt um kapitalmarktbasierte Instrumente, heißt es in einer Mitteilung.
Ein Cat Bond (Katastrophenanleihe) ist ein versicherungsgebundenes Wertpapieren, mit dem Versicherungen das Risiko von Naturkatastrophen an den Kapitalmarkt übertragen. Tritt die definierte Katastrophe ein, verliert der Anleger sein Kapital. Bleibt sie aus, erhält er sein Geld zurück und profitiert von überdurchschnittlich hohen Zinsen.
Barmenia-Gothaer überträgt Flutrisiken anteilig auf Investoren
Mit dem Cat Bond will sich das Unternehmen gegenüber seltenen, extremen Flutereignissen „im oberen Risikobereich“ in Deutschland absichern. Insgesamt werden Flutrisiken in einem Volumen von rund 100 Millionen Euro anteilig auf Kapitalmarktinvestoren übertragen. Das soll die Risikotragfähigkeit der Barmenia-Gothaer stärken. Zugleich baut der Versicherungsverbund zusätzliche Kapazitäten zur Absicherung von Extremereignissen auf.
Die Transaktion ist als nicht-traditionelle Rückversicherung über eine speziell gegründete Zweckgesellschaft (Special Purpose Vehicle, SPV) strukturiert. Investoren übernehmen im Schadenfall anteilig Risiken. Im Gegenzug sollen sie eine risikoadäquate Verzinsung erhalten.
„Mit Yardstick Re erweitern wir unser Instrumentarium im Risikotransfer gezielt um kapitalmarktbasierte Lösungen“, sagte Harald Epple, Finanzvorstand der Barmenia-Gothaer laut Mitteilung. „Besonderen Wert schafft diese Transaktion dadurch, dass allein das Flutrisiko abgedeckt wird. Außerdem verschafft uns der Zugang zum Kapitalmarkt zusätzliche Kapazitäten, offeriert uns eine Alternative zu klassischen Rückversicherungsmärkten und untermauert unsere Widerstandsfähigkeit gegenüber Extremereignissen.“
Vier Jahre Laufzeit und ein Investment-Grade-Rating
Der Cat Bond hat eine Laufzeit von vier Jahren. Der Haftungsbeginn erfolgte zum 1. Juli 2026. Die Anleihe wurde zu einem Spread von 1,95 Prozent emittiert. Sie füge sich nahtlos in die bestehende traditionelle Rückversicherungsdeckung ein, wie das Unternehmen erläuterte, und erfülle somit alle mit diesem Risikotransfer verbundenen Ziele. Die SPV-Struktur selbst sei auf langfristige Nutzung ausgelegt.
Ein zentrales Merkmal der Transaktion sei das Investment-Grade-Rating von Moody’s. „Yardstick Re“ gehöre damit zu den wenigen Cat Bonds mit dieser Einstufung und erschließe einen breiten Kreis institutioneller Investoren, wie die Barmenia-Gothaer anmerkte.
Die Munich Re begibt als weltweit führender Rückversicherer regelmäßig Katastrophenanleihen. Auch die Hannover Rück ist einer der führenden Akteure im Markt für Cat Bonds. Der Rückversicherer emittiert diese regelmäßig selbst zur eigenen Risikoabsicherung und fungiert als Dienstleister, der Cat-Bond-Transaktionen für Kunden und Konzerntöchter strukturiert und an den Kapitalmarkt bringt.
Cat Bonds aus Sicht der Anleger
Katastrophenanleihen sind nicht nur für Versicherer interessant, die den Kapitalmarkt als zusätzliche Absicherungsquelle einbeziehen, sondern auch für die Käufer. Laut dem britischen Finanz- und Versicherungskonzern Legal & General (L&G) haben versicherungsgebundene Wertpapiere in den vergangenen drei Jahren eine Gesamtrendite von fast 50 Prozent erzielt. Inzwischen würden die Renditeaussichten (wie im Februar 2026 berichtet) allerdings geringer ausfallen, heißt es.
Dennoch könne dieses Anleihesegment nach Ansicht von Volker Kurr, Head of Europe, L&G, Asset Management, auch künftig eine Rolle in Multi-Asset-Portfolios spielen, wie er im Februar dieses Jahres mitteilen ließ: „Mit einer Gesamtperformance von nahezu 50 % erzielten Katastrophenanleihen zwischen 2023 und 2025 das beste Drei‑Jahres‑Ergebnis ihrer Geschichte. Auslöser hierfür war eine außergewöhnlich günstige Phase mit geringen versicherten Schäden und attraktiven Risikoaufschlägen nach dem Hurrikan Ian Ende 2022. Spätestens als Cat Bonds 2023 als Anlagestrategie mit der besten Performance feststanden, war das öffentliche Interesse groß.“
Erfolg führe jedoch häufig zu einer Verschlechterung der künftigen Renditeaussichten. „Steigende Zuflüsse von Investoren und mehrere ruhige Jahre ohne größere Naturkatastrophen haben dazu geführt, dass die vormals sehr hohen Risikoprämien dieser Anlageklasse inzwischen deutlich zurückgegangen sind“, so Kurr.
Autoren: Tobias BürgerSchlagworte: Cat Bond | Catastrophe Bond | Katastrophenanleihe
In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar