Alternative Anlagen
6. März 2012

Bauer sucht Investor

Zurück in die Zukunft: Große Pensionsfonds entdecken die Vorteile von Agrarlandinvestments. Ein grüner Daumen ­genügt jedoch nicht, um der Vielfalt an Risiken Herr zu werden. Neben politischen und biologischen Risiken bestehen nicht zuletzt reputative Risiken. Zudem gilt es, eine Abhängigkeit von der Rohstoffpreis-Entwicklung zu vermeiden.

Die Finanzkrise sorgt für manch kuriose Blüte, unter anderem für eine wohlig-gruselige Weltuntergangsstimmung. Die wohlfeilen ­Ratschläge für Armageddon-Assets: als Tauschwährungen Zigaretten und Nylonstrumpfhosen und als Fluchtwährung natürlich Gold – und Ackerland. Letzteres kann aber auch ohne die Erwartung, dass in ­Kürze die Apokalypse bevorsteht, als Real Asset mit stetigen Erträgen auch für regulierte Investoren interessant sein. Die Risiken und die Anforderungen an das Agriculture-Management sind jedoch ­spezieller Natur.

Investiert sind bereits große Pensionsfonds in Holland über ihre Dienstleister ABP und PGGM, skandinavische Pensionsfonds wie AP2 und PKA sowie asiatische Staatsfonds. PGGM verweist auf ­steigende Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse und positive Portfolioeffekte durch die Beimischung von Rohstoffen. PGGM investiert darum direkt und indirekt über Futures langfristig in die Landwirtschaft unter anderem in Osteuropa und Lateinamerika. Tiaa-Cref, ein Altersvorsorgeanbieter aus den USA mit etwa 440 ­Milliarden Dollar­ Assets under Management, hat nach eigenen Angaben ­etwa zwei Milliarden Dollar in Farmland in den USA, Australien, ­Europa und Südamerika investiert. Tiaa-Cref betont die Langfristigkeit. „Jedes Asset, das wir in unser Farmlandportfolio ­einkaufen, hat einen Anlagehorizont von 20 bis 30 Jahren“, zitiert Tiaa-Cref ­ihren Managing Director­ of Natural Resources and Infrastructure ­Investments. Bindungs­ängste dürfen also nicht gegeben sein. Eines der Hauptinvestments der Amerikaner ist der Zuckeranbau und die Ethanol­gewinnung in Brasilien. Für Brasilien spreche das Klima ­sowie die Preise und Fruchtbarkeit der Böden. Auch generell sprechen die Rahmen­bedingungen für Agrarinvestments: Die Weltbevölkerung ist vergangenes Jahr auf sieben Milliarden gestiegen und wird weiter wachsen, die Essgewohnheiten in den Schwellenländern ändern sich, und die Preiselastizität bei der Befriedigung von Grundbedürfnissen ist gering. Weiter braucht es Platz für den Anbau alternativer Treibstoffe wie Ethanol. Ackerflächen sind jedoch ein knappes Gut.

Die Finanzkrise steigerte die Nachfrage nach Real Assets und ­unkorrelierten Investments, brachte aber auch die Erkenntnis, dass es risikolose Renditen doch nicht gibt. Dieses Oxymoron gilt auch für ­Investments in Viehzucht und Ackerbau. Kein Widerspruch in sich ist aber folgende Aussage: „Agrikultur ist eine der ältesten und eine der jüngsten Anlageformen zugleich“, konstatiert Henry Wilkes, CEO vom „Ag“-Advisor und Asset Manager für internationale Agrarinvestoren Invest-Ag Savills. „Vor zehn ­Jahren gab es gerade einmal jeweils ­einen Farmlandfonds in Ungarn und Argentinien. Heute gibt es aufgrund des Markteintritts von Finanzinvestoren und Staatsfonds eine sehr lange Anbieterliste.“ Diese soll sich bald um den Namen Invest-Ag verlängern. Geplant ist ein Farmlandfonds für ­Zentraleuropa.

Die Risiken sind nicht zuletzt reputativer Art. Neokolonialismusvorwürfe kommen schnell auf, wenn eine Kapitalsammelstelle mit ­Begriffen wie „Land-Grapping“ und „Food Speculation“ in Verbindung gebracht wird. Die Öffentlichkeit ist sensibilisiert, global­isierungskritische NGOs (Non Governmental Organizations) wie ­Attac verschaffen sich Gehör, Seiten wie farmlandgrab.org sind entstanden. Vor kurzem kritisierte die Organisation Foodwatch die Deutsche Bank wegen deren Geschäften mit Agrarrohstoffen. Der Vorwurf, durch ­eigenes Profitstreben Hungersnöte zu verursachen, richtet sich allerdings weniger an Lebensmittelproduzenten als an Investoren, die über ­Futures auf Ernten spekulieren. Zwar lässt sich argumentieren, dass der Derivatehandel Liquidität und Absicherungsmöglichkeiten schafft. Andererseits kann eine wachsende Herde von Trendfolgern auch ­starke Übertreibungen bei Lebensmittelpreisen verursachen. PGGM will sich letzterem Vorwurf dadurch entziehen, dass man ein stetiges Rebalancing betreibt und sich so gegen Preisbewegungen stellt. Ob diese Argumentation jedoch in wenig Asset-Management-­affinen Kreisen der Öffentlichkeit Gehör und Verständnis findet? Auf der ­sicheren Seite dürften Investoren sein, die sich wie die dänische PKA ausschließlich in der Lebensmittelproduktion und nicht an der ­Lebensmittelspekulation beteiligen (Lesen Sie hierzu auch das Interview auf den Seiten 25 ff.). Aber auch bei der reinen Lebensmittel­produktion gilt: Um kritischen Fragen vorzubeugen, sind die sozialen Auswirkungen auf die Bevölkerung im Auge zu behalten. Wenn sich herausstellt, dass beim Grundstückserwerb die dort ansässigen Kleinbauern nicht angemessen entschädigt wurden und ihre Lebensgrundlage verlieren oder ein Eingeborenenstamm vertrieben wurde, droht ein PR-Desaster. Um dieses zu vermeiden, achtet zum Beispiel Tiaa-Cref als verantwortungsbewusster Investor nach eigenen Angaben auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen der einheimischen Arbeiter und Pächter. Die PKA produziert dort, wo Lebensmittel knapp sind, ausschließlich für den lokalen Markt und verzichtet auf Exporte.

Prinzipiell haben Lebensmittelproduzenten gute Argumente auf ihrer Seite. Denn im Idealfall führt eine nachhaltige und effiziente ­Bewirtschaftung zu größeren Ernten und einem Know-how-Transfer zur einheimischen Bevölkerung. „Farmlandanlagen, die die Umwelt respektieren, verantwortungsbewusste Arbeitsbedingungen berücksichtigen und positive Beziehungen zu den Stakeholdern pflegen, sind bessere Langfristinvestments – für die lokale Bevölkerung, die Gastländer und unsere Anspruchsberechtigten“, bringt es Xander den Uyl, Vice-Chairman of the Board of Trustees of ABP, auf den Punkt. Anlass für das Statement war die Entwicklung und Unterzeichnung der ­Principles for Responsible Investment in Farmland im September 2011. Die fünf Prinzipien: Promoting environmental sustainability, ­Respecting labour and human rights, Respecting existing land and ­resource rights, Upholding high business and ethical standards, ­Reporting on activities and progress towards implementing and ­promoting the Principles.Lesen Sie weiter im zweiten Teil "Asset Acker". Autoren:

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