19. März 2012

Bayerische Landesstiftung im Sog der Finanzkrise

Der Bayerische Oberste Rechnungshof hat die Landesstiftung des Freistaates im Visier. Neben aufsichtsrechtlichen Aspekten machen der Stiftung des öffentlichen Rechts millionenschwere Kursverluste zu schaffen.

Nach Darstellung der Süddeutschen Zeitung (SZ) vom 15. März 2012, die aus dem Entwurf eines Prüfberichts des Bayerischen Obersten Rechnungshofs (ORH) zitiert, fordern die Finanzaufseher, „dass die Landesstiftung ihre eigene Kompetenz im Bereich der Kapitalanlage stärkt.“ Hintergrund für die Kritik sind Kursverluste aus Aktieninvestments, die die Arbeit der Stiftung belasten. Der ORH, der traditionell die Haushalts- und Wirtschaftsführung des Freistaates Bayern untersucht, kritisiert auch das bayerische Finanzministerium.
Laut SZ bemängelt der Rechnungshof eine „Interessenkollision“. Der seit dem 4. November 2011 amtierende Finanzminister Dr. Markus Söder (CSU) ist einerseits im beaufsichtigenden Stiftungsrat als Vizechef tätig. Auf der anderen Seite fungiert er als Staatsminister der Finanzen als Chef der Aufsichtsbehörde. Wer da eine echte Kontrolle erwarte, sei „realitätsfern“, moniert der ORH unverblümt, schreibt das Blatt. Chef des Aufsichtsgremiums ist übrigens Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU).
Wie die SZ schreibt, betreffen die finanziellen Probleme der Stiftung den Kern ihres Vermögens. Denn die Bayerische Landesstiftung, die 1972 aus der Fusion von Bayerischer Staatsbank und Vereinsbank hervorging, hält seitdem ein damit im Zusammenhang stehendes großvolumiges Aktienpaket – zunächst  der Vereinsbank, nach einer weiteren Fusion der Hypo-Vereinsbank, und seit deren Übernahme im Jahr 2005 der italienischen Großbank Unicredit. Nach Berechnungen der Süddeutschen Zeitung ist das Vermögen der Stiftung in den vergangenen Jahren um mehr als 60 Millionen auf derzeit rund 800 Millionen Euro geschrumpft. Hintergrund ist die desolate Entwicklung der Unicredit-Aktie.
Die SZ zitiert aus internen Papieren der Stiftung, denen zufolge die mehr als 32 Millionen Aktien des Instituts am Jahresende 2009 noch knapp 75 Millionen Euro wert gewesen seien. Inzwischen summiere sich der Wert auf nur noch 13 Millionen Euro (Stand Ende Februar 2012). Die Süddeutsche Zeitung zitiert Stiftungsvorstand Engelbert Kupka mit den Worten, der Rückgang sei „aus heutiger Sicht eine etwas bittere Pille“. Gleichwohl hätten Experten die Aktien bis zuletzt empfohlen und der Stiftung von einem Verkauf abgeraten, so Kupka.
Nach Angaben der SZ ist die Bayerische Landesstiftung, die alljährlich Projekte im Umfang von insgesamt rund 25 Millionen Euro fördert, über die Jahrzehnte mit Zu- und Verkäufen dieser Aktien gut gefahren. Neben den Kursverlusten wird die Stiftung heute allerdings auch wegen der stark rückläufigen und teils gänzlich ausgefallenen Dividendenzahlungen in ihrem Tagesgeschäft behindert. Während Unicredit unmittelbar vor der Finanzkrise im Jahr 2007 eine Dividende  von 27 Cent je Aktie auskehrte, lag die Ausschüttung 2009 und 2010 bei lediglich drei Cents je Anteilsschein. 2008 fiel die Dividende vollständig aus.
BVK könnte Vermögensverwaltung übernehmen
Mit Blick auf die gesamte Asset-Allokation kommt die Beratungsgesellschaft Mercer in einer Analyse zu dem Ergebnis, dass „nach der derzeitigen Anlagestrategie die Werterhaltung des Stiftungsvermögens auf Dauer nicht gesichert werden kann“. Laut Mercer müsse die Stiftung eine jährliche Rendite von fünf Prozent erwirtschaften. Doch das unterschreitet die Stiftung, betont das Blatt. Laut internen Unterlagen gliederte sich die Anlagepraxis seit 2007 wie folgt auf: ein Teil wird selbst verwaltet, ein Teil liegt in Fonds, ein weiterer bei Vermögensverwaltern. Schon diese Variante kostete die Stiftung 750.000 Euro pro Jahr. 
Wegen der Finanzprobleme debattierten die Mitglieder bereits mehrmals über eine Neuausrichtung, um die angestrebte Mindestrendite sicherzustellen. Dabei gibt es, laut Süddeutsche Zeitung, allerdings noch keine Entscheidung, im Gespräch sei eine Einschaltung spezialisierter Vermögensmanager für den überwiegenden Teil des Kapitals. Eine andere Variante ist die Übergabe der Vermögensverwaltung an die Bayerische Versorgungskammer (BVK). Diese verwaltet unter anderem die Altersvorsorge für Bayerns Ärzte und Anwälte. Doch all diese Varianten sind spürbar teurer: Von bis zu zwei Millionen Euro jährlich war in den Sitzungen die Rede. Das fand Seehofer „sehr beachtlich" und regte an, das Finanzministerium müsse ein solches Vermögen verwalten können – das bringe zwar „keine maximalen Renditen", aber dafür auch keine Zusatzkosten. Die Prüfung läuft.
portfolio institutionell newsflash 19.03.2012/tbü
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