Banken
5. März 2020

Bayerns Sparkassen im Kampf mit Zins-Hydra

Zinsüberschuss deckt bei ersten Instituten den Verwaltungsaufwand nicht mehr. Cost-Income-Ratio bei 65,6 Prozent.

„Die Folgen aus zehn Jahren Niedrigzinsen kommen bei unseren Kunden und in unserem Geschäftsbetrieb immer deutlicher zum Vorschein“, musste Dr. Ulrich Netzer, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, auf der gestrigen Jahrespressekonferenz konstatieren. Mit der EZB-Geldpolitik der vergangenen Jahre seien renditebringende Anlagen ohne Risiko faktisch nicht mehr möglich. Sehr viele Kunden „parken“ ihr Geld daher in Sichteinlagen. Damit verzichten sie, so das Lamento der Sparkassen, auf Ertragschancen, die sie bei gutem Risikomanagement über Wertpapiere erzielen könnten.

Der Zinsüberschuss der Sparkassen schrumpfte seit 2015 um etwa 500 Millionen auf 3,250 Milliarden in 2019. Das Betriebsergebnis liegt um drei Prozent beziehungsweise 50,2 Millionen Euro unter dem Vorjahresergebnis. Maßgeblich für diese Entwicklung war, dass der Rückgang des Zinsüberschusses (-56,6 Millionen Euro) auch durch eine deutliche Steigerung der Provisionsüberschüsse (+80,5 Millionen Euro) nicht kompensiert werden konnte. Denn die – trotz Sparmaßnahmen – gestiegenen Verwaltungsaufwendungen (ebenfalls +80,5 Millionen Euro) zehrten diese guten Erträge aus dem Vertrieb vollständig auf. Dementsprechend hat sich auch die Cost-Income-Ratio der bayerischen Sparkassen von 64,3 Prozent in 2018 auf 65,6 Prozent in 2019 verschlechtert.

Die Zinssituation wirkt sich auf mehreren Ebenen aus. Erwähnt werden auf der Konferenz die schrumpfenden Zinsmargen, der wachsende, aber nicht rentabel anlegbare Überhang, die anderen Banken zu zahlenden Verwahrentgelte und die flache Zinsstrukturkurve, die die Fristentransformation erschwert.

Netzer erklärt: „Die Hydra Nullzinsen ist ein mehrköpfiges Monster – wir kämpfen an mehreren Fronten. Beim Blick auf unsere gestiegenen Sichteinlagen in Höhe von jetzt knapp insgesamt 129 Milliarden offenbart sich das Dilemma ganz klar: Die Bedingungen sind zu ungünstig und der Überschuss zu groß, um wie früher gut damit arbeiten zu können. Das wird sich auch so fortsetzen, wenn die Zinssituation unverändert bleibt. Weitere Zinsschritte und das mit hohem Volumen fortgeführte Anleihen-Kaufprogramm der EZB verschärfen die Lage jeweils und lassen der Hydra nochmals neue Köpfe wachsen. Bislang haben sich die Sparkassen gut geschlagen, die Spielräume sind aber begrenzt. Auf Dauer wird es immer schwieriger, den Rückgang über andere Ertragsquellen und Kostensenkungen aufzufangen“, erklärte Netzer.

Effizienzmaßnahmen stoßen an Grenzen

Die bayerischen Sparkassen stoßen bei ihren Effizienzmaßnahmen inzwischen aber immer öfter an Grenzen. Es gibt bereits erste Institute, bei denen der Zinsüberschuss den Verwaltungsaufwand nicht mehr deckt. Sie sind also gehalten, neue Wege zu beschreiten. Netzer dazu: „Die betriebswirtschaftlich schwierigsten Zeiten stehen uns noch bevor, weil sich die Auswirkungen der Niedrigzinssituation verschärfen und viele erfolgreiche Gegensteuerungspotenziale bereits ausgeschöpft sind. Wir müssen unsere Vertriebsanstrengungen weiter intensivieren, durchgehend Dienstleistungen bepreisen und unseren Zinsaufwand senken. Dazu gehört in Teilen auch, dass wir manche Altverträge kündigen und für große Einlagesummen Verwahrentgelte veranschlagen.“

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