Banken
18. Januar 2022

Bei der Transformation ist der Weg das Ziel

Investoren diskutieren nachhaltige Anlagestrategien. Sparkasse und Kirche nutzen Freedom House Index.

Die Kapitalanlagen auf Nachhaltigkeit zu trimmen, ist keine leichte Übung. ESG-Reports sind zu erstellen, Zielkonflikte zu überwinden und dabei natürlich auch noch Bewertungen zu beachten. All diese Punkte beackerten Mitte Januar auch die Referenten eines Webinars der Bayern Invest.

Dass nachhaltiges Anlegen mehr ist als der Kauf von Unternehmen, die wie Vestas direkte Produkte gegen den Klimawandel anbieten, oder von Unternehmen, die ihre Prozesse stärker auf den Klimaschutz abstimmen, war beispielsweise den Ausführungen Sascha Riedl zu entnehmen. Wie der Aktienfondsmanager erläuterte, werden bei der Bayern Invest auch Klimarisiken im Hinblick auf finanzielle Auswirkungen analysiert. Maßstab sei hierbei der MSCI Climate Value at Risk, der das Verlustpotenzial aus politisch-transitorischen und Klima-physikalischen Folgen quantifiziert. Langfristig sieht der Asset Manager für Unternehmen, die sich im Einklang mit den Pariser Klimazielen positionieren, ein hohes Chancenpotenzial. Nach wie vor sind selbstverständlich auch klassische Risikofaktoren zu beachten. Äußerst ambitioniert sind bekanntlich die Bewertungen bei Wasserstoff- oder Elektroautounternehmen. „Hochspekulatives wollen wir vermeiden“, sagte Riedl diesbezüglich.

Aus der Praxis eines nachhaltigen Depot-A-Managements berichtete Bernd Walters von der Sparkasse Krefeld, bei der der Nachhaltigkeits-Startschuss bereits 2015 fiel. Damals habe man zunächst Streubombenhersteller aussortiert. „Danach hat das Thema an Fahrt aufgenommen“, so der Treasurer. Heute sind die Eigenanlagen auf die Klimaziele ausgerichtet. Unternehmen, die gegen die zehn Prinzipien des UN Global Compact verstoßen, werden ausgeschlossen. Zusätzlich sind weitere Waffen- und Rüstungsrestriktionen und Ausschlüsse für Kohle und Tabak sowie für staatliche Emittenten im Fall von Verstößen gegen Demokratie- und Menschenrechte definiert. „Zur Umsetzung nutzen wir Daten der ESG-Rating-Agenturen MSCI und Imug sowie den Freedom House Index“, berichtete Walters. Im Jahr 2020 hat die Sparkasse Krefeld zudem die Selbstverpflichtung deutscher Sparkassen für klimafreundliches und nachhaltiges Wirtschaften unterzeichnet.

(Überraschende) Parallelen zur Sparkasse Krefeld weist die Norddeutsche Kirchliche Versorgungskasse (NKVK) auf. Wie die Sparkasse beschäftigte sich nämlich auch die NKVK seit 2015 mit ESG-Themen, baute seitdem die Nachhaltigkeitsstrategie bis in die Emerging Markets hinein aus – und nahm in Person von Anna-Lena Budde ebenfalls am Webinar der Bayern Invest teil. Wie die stellvertretende Geschäftsführerin berichtete, erwies sich die Kombination von Freedom House Index und Schwellenländer-Staatsanleihen als zu einschränkend. „Das Universum wurde zu klein“, so Anna-Lena Budde. Darum wechselte die Versorgungseinrichtung zu einem Emerging-Markets-Corporate-Bond-Mandat. Dabei gelte es immer, bei den einzelnen Emittenten den jeweiligen Staatseinfluss im Auge zu behalten. „Das ist in den Emerging Markets eine ständige Herausforderung.“

Dritter Gast des von Wiebke Merbeth, Leiterin Nachhaltigkeit Bayern Invest, moderierten Panels: Daniel Haas, Chief Investment Strategist bei M+C Asset Allocation. Ein wichtiges ESG-Thema ist für Haas die Transformation der Emittenten hin zu weniger CO₂ und Verbesserungen bei den Menschenrechten. Hierfür hätten institutionelle Investoren einen „Riesenhebel“, sollten diesen aber nicht als „Brechstange“ ansetzen: „Wenn alle Investoren gleichzeitig den Stecker ziehen – und dies auch bei Unternehmen, die für die Transformation wichtig sind, gelingt diese nicht. Der Prozess muss sukzessive erfolgen.“ Damit warb Daniel Haas dafür, den (Umsetzungs-)Weg als Ziel zu betrachten.

Diesen Gedanken von Haas können sich Walters und Budde sowie auch die Bayern Invest anschließen. „Wir wollen die Finanzierung von Kohle-Unternehmen nicht komplett runterfahren“, erklärte Walters, für den Green Bonds wichtige Stellschrauben für die Transformation sind. Es handle sich um ein komplexes Thema, bei dem man schrittweise vorgehen müsse und immer weiter dazulerne. Auch Anna-Lena Budde ist bereit, Unternehmen bei der Transformation zu unterstützen, indem man investiert bleibt. „Wir wollen aber nur diejenigen im Portfolio behalten, die zur Transformation bereit sind. Unternehmen, deren Management nicht das richtige Mindset hat, müssen raus.“

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