Versorgungswerke
30. März 2022

Branchenversorgungswerke trotzen dem Zinstief

Die Bilanzen von Branchenversorgungswerken wie Metallrente und Klinikrente zeigen die Grenzen der Kapitalanlage bei einer 100-Prozent-Garantie auf. Inzwischen löst der Metallrente-Pensionsfonds das Problem auf seine Weise.

Deutschlands große Branchenversorgungswerke haben der Zinskrise bislang erfolgreich getrotzt, wie erste Zahlen für 2021 ausweisen. Allen voran die Metallrente GmbH, die inzwischen schon 20 Jahre existiert und bei der die Gewerkschaft IG Metall und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall gleichberechtigte Gesellschafter sind. Der Geschäftsführer der ersten Stunde, Heribert Karch, gab die Verantwortung zu Jahresbeginn an die neue Doppelspitze Hansjörg Müllerleile (bisher: Leiter Bosch Pensionsfonds) und Kerstin Schminke (zuvor: Vorstand der IG Metall für Tarifpolitik und bAV) ab.

Unter dem Dach von Tarifverträgen organisieren gut 50.000 Firmenkunden mit inzwischen fast 860.000 Verträgen (plus 4,5 Prozent binnen eines Jahres) ihre bAV über die Metallrente GmbH (Stand Ende 2021). Zum Vergleich: Laut GDV hat die gesamte Lebensversicherungsbranche im Vergleichszeitraum 2021 nur 0,6 Prozent Zuwachs an bAV-Verträgen erreicht. Hinzu kommen 139.000 Policen privater Absicherung der Arbeitskraft. Somit ist die Metallrente mit gut 999.000 Verträgen (plus 48.000) „weiterhin das größte Branchenversorgungswerk Deutschlands“, betont Geschäftsführer Hansjörg Müllerleile. Heute sei bereits jede 20. Betriebsrente in Deutschland eine Metallrente.

Damit die Risiken eines so großen Kollektivs auf mehrere Schultern verteilt werden können, arbeitet das Versorgungswerk mit einem Konsortium an Versicherern zusammen. Die Bestände werden von den Konsorten Allianz, R+V, Swiss Life, Ergo und seit Sommer 2020 auch der Versicherungskammer Bayern (VKB) gemäß ihrer jeweiligen Beteiligung gemeinschaftlich getragen (VKB bislang nur für die Arbeitskraftabsicherung, nicht für die bAV).

Konsorten übernehmen auch die Kapitalanlage

Auch den überwiegenden Teil der Kapitalanlage übernehmen die Konsorten. Innerhalb der Kapitalanlage gibt es auch ein exklusiv für die Metallrente von Allianz Global Investors aufgelegtes und verwaltetes Metallrente-Fondsportfolio. „Über die strategische Kapitalanlage wird zweimal jährlich in unserem Kapitalanlageausschuss, dem auch Vertreter von IG Metall und Gesamtmetall angehören, entschieden“, betont Laura Leithold, Leiterin Konsortialmanagement bei der Metallrente. Alle Entscheidungen, die den Pensionsfonds und das Fondsportfolio betreffen, „liegen vollständig bei uns und unseren Sozialpartnern“, so Leithold weiter.

Beim sicherheitsorientierten Direktversicherungstarif („Profil“) geht die Kapitalanlage zu 100 Prozent in das Sicherungsvermögen der Versicherungspartner von Metallrente ein. Für 2022 ist eine Gesamtverzinsung von 2,80 Prozent deklariert – samt Beteiligung an den Bewertungsreserven und nicht garantierter Schlussüberschüsse am Ende der Laufzeit (2021: 2,75 Prozent).

Beim kapitalmarktnahen Direktversicherungstarif („Chance“) fließt die Kapitalanlage ins Sicherungsvermögen der Versicherungspartner und bis zu 50 Prozent in Aktien und Anleihen (Metallrente-Fondsportfolio). Hier betrug die Gesamtverzinsung 2021 mindestens 2,55 Prozent. Das Neugeschäft mit „Chance“ wurde aber bis auf weiteres gestoppt, weil wegen der Fokussierung auf die Beitragszusage mit Mindestleistung (BZML) und der Absenkung des Rechnungszinses „nicht mehr ausreichend hohe Beitragsanteile renditestark in Sachwerte innerhalb des Metallrente-Fondsportfolios investiert werden können“, heißt es auf Nachfrage.

Dafür springt der Metall-Pensionsfonds in die Bresche, der seit dem Start 2003 durchschnittlich 5,9 Prozent Rendite pro Jahr erzielt hat und 2021 um 12.600 Verträge gewachsen ist (2020: plus 11.200). „bAV im gemeinsamen Versorgungswerk der Sozialpartner ist gegenüber der rein privaten Altersvorsorge durch ihre institutionellen Strukturen, besseren Konditionen und geringeren Kosten eindeutig im Vorteil“, erklärt Schminke.

Kapitalanlagestrategien im Metall-Pensionsfonds

In der Kapitalanlage fährt der Metall-Pensionsfonds drei Strategien: Dynamik (bis ins Alter von 57 Jahren), Balance (bis 60) und Sicherheit (bis zum Renteneintritt). Dies führte über die gesamte Laufzeit bis Ende Januar 2022 zu Segment-Renditen von 5,7 Prozent (Dynamik), 4,0 Prozent (Balance) und 3,0 Prozent (Sicherheit) pro Jahr. Die Anlage erfolgt im „Metallrente-Fondsportfolio“, in Rentenpapieren und im Sicherungsprodukt der Allianz Leben. Wegen der BZML stehen zu Rentenbeginn mindestens die eingezahlten Beiträge nach Kosten zur Verfügung. Die Höhe der Überschussrente wird zu Rentenbeginn ermittelt und dann garantiert.

Bei der BZML gibt der Arbeitgeber eine 100-Prozent-Bruttobeitragsgarantie. Das Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften hatte 2021 ausgerechnet, dass Anbieter diese vollständige Garantie bei 0,25 Prozent Rechnungszins ab 2022 selbst bei Laufzeiten von 30 Jahren nicht mehr wirtschaftlich abbilden können (siehe Ausgabe 5/2021). „Folgerichtig haben sich nahezu alle Anbieter mit dem Jahreswechsel aus der BZML zurückgezogen oder angekündigt, dies in naher Zukunft zu tun“, sagt Michael Hoppstädter.

„Aber Arbeitgeber stehen für eine solche Garantie gegenüber ihren Arbeitnehmern weiter gerade, wenn sie sich zur BZML ausdrücklich verpflichtet haben“, warnt der Geschäftsführer des bAV-Dienstleisters Longial. „Arbeitgeber sollten die BZML schnellstens für Neueintritte schließen und eine neue Versorgungsregelung als beitragsorientierte Leistungszusage (BoLZ) aufsetzen“, empfiehlt Hoppstädter.

Versicherer bieten BoLZ, Metallrente will weiter BZML

„Für Arbeitnehmer stellt die BZML die aktuelle Benchmark dar“, hatte Heribert Karch im vergangenen Jahr betont. Dabei hatte Marktführer Allianz schon damals für Unruhe gesorgt, als bei mehreren kapitalmarktnahen Tarifen die Rentenfaktoren gesenkt wurden, darunter auch für die BZML im Tarif „Chance“ der Metallrente. Inzwischen hat Konsortialführer Allianz längst Tatsachen geschaffen. „In der bAV richtet sich der Fokus noch stärker auf die BoLZ, die flexibel verschiedene Garantieniveaus ermöglicht, wobei ein Niveau von 80 Prozent im Fokus steht“, kommentiert Klaus-Peter Röhler, Vorstandschef der Allianz Deutschland, die Geschäftsergebnisse 2021. „Allerdings wird die BZML noch in bestehenden Kundenbeziehungen angeboten“, sagte Allianz-Sprecher Franz Billinger auf Nachfrage.

Derweil setzt die Metallrente weiter auf die BZML, basierend auf den beiden Flächentarifverträgen von 2001 und 2006. „BoLZ-Angebote mit abgesenkten Garantieniveaus, wie sie derzeit am Markt verbreitet sind, stellen aus unserer Sicht für Arbeitgeber wie für Beschäftigte nicht die werthaltigste Zusage dar“, meint Müllerleile. Die BZML biete „weiterhin Rechtssicherheit, Verlässlichkeit und gute Leistungsniveaus“. Konsortialmanagerin Leithold sagt: „Im aktuellen Umfeld haben gerade jüngere Beschäftigte mit dem Metall-Pensionsfonds die besten Chancen auf renditestarke Betriebsrenten.“

Klinikrente setzt schon auf BoLZ

Auch das Versorgungswerk Klinikrente verzeichnete 2021 wieder einen starken Zuwachs, ist aber nach Kundenunternehmen und Vertragsstückzahl nur etwa ein Zehntel so groß wie die Metallrente. Mit rund 14.400 Menschen gab es aus der Gesundheitsbranche in etwa so viele Zugänge wie 2020. Insgesamt 438 weitere Unternehmen stießen hinzu, sodass nun 5.200 Krankenhäuser, Reha- und Pflegeeinrichtungen Mitglied im Versorgungswerk sind. Ende 2021 verzeichnete die Klinikrente einen Bestand von über 115.700 versicherten Personen (plus 13.000), davon 84.000 in der bAV (plus 8.000), berichtet Geschäftsführer Hubertus Mund.

Auch bei der Klinikrente agiert ein ähnlich zusammengesetztes Konsortium im Hintergrund bei der Kapitalanlage und im Vertrieb, so Mund. Risikoträger sind Allianz, Condor, Deutsche Ärzteversicherung, R+V und Swiss Life. Zugleich bedient das Branchenversorgungswerk inzwischen über 30 Tarifverträge, die direkt von den Sozialpartnern in den Kundenunternehmen abgeschlossen worden sind. Trotz Niedrigzinsen deklariert die Klinikrente in den Durchführungswegen der klassischen Direktversicherung und Unterstützungskasse auch 2022 eine vergleichsweise gute Gesamtverzinsung „von bis zu 2,9 Prozent“ (2021: bis 3,0 Prozent), wobei die Klassik-Policen in der U-Kasse nur noch 2,05 Prozent laufende Verzinsung garantieren (gesamt: 2,55 Prozent).

Klar ist: Die Beschäftigten benötigen Rendite, um Vorsorgeziele erreichen zu können. „Nur durch Partizipation an den Kapitalmärkten ist diese Rendite möglich“, sagt Klinikrente-Geschäftsführer Michael Rabes. Deshalb biete das Versorgungswerk seit 2022 im Rahmen einer BoLZ im Vorsorgekonzept „Chance“ zeitgemäße Garantieniveaus von wahlweise 90, 80 oder 60 Prozent an. „Die BZML gibt es bei der Klinikrente nur noch im Metallrente-Pensionsfonds“, bestätigt Friedhelm Gieseler, Mitglied der Geschäftsführung, auf Nachfrage.

Hintergrund: Unter dem Namen „Klinikrente im Metall-Pensionsfonds“ können seit 2021 auch Beschäftigte im Gesundheitswesen mit dem Metall-Pensionsfonds vorsorgen. Die anderswo verringerten Garantien mit der BoLZ könnten jedoch zur Nachhaftung von Arbeitgebern führen, wenn der Tarifvertrag eine 100-Prozent-Mindestleistung als arbeitsrechtliche Zusage enthält. „Solche Tarifverträge gibt es im Bereich der Klinikrente aber nicht“, beruhigt Gieseler.

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