Banken
22. November 2019

Bundesbank: Finanzsystem bleibt fragil

Stabilitätsbericht identifiziert starke Konjunkturanfälligkeit. Unterschätzung von Kreditrisiken und Überschätzung von Kreditsicherheiten.

Der Finanzstabilitätsbericht 2019 der Bundesbank identifiziert erhebliche Fragilität des deutschen Finanzsystems, welches insbesondere in einer konjunkturellen Abschwächung gewisse Schwächen offenbaren könnte. „Ein unerwarteter Konjunktureinbruch und abrupt steigende Risikoprämien könnten das deutsche Finanzsystem empfindlich treffen“, so Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch bei der Vorstellung des Berichts. Die Bundesbank warnt davor, dass zyklische Systemrisiken unterschätzt werden könnten. Konkret nennt der Bericht Kreditrisiken. Zwar habe sich die Bonität der deutschen Unternehmen verbessert, in den Kreditportfolios der Banken habe jedoch der Anteil „relativ riskanterer Kreditnehmer“ zugenommen. „Diese Allokationsrisiken sind in den vergangenen Jahren gestiegen und tragen zu den zyklischen Verwundbarkeiten im gesamten Bankensystem bei“, sagte Buch. So zeige sich die schwächelnde Konjunktur nicht in der Kreditvergabe, insgesamt sei angesichts niedriger Insolvenzen sowie niedriger Arbeitslosigkeit die Risikovorsorge rückläufig. Kreditrisiken könnten dadurch unterschätzt werden.

Hinzu komme, dass Kreditsicherheiten, beispielsweise durch Immobilien, möglicherweise überschätzt würden. In städtischen Gebieten seien Wohnimmobilien nach Schätzungen der Bundesbank zwischen 15 und 30 Prozent überbewertet. Sowohl private Haushalte als auch Banken erwarten jedoch weiter steigende Preise. „Damit besteht die Gefahr, dass Marktteilnehmer die vergangene Entwicklung zu optimistisch in die Zukunft fortschreiben und dabei die Werthaltigkeit von Sicherheiten überschätzen“, sagte Buch. Auch hinsichtlich von Zinsrisiken sieht die Bundesbank Gefahren, die sich durch die Ausweitung der Fristentransformation der Banken ergeben. Als Reaktion hatte der Ausschuss für Finanzstabilität (AFS) der Bafin empfohlen, die antizyklischen Kapitalpuffer zu aktivieren. Dem ist die Bafin im dritten Quartal gefolgt. Auch Klimarisiken behandelt die Bundesbank erstmals in dem Bericht: Ergebnisse einer Sonderumfrage von BaFin und Bundesbank deuteten darauf hin, dass knapp zwei Drittel der befragten Finanzinstitute klimabezogene Risiken noch nicht in ihre Risikobetrachtung integriert hätten. Aktuell planten allerdings 22 Prozent der Institute, ihr Risikomanagement um Klimarisiken zu erweitern, so der Bericht.

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