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1. August 2013

Commerzbank gibt Depotbankgeschäft auf

Das Geschäft übernimmt BNP Paribas. Im Spezialfondsbereich verwaltet der französische Global Custodian nun rund 230 Milliarden Euro und lässt damit seine Wettbewerber weit hinter sich.

BNP Paribas hat das Depotbankgeschäft der Commerzbank übernommen und baut damit ihre Führungsposition im deutschen Spezialfondsgeschäft aus. Wie der Global Custodian mitteilte, beträgt das verwahrte Fondsvermögen der Commerzbank rund 93 Milliarden Euro, davon entfallen rund 47 Milliarden Euro auf Spezialfonds. Durch die Übernahme kommt BNP Paribas in Deutschland damit nun auf ein verwahrtes Spezialfondsvermögen von rund 230 Milliarden Euro. Deutlich abgeschlagen auf Platz zwei landet laut BVI-Statistik BNY Mellon mit rund 121 Milliarden Euro an verwaltetem Spezialfondsvermögen (Stand Ende 2012). Allerdings müssen die zuständigen Aufsichtsbehörden die Transaktion zwischen der Commerzbank und BNP Paribas noch genehmigen.
Für BNP Paribas ist dies die erste Übernahme im deutschen Depotbankmarkt. „Das ist unser erstes anorganisches Wachstum. Wir haben 2002 aktiv mit dem Depotbankgeschäft in Deutschland begonnen. Damals sind wir bei null gestartet und haben uns zum Marktführer im Bereich der Spezialfonds entwickelt“, erläutert Gerald Noltsch, CEO von BNP Paribas Securities Services in Deutschland. Deutlich schwerer gestaltete sich das Wachstum für den französischen Global Custodian im Publikumsfondsbereich. Stand Ende 2012 belief sich das hier verwaltete Fondsvermögen auf vier Milliarden Euro. „Im Bereich der Publikumsfonds lässt es sich nur schwer organisch wachsen, da diese meist Teil einer Bankengruppe sind“, so Noltsch. Durch die Migration des Depotbankgeschäfts der Commerzbank wächst das verwaltete Publikumsfondsvermögen von BNP Paribas nun auf rund 28 Milliarden Euro.
Darüber hinaus gelingt dem Global Custodian durch die Übernahme des Depotbankgeschäfts der Commerzbank der Einstieg in den Immobilienfondsbereich. Immerhin hat die Commerzbank in diesem Bereich ein verwaltetes Vermögen von 21 Milliarden Euro. „Wir haben uns schon länger den Immobilienbereich angeschaut. Wir wollten diesen Bereich allerdings nur starten, wenn wir eine kritische Masse haben. Durch die Übernahmen haben wir diese nun“, so Noltsch. Er weist allerdings darauf hin, dass man nicht alle Immobilienfonds übernehmen wird. Die offenen Publikumsfonds, die sich in der Abwicklung befinden, verbleiben bei der Commerzbank. Insgesamt werden 13 Milliarden Euro migriert. „Wir werden damit zur drittgrößten Immobiliendepotbank in Deutschland“, erklärt der BNP-Paribas-Mann. Und weiter: „Wir decken nun die komplette Angebotspalette ab. Denn zusätzlich haben wir auch unsere eigenen Entwicklungen im geschlossenen Bereich und bei Private Equity vorangetrieben.“  
Was die Übernahme der Depotbankaktivitäten der Commerzbank gekostet hat, war nicht zu erfahren. Über die vertraglichen Details wurde Stillschweigen vereinbart. Wie es hieß, haben die mehr als 80 Mitarbeiter der Commerzbank aus diesem Bereich die Möglichkeit, zu BNP Paribas zu wechseln.
Der deutsche Depotbankmarkt wird bereits seit längerem von Global Custodians dominiert. Mit dem Austritt der Commerzbank aus diesem Segment verlässt nun eine der letzten großen deutschen Adressen dieses Geschäftsfeld. Ist das also der Startschuss, dass der schön lange vorhergesagte Konsolidierungsprozess in die Gänge kommt? Derzeit hat die Bafin allerdings noch immer rund 50 Depotbanken gelistet.
portfolio institutionell, 26.07.2013, Kerstin Bendix

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