Alternative Anlagen
2. Dezember 2021

Rentenreform in Kanada trägt Früchte

Das Vertrauen der kanadischen Bevölkerung in ihren Canada Pension Plan wurde vor ein paar Jahren auf die Probe gestellt. 30 Jahre nach seiner Gründung stand der Pensionsfonds Mitte der Neunzigerjahre kurz vor dem Aus. Eine Rentenreform brachte die Wende. Heute gehört die Anlagesparte CPP Investments zur Avantgarde im Investmentmanagement.

Die Größe der Kapitalanlage von Rentenkassen korreliert mit der sozialen Verantwortung ihrer Mitarbeiter. Zwischen beiden besteht ein direkter Zusammenhang, den sich die Vermögensverwalter immer wieder vor Augen führen müssen. Nur so können sie ihrer treuhänderischen Funktion – es geht schließlich nicht um ihr eigenes Geld – gerecht werden. Beim Canada Pension Plan Investment Board (CPP Investments) – dem Investmentarm des Canada Pension Plan – ist ein solcher Leitspruch tief in der Kultur verankert. „Wir nehmen unsere Verantwortung gegenüber den Kanadiern sehr ernst und handeln mit klarem Auftrag – Renditemaximierung ohne unangemessenes Risiko.“

Diesem Satz begegnet man immer wieder. In den Geschäftsberichten des Großanlegers aus Toronto und in den Interviews seiner Führungskräfte, wie dem seit Februar 2021 amtierenden Vorstandschef John Graham. Neben dieser selbst verordneten Besonnenheit zeichnet sich der milliardenschwere Investor durch eine Reihe von Superlativen aus. Doch das war nicht immer so.

Krise und Vertrauensverlust

CPP Investments wurde 1997 ins Leben gerufen. Damals stand der 31 Jahre zuvor gegründete Canada Pension Plan unter massivem Druck. Denn seine Finanzlage hatte sich aufgrund mehrerer Faktoren rapide verschlechtert. Ein Grund für den Niedergang war die steigende Lebenserwartung der Kanadier.

Versicherungsmathematiker warnten im Jahr 1995, dass die damals vorhandenen Kapitalanlagen bis 2015 verbraucht sein werden. In der Rentenplanung hat CPP daraufhin gewissermaßen bei null angefangen: Eine Rentenreform brachte die Wende zum Besseren. Auf den Erfolgspfad kam der Canada Pension Plan schließlich durch seinen neu installierten Investmentarm CPP Investments.

Doch der Schock über die Schieflage des für viele so wichtigen Rentenversicherers steckt manchem Kanadier noch heute in den Knochen. Viele meinen auch jetzt noch, dem Fonds gehe schon bald das Geld aus. Wieviel Wahrheit steckt in dem Mythos?

Beitragspflicht für Arbeitnehmer

Mehr als jeder zweite der rund 38 Millionen Kanadier spart in einen der CPP-Rentenpläne und bezieht früher oder später eine Rente vom Canada Pension Plan. Finanziert werden die monatlichen Auszahlungen einerseits durch Pflichtbeiträge von Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Selbstständigen. Arbeitnehmer beginnen im Alter von 18 Jahren, Beiträge zu leisten. Sie zahlen einen Beitragssatz von 4,95 Prozent ihres Einkommens. Die Arbeitgeber gleichen dies mit gleichen Beiträgen aus.

Auf der anderen Seite spielen die Kapitalanlagen eine maßgebliche Rolle bei der Ruhestandsplanung der Kanadier. In dem nordamerikanischen Land gibt es eine Reihe sehr großer Pensionspläne, zum Beispiel für Lehrer (Ontario Teachers’ Pension Plan; mehr darüber im Artikel „Ontario Income Plan“) oder Angestellte in der Stadtverwaltung (Ontario Municipal Employees).

Der Canada Pension Plan nimmt eine Sonderrolle ein. Hauptaufgabe des Investmentarms CPP Investments ist es, die Mittel der mehr als 20 Millionen Beitragszahler und Begünstigten des Canada Pension Plan anzulegen. Ende Juni 2021 verwaltete CPP Investments ein Nettovermögen von 519,6 Milliarden kanadischen Dollar (361,7 Milliarden Euro).

Der Canada Pension Plan ist damit eine der zehn größten Pensionseinrichtungen weltweit – und dürfte langfristig weiter rasant wachsen. Projektionen kanadischer Versicherungsmathematiker deuten darauf hin, dass das Nettovermögen des Fonds zu Beginn des nächsten Jahrzehnts die 1.000-Milliarden-Grenze überschreitet. Für das Jahr 2039 werden dann 1.500 Milliarden kanadische Dollar angepeilt. Und die Aktuare blicken noch viel weiter in die Zukunft. Angeblich ist CPP Investments unter ökonomischen Gesichtspunkten für die kommenden 75 Jahre finanziell „nachhaltig“.

Der Maschinenraum von CPP Investments

Werfen wir einen Blick in den Maschinenraum: Nach Abzug aller Kosten blieb im vergangenen Geschäftsjahr, das am 31. März 2021 zu Ende ging, eine Rendite von 20,4 Prozent hängen. Es war das bislang beste Ergebnis in der Geschichte des kanadischen Platzhirschs, der in Deutschland längst kein Unbekannter mehr ist. Im vergangenen Jahr angelten sich die Nordamerikaner große Windparks vor deutschen Küsten. Um die Zukäufe zu finanzieren, holte CPP Investments die Talanx-Versicherung mit ins Boot. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre steigerte die Kapitalsammelstelle den Wert ihres Geldspeichers um 10,8 Prozent per annum. Die Rentner dürfte das freuen.

Anlageerfolg muss natürlich immer auch im Kontext mit einem Referenzwert betrachtet werden. CPP Investments verwendet für seine internen Rentenpläne Benchmarks auf Basis passiver, öffentlicher Marktindizes. Diese Referenzportfolios sollen das „angestrebte Marktrisikoniveau“ widerspiegeln, heißt es in Toronto. Im Turnus 2020/21 kletterte der Wert des maßgeblichen Referenzportfolios um satte 30,4 Prozent – und übertraf damit das von CPP Investments ausgewiesene Plus mehr als deutlich.

Aber, kontern sie bei CPP Investment, um die vermeintliche Schmach von sich zu weisen, das eigene Portfolio sei ganz anders strukturiert als seine Benchmark. Man habe „bewusst und umsichtig ein Portfolio aufgebaut, das deutlich stärker diversifiziert ist“, reklamiert die Organisation für sich. Zur Begründung heißt es, man wolle sich nicht nach einer volatilen Benchmark richten, sondern „die kurzfristige Volatilität minimieren und im Vergleich zu einem Portfolio, das hauptsächlich an öffentlichen Aktienmärkten engagiert ist, konsistentere Renditen erzielen“.

CPP Investments berichtet stolz, dass die eigene aktive Managementstrategie dazu geführt habe, „dass der Fonds die Rendite der Referenzportfolios auf kumulativer Basis seit Auflegung übertroffen hat, eine geringere Volatilität aufweist“ und gleichzeitig ein sicherer Hafen in Stressphasen sei. Das geht nur mit einer breiten Streuung der Kapitalanlagen.

Anlagevielfalt im Portfolio

In Kanada betrachten sie die Diversifikation der Anlagen als den „stärksten Hebel zur Sicherung der langfristigen Widerstandsfähigkeit unseres Portfolios und unser wichtigstes Instrument zur Steuerung des Gesamtrisikos“. Im Tagesgeschäft streuen die Kanadier das Geld der Rentensparer in vier Dimensionen: Natürlich über verschiedene Anlagen, aber auch über Länder, Risiken und spezielle Anlageprogramme hinweg. CPP Investments hält Beteiligungen in 56 Industrie- und Schwellenländern und nutzt dazu das externe Wissen von 292 Anlagepartnern, also anderen Investmentgesellschaften.

Der Fonds beteiligt sich auch an Unternehmen, die unmittelbar vor dem Börsengang stehen. „Unser Portfolio ist eine Sammlung miteinander verbundener Teile und Strategien – ungefähr 30 verschiedene Anlageprogramme – die zusammen ein stimmiges Ganzes bilden“, heißt es auf der Homepage. Mit diesem Konzept könne der Fonds Chancen aus fast allen möglichen Anlageperspektiven nutzen.

Aktien bilden die größte Säule

Größter Posten im Portfolio waren am Ende des vergangenen Geschäftsjahres öffentlich gehandelte Aktien mit einem Anteil von 29,2 Prozent. Zweiter Big Block sind Private-Equity-Anlagen mit einem Anteil von 26,7 Prozent. CPP Investment hält Private-Equity-Beteiligungen im Wert von geschätzten 140 Milliarden kanadischen Dollar. Laut dem Magazin „Private Equity International“ besteht das Teilportfolio zu etwa gleichgroßen Teilen aus Fonds und Direktanlagen.

Der in München aufgewachsene Jurist Maximilian Biagosch leitet die Abteilung für direkte Private-Equity-Investments. Seine 60 Kollegen arbeiten in Büros in Toronto, London, San Francisco und New York. Sie betrachten das gesamte Spektrum der Eigentumsstrukturen – von passiven Minderheitsbeteiligungen bis hin zu 100-Prozent-Besitz. Jede Beteiligung listen die Nordamerikaner auf ihrer Homepage vorbildlich auf.

Festverzinsliche Wertpapiere nehmen mit einem Anteil von 23,1 Prozent eine Nebenrolle ein. CPP Investments bündelt darin Staats- und Unternehmensanleihen, Bargeld und Absolute-Return-Strategien sowie extern aufgenommenes Kapital. Etwas kleiner ist der Anteil der Sachwertanlagen (Infrastruktur, Immobilien und andere Real Assets) mit insgesamt 21 Prozent.

CPP Investments nutzt Gesamtportfolioansatz

Wie steuert man ein solches Portfolio? Auch darauf haben sie in Kanada eine klare Antwort: „Bei Entscheidungen darüber, in was investiert werden soll – und welche Vermögenswerte verkauft werden sollen, um jede Investition zu finanzieren – betrachten wir das Gesamtportfolio und nicht nur bestimmte Asset-Klassen.“ Mit anderen Worten zielen die Kanadier nicht darauf ab, eine bestimmte Anlagequote zu erreichen.

Stattdessen blicken sie über die Beziehungen, die zwischen einzelnen Themen bestehen können, hinaus. Bei diesem Gesamtportfolioansatz (Total Portfolio Approach) lassen sich sowohl die Komponenten- als auch die Gesamt-Rendite-Risiko-Profile im Portfolio im Zeitverlauf beibehalten.

Bei CPP Investments betrachten sie das Portfolio als eine Sammlung miteinander verbundener Teile und Strategien, die zusammen das Ganze, das Portfolio ergeben. Dieser Ansatz sei Anlagekonzepten, die sich auf traditionelle, starre Vermögensallokationen konzentrieren, „konsequent überlegen“. Allen Unkenrufen zum Trotz haben die Kanadier also keinen Grund zu der Annahme, dass ihrer Rentenversicherung schon bald das Geld ausgehen wird.

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